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Der Orient · 1846-11-12 · Heft 46 (12.11.1846) · p. Seite 358

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 46 (12.11.1846)
Date
1846-11-12
Page
Seite 358 (sequence 3)
Language
German
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358 die sehr hämisch sagen: „sehet, sie wollen sich der Glerchstellung würdig machen, das ist brav", und solche Vvrurthcile darf man nicht aufkommen lassen, man muß strenge bei der Stange bleiben, wie der Volksausdnrck' sagt. Herr Eduard Cohn, einer der Gründer des Vereins, ist in Mcldorf zum Ehrenmitglied der Bürgerschaft ernannt worden; Herr Cohn ist ein eifriger Politiker und ein sehr thätiger Publieist, ein echter Patriot. — Herr Chacham Bernays feierte am 25. Oktober sein 25jährigcs Amtsjubitäum, bei welcher Gelegenheit ein außergewöhnlicher Aufwand von allerlei Pracht und Herrlichkeit gemacht wurde, Beweis genug, daß Bernays hier sehr geliebt und geachtet wird. Mau schenkte ihm unter vielen anderen Sachen eine prächtige min “IDD, eine Medaille, die zur Feier des Tages geschlagen wurde u. dergl. mehr. Die Straße, in welcher er wohnt, war am Sonnabend Abend (von Christen und Juden) illnminirt, am Sonntage war das Gedränge in feinem Hause und in der Straße so arg, daß man sich'durchdrängen mußte, alles weist darauf hin, daß der Mann sehr in Achtung steht, und will man ihn mit Gerechtigkeit d. h. von seinem Standpunkte aus beurtheilen, wird man gern eingestehen, daß er diese Liebe und Achtung in hohem Grade verdient. X. X» Posen. (Pos. Zeit. Nr. 249.) Das Konnte für die Kolonisation der Juden hatte kürzlich abermals eine Sitzung, in welcher, da eS sich nicht vornämlich darum handeln soll, den mittellosen Inden einen Erwerb zu verschaffen, sondern Liebe und Sinn für Ackerbau bei ihnen zu wecken, ernste unb bedeutsame Fragen zrir Sprache kamen. In der That nimnrt diese Angelegenheit einen erfreulichen Fortgang: drei Tausend und einige Hundert haben sich bereits gemeldet, die Boden zur selbstständigen Bebauung haben wollen, unter diesen Wiele mit einem Vermögen von 1500 Thalern, was den schlagendsten Beweis liefert, daß die Inden des Herzogthums gern, nicht von Vermögensverhältnissen gezwungen , dem Ackerbau sich hingeben. Mehrere Paragraphen, die ursprünglich in die Statuten ausgenommen worden, wurden von der Regierung in der löblichen Absicht gestrichen, daß jeder Schein von einer Jsolirung gemieden werden solle. Aus diesen: Grunde wurden daher auch die beiden Paragraphen, daß nach den ersten drei Jahren die Juden sich keines Christen zu ihrer Feldarbeit bedienen dürfen, und daß dermaleinst Jeder seinen Besitz, den er sich etwa an Grundstücken erworben haben sollte, nur wiederum an einen Juden verkaufen dürfe, vor: der Regierung verworfen. Einige von einem Komite-Mitgtiede aus Jntroschin gestellte Fragen erregten in der Sitzung, wenn auch keine besondere Debatte, doch eine eigenthümliche Bewegung unter dem jüdischen Publikum. Religiöse Fragen wurden, um nicht Viele von vorn herein von der Betheilignng zurückzuschrecken, bis jetzt immer fern gehalten, obwohl sie, wenn von jüdischen Bauern die Rede sein soll, nothwendig zur Sprache kommen müssen. So begann denn dieses Mitglied ans I., er werde sich einige Fragen erlauben, die er gern klar und bestimmt beantwortet haben wolle. Es sei erwiesen, daß ein gedeihlicher Ackerbau nicht betrieben werden könne, wenn es Tage gebe, an welchen der Bauer schlechterdings keine Arbeit verrichten dürfe, da nun der Jude allwöchentlich seinen. Sabbat und gerade in der Aerntezeit seine vielen Feiertage habe, so frage er, ob es den angesiedelten Juden, wenn sie es für nothig fänden, gestattet sei, an Sabbaten und Festtagen ihren Acker zu bestellen. Ferner sei es klar, daß die Schweinezucht eine sehr ergiebige NahrurigSquelle für den Bauer sei, ohne welche er fast nicht bestehen könnte, er frage nun, ob auch dieses den Kolonisten gestattet sei, oder nicht? Er habe die feste Ueberzeugung, daß dieses ganze Unternehmen nicht gelingen werde, wenn man die Inden von diesen beschränkenden Religionsgesetzen nicht befreien werde. Die. Versammlung, in der auch Herr Eg er, Oberrabbiner zu Posen, war, hörte fass lautlos die bestimmten Fragen an, ohne ein Wort darauf zu erwidern und. es gelang auch der Gewandtheit des Herrn Präsidenten die Debatte auf einen andern Gegenstand hinzuleiten. Wir zweifeln nicht, Daß die Inden, wenn es ihnen um den Ackerbau wirklicher Ernst ist, sich selbst von hemmenden Religionsvorschriften befreien werden, zumal die Rabbiner-Versammlung in allen nöthigen Fällen das Arbeiten am. Sabbat dem jüdischen Bauer gestattet, und Schweinezucht jedem Juden als Erwerbszweig erlaubt hat. Interessant ist es aber zu bemerken, wie selbst der starre jüdische Orthodoxksums von der Zeit und den Verhältnissen gelockert wird, so daß selbst ein Oberrabbiner kein Wort der Erwidernng aus solche Fragen hat. Posen. In Nr. 249 der „Zeitung des Großherzogthums Posen" hat ein Artikel über die Kolonisation zum großen Befremden aller, die nur irgendwie mit den: Plane zu diesem Unternehmen und den bereits geschehenen Schritten bekannt sind, Platz gefunden- Man begreift cs wahrlich nicht, wie sich ein Korrespondent so weit vergessen kann, solche falsche Nachrichten ohne jede Veranlassung zu erdichten und zu verbreiten; nur in Privatabsichten uitb Parteizwecken ist das möglich und erklärlich. Der Korrespondent behauptet, „es habe abermals eine Sitzung stattgefunden; wir kön-. neu aber mit Bestimmtheit versichern, daß seit dem 1. September in Kolonisationsangelegcnheiten keine Sitzung stattgefunden; über diese letzte Sitzung ist aber in den gelesensten Zeitungen und auch im „Orient", treulicher Bericht abgestattet werde::. Eine abermalige Sitzung konnte aus vielen Gründen nicht statthaben; thcils war dazu keine Veranlassung; man hatte die Statuten, vollzogen und sich als Verein konstituirt; es fehlte also, ehe noch etwas vorgenommen werden darf, die Gewährung

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