Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1846)
- Date
- 1846-11-12
- Page
- Seite 360 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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360 gekehrt, werde cs nicht lange dauern, bis an Maulbronns Klostermauern dulden sie das deutsche Gleis. -- Von der Uugargrenze zürn Rheine Eisenbahn und. Zollvereine.— W ird w oh l manche.Schrauke schwanden, die noch Mensch von Menschen trennt. Welchem Volk er angehoret, wie er seinen .Gott verehret, wird.kein.Passagier gefragt. — Dr. Weil versäumt keine Gelegenheit, um unser gutes Recht zu verfechten, er wird auch noch den Triumph feiern, seine unausgesetzten Bemühungen mit glücklichem Erfolg gekrönt zu sehen. — Dr. Schwabacher ist nun zum Rabbiner in Schwerin bestallt geworden.-Wir hoffen, daß die Wahl eine glückliche ist. Möge sein Wirken dort so heilbringend sein, wie sein Andenken in Schwaben ein freundliches und gesegnetes ist. — Die Erlasse der Israel. Oberkirchen-Behörde über die Frauenbäder und Verbannung der Profan- Melodien aus dem Gottesdienste..werden später vollständig in diesen Spalten gegeben, werden. Krotoschin, 1. Novbr. In Nr. 44 des Orient sucht ein Korrespondent aus Breslau, den in Nr. 41 desselben Blattes über das Krotoschiner Rabbinat gegebenen Bericht zu ergänzen. Diese Ergänzung bedarf aber einer bedeutenden Berichtigung. Vorerst ist das geradezu ein selbstgesponueneö Gewebe, Herrn Dr. Crack au er — denn das soll doch wohl der Name C. sein — in einer doppelten Gestalt auftreten zu lassen. Herr Dr. Krakauer hat nie als Radikal-Reformer zu uns gesprochen. Seine erste wie seine zweite Predigt, waren ganz dem innersten Wesen des konservativen Judenthums angeschmiegt, und wäre .dies nicht gewesen, wahrlich der gesunde Sinn des Volkes läßt sich durch solche Widersprüchigkeit, wie sie der Breslauer Korrespondent findet, nicht täuschen. Herrn C.s Worte wurden alle Mal mit wahrer Begeisterung ausgenommen, und wenn derselbe auch verschmähte, nach den stumpfgewordenen Waffen der Chitukhelden zu greifen, um die Lamdanim, die sich gegen jeden deutschen Vortrag spreizen, zu bestechen, so gewinnt C. nur darum mehr bei unserer Gemeinde, die intelligente Kräfte genug besitzt, um ein oratorisches Talent, wie das des Herrn C., gehörig zu würdigen. Was Herrn Friedmanns Besitznahme der hiesigen Sympathien betrifft, so ist dies nicht so weit her, wie der Breslauer Korrespondent es wissen will. Herrn Friedmann erwartete bei feinet Ankunft ein Vorurtheit, und wo ein solches einmal da ist, dann mag man schütteln und rütteln daran, wie man will, es läßt sich nicht so schnell entwurzeln. Die Nachrichten von seiner ganz mißglückten Predigt in Gleiwitz, und seines früher schon mißglückten Perakvortrags in Breslau, kamen vor ihm hier an, und stimmten die Gemüther gegen ihn. Nun verlangt man heutigen Tags von einem Prediger, daß er in der Rede, seinen Standpunkt zu den religiösen Bewegungen der Zeit angebe, damit wir aus diesem sein Glaubensbekenntniß gleichsam kennen lernen, und sogleich wissen, ob derselbe für um passt oder nicht. Herr Friedlnaun ist aber in '.feinenbeiden Predigten sehr politisch zu Werke gegangen. Am mn^n raty wie am mJ Abend hörten wir nichts von den ckrästigpulsirendeu Lebeusäußerungen der Gegenwart, sondern der alte Kram mußte seineverlegenen Waaren wieder hergebcn, und Tod und Hölle und Satan wurden herausbeschworen, um ja das Herz zu erschüttern und die DWU CPEP als die Tage des Schreckens zu. bezeichnen. Wenn Geistesreichthnm, Witz, Beredsamkeit ein klingendes Wortspiel heißen, dann war Herr F. in seinen Predigten sehr geistreich und sehr beredt, da mau aber gewöhnlich unter diesen Begriffen noch etwas anders versteht, so wollen wir ein weiteres Urtheil uns ersparen. — Dixi. Aus dem P osen schon, Anfang Novbr. Ich beeile mich, Ihnen zu melden, daß der Fortschritt einen glänzenden Sieg gefeiert hat. Eine außerordentliche Stadtverordneteuversammluttg sollte in Posen etnOcvitfcn und nach dem Wunsche des RegierullgSbevollmächtigteu sollte der Stadtverordnete Hr. Mamroth ausgeschlossen werden. Dagegen haben Mehre seiner Kollegen protestirt und die Versammlung kam nicht zu Staude. Das Nähere in meinem nächsten Berichte. — Die Posen'sche Mode, sich Probepredigteu hatten zu lassen wird nun geradezu lächerlich. Krotoschiu, Schwerin a. d. W. ließen sich einige Dutzend Probepredigten halten. Dies ist ein faules Produkt der schalen Aufklärerei. Soll etwa die ganze geistliche Karriere von der Laune einer Predigt abhängeu? Krotoschiu glaubt wahrlich, ein Eden zu sein, wohin alle Prediger, denen die Bosheit, Verschmitztheit und-Ränkesucht das Leben oft zur Hölle macht, wanbevn sollen, um dort vor der Elite der jüdischen Gelehrten, der scharfsinnigen Kuustrichter, der geistreichen Aesthetiker, der tiefen Philosophen, der gründlichen Tatmudisteu, die Feuerprobe zu bestehen. Ich glaube, wenn ein Bisthum besetzt werden soll, wird des Aufhebens nicht soviel gemacht. Schwerin machte es nicht besser. Wie sind die armen Prediger zu bedauern, denen die Laune eines unwissenden Gemeiudegliedes oft einen Strich durch ihre Ideale macht. Die Berliner Genossenschaft hat mit den gastireudeu Predigern begonnen; die Herzogthümer haben dieses Produkt der Reform angenommen. Wahrscheinlich werden die Schächter auch bald eine Probeschlacht abhalteu müssen. Dem Prediger gegenüber kann auch der Schachergeist nicht nnthätig sein. — Die Kolonisation macht bedeutende Fortschritte. Wenn sie zu Stande gekommen sein wird, so wird sie nicht verfehlen, auch auf andere Gegenden v ortheilhast einznwirkm. Crefeld, im Nov. Ich erlaube mir, den Lesern des Or< folgenden Bericht unseres geehrten Oberrabbiner an die Regierung mitzutheiten. Er lautet: