Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1846)
- Date
- 1846-11-12
- Page
- Seite 359 (sequence 5)
- Language
- German
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359 der Korporationsrechte Seitens Seiner Majestät des Königs, die bis jetzt aber noch nicht erfolgt ist; theils war der Herr Oberpräsident abwesend mld auch der Vorsitzer, der Oberrabbiner von Amtsgeschäften wahrend der Festtage so sehr in Anspruch genommen, daß selbst dann, wenn es erforderlich gewesen wäre, schwerlich etwas hätte geschehen können. Ist nun schon das Hauptfaktum eine reine Fiktion, so sind cs nicht minder die berichteten Nebenumstände und die angeblichen Verhandlungen. Der Korrespondent will das Publikum glauben machen, es sei dieses Unternehmen nicht im Interesse der mittellosen Inden unternommen; ausdrücklich aber heißt es im 1. §. der Statuten ,,gering begüterten oder unbemittelten Juden Gelegenheit zu geben ans den mit dem Trödel und Kleinhandel verbundenen Nahrung s so rg e n herauszutreten re.; eben so will er wissen, daß sich ,,drei Tausend und einige Hundert , unter diesen Viele mit einem Vermögen von 1500 Thtr. gemeldet"; wir können aber versichern, daß die von beut Korresp. übertrieben hohe Zahl falsch und daß auch nicht Einer in der von uns genau durchgesehenen Liste mit '1500 Thlr. aufgeführt ist. Eine Unwahrheit ist es ferner, daß die Negierung die beiden §§. wegen der Beschränkung im Halten christlicher Dienstboten, wie des Verkaufs der Wirthschafteu an- Christen verworfen; der Verwaltungsrath hat das erstere nie als eine conditio sine qua non hingestellt, und was das zweite betrifft, so hat die Regierung nur den Wunsch ausgesprochen „dieselbe in Erwägung zu ziehen, ob eS nicht dem Interesse des- Vereins entsprechen dürste , die Bestimmung, welche dahin abzielt, die den Kolonisten zu überweisende Grundsteuer auf ewige Zeiten dem weitem Verkehr zu entziehen, abzuändern"; und zwar nicht aus dem von dem Korresp. angegebenen Grund der Jsolirung allein, sondern auch weil durch Verminderung der Aussicht auf dereinstigen Gewinn derThätigkeit der Kolonisten ein wirksamer Hebel entzogen wird". Es sind auch endlich die Fragen, die von einem Mitglieds aus Julroschim angeregt sollen werden, nie vorgekommen. Der Oberrabbiner würde gewiß nicht bei einer Frage, die das innerste Wesen des Judenthnms berührt, wie die über das Entweihen des Sabbats stillgeschwiegen haben. Im Gegentheil wissen wir mit' Bestimmtheit, daß der Oberrabbiner es unzählige Mäl erklärte, daß von einer Arbeit am Sabbat seitens der Kolonisten' nirgends die Rede sei und habe er vielmehr gleich als er seinen Antrags bei Seiner Majestät dem Könige stellte , damit das-Ansuchen verbunden, es möge denackerbautreibenden Inden gestattet sein, an nichtjüdischen Fest-- und Feiertageu zu arbeiten, damitsio durch die doppelte Feier nicht zu sehr in ihrer Beschäftigung gestörtwürdeir. Esfallen somitnatürlich all die Tiradcm überden glänzenden Fortschrittder Zeit, in ein Nichts weg. Doch er hat feine Tendenz-; erwilt die Rabbinerversammluug feiern, diesen modernen Sunden bock, der alle religiösen Vergehen Israels auf sich nimmt und in ein verwünschtes oder erwünschtes Gebiet tragt. Wir bemerken indessen, daß diese löbliche Versammlung bis dato sich noch gar nicht mit der Schweinezucht beschäftigt hat, und was die Freigebung des Sabbats zur Arbeit betrifft, so hat sie zwar Erklärungen abgegeben; aber die Haberl ihre Bedeutung in partiluis jnfklelium; für die Gesammtheit des Judenthums verdienen sie kaum Beachtung, am Allerwenigsten werdet: sie in unseren strenggläubigen Gemeinden und von unserem Rabbi nur irgendwie berücksichtigt. Was mag mm der Korresp. mit seinem Berichte haben erzielen wollen? Wir sind weit entfernt ihn zu verdächtigen; doch müssen nur behaupten, daß seinArtikel einen peinlichen Eindruck gemacht und daß er geeignet ist auf allen Seiten die Sympathien für die Kolonisation zu crtödten. Er mißt den; Unternehmen eine nnjüdifche rmd irreligiöse Terrdenz bei; treibt mit den heiligsten Institutionen ein arges Spiel, und das Lob, das er der sogenannten Rabbinerversannnlnng znmenden will, lnnß dieser selbst nrn so widerlichersein, als die Grundlosigkeit so plump in die Augen fällt. Wurdembevg, im Oktbr. Der vorige Monat war ein Fest durch ganz Schwaben; der Einzug des Kronprinzen mit seiner Gemahlin beschäftigte alte Gemüiher. Daß die Israeliten nicht zurnckblieben, Beweise von der Liebe und Treue gegen ihr Fürstenhaus abzulegen, liest sich voraus erwarten. Moses Benedikt hat sich wieder besonders ausgezeichnet, wie er überhaupt immer der Ersten einer ist, wo es gilt Vaterland und Religionsgenosftnschast zu vertreten. Er war auch mit nochzwei Israeliten im Konnte zur Beglückwünschung des hohen Paars und wurden von der Kronprinzessin ehrenvoll ausgezeichnet. Der Großfürst Konstantin hat dem israel. Waifenverein ein Gnadengeschenk von 100 fl. überwiesen. Möge der junge Fürst auch in Gnade seiner russischen jüdischen- Unterthanen gedenken. — Am 15. d'. M. fand in Stuttgart die Feier der Eröffnung der Eisenbahnen statt. Bei einem großartigen Festmahle, an dem die Chefs der Ministeriell Antheil nahmen, zeicknlete-sich Assessor Dr. Carl Weil durch einen von Witz- und Laune sprudelnden Trinkspruch in gebundener Rede aus. Der schwäb. Merkur giebt einige Stellen wieder.: „Die' heiterste Stimmung belebte das Wahl; Toast an Toast reihte sich.. Siealte zubeschreibenwäre ilnfruchtbar-. Doch ans einemvon Witz und Laune sprudelnden Trinksprnche ingebundener Sprache' des Assessor- Well geben wir aus dem Gedächtnisse einige Stellen wieder: Hr. Weit hofft-, manwerde nachbarlich' zugestehen, daß, vondeutschem Sinn durchdrungen, nicht nur Schleswig meerumschlungen,, daff auch Schwaben' Deutschlandsei. Wennder Welcker-, Rindeschwen-- der> ans der fernen Dänen Länder ruhmgekrönet heitn- 46