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Der Orient · 1846-11-05 · Heft 45 (5.11.1846) · p. Seite 355

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 45 (5.11.1846)
Date
1846-11-05
Page
Seite 355 (sequence 13)
Language
German
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355 Todes werden? Genügen Ihnen einzelne traurige Fälle nicht? 'Mußte es Ihnen nicht zur höchsten Freude gereichen, daß dies Unglück noch nicht Alle betroffen, an denen-dieser verkehrte Gebrauch ausgeübt worden, mußten Sie nicht aber auch vor allen Dingen gründlich und genau Nachdenken, wenn Sie dies anders im Stande sein sollten, um es ferner zu verhüten, daß auch nicht ein Fall mehr Vorkommen dürfte, bei welchem das Leben eines Einzelnen durch einen so schlecht verstandenen Gebrauch-gefährdet werden könnte? Und wenn auch nur ein Einziger FallRn der ganzen Welt vorgekommen wäre, der einen traurigen Ausgang gehabt hätte, so müßte die Ursache desselben eben so energisch unterdrückt werden, als wenn dies 30—40 Individuen betroffenso denken vernünftige Aerzte, und wahre Menschenfreunde! — Sie scheinen, da Sie verwundert fragen, weshalb denn Medizinal-Kollegien, Gesundheitsräthe u. s. w. keine Repressalien dagegen gebraucht, besonders da man bemüht gewesen, diese Meziza stets auf das Schwärzeste und Nachteiligste zu-entstellen, eine Zeitlang geschlafen zu haben, und-wollten vietteiche jetzt der Welt im Zionswächter Ihr Erwachen verkündigen, sonst könnte es Ihnen doch nicht entgangen sein, daß überall wo sich eine ärztliche Stimme dagegen erhoben, alle dabei Beteiligten, wie Behörden, Gesundheitsra'lhe, Sanita'tskollegien u. s. w. Hand ans Werk gelegt haben, um diesen Mißbrauch abzuschaffen. In Dresden ist die Meziza schon seit 30 Jahren, in Franks, a. M. seit 1842 nicht mehr gestattet, wie Ihnen dies der gelehrte K—m im Orient7 8) schon erzählt hat. Kaum hatte man . in Preußen, Hessen, Baden von unglücklich /abgelaufenen Fällen der- Befchncivung gehört)^Ms<auch-zuglMKublikaftonen von Seiten der Negierung dagegen erlassen worden '). Ueberall holt die Negierung Gutachten ihrer Aerzte darüber ein, und tut die geeigneten Schritte dagegen, ftlbst in Ihrer Nachbarstadt Hamburg ist sogar von Seiten der jüdischen Behörde ein entscheidender Schritt gegen einen Mohel unternommen, der durch die Vornahme der Meziza Ursache vieler, wieder unglücklich abgelaufenen Fälle gewesen. Ist dies Alles hinreichend, oder erwarten Sie wirklich, daß ein Professor vom Katheder herab seine Studenten vornehmen solle, daß sie, falls sie einmal auf so orthodoxe Aerzce und Gelehrte stoßen würden, die ihnen die Meziza als einen unschädlichen Gebrauch vorftellen könnten, daß sie dann diesen abgeschmackten Aerzten und Gelehrten nicht trauen möchten, sondern stets der Gefährlichkeit eingedenk sein mögen, welche dieser Akt zur Folge haben könne? Wahrlich, ,Ihncn, Herr Kompetent wäre eine solche Ermahnung vielleicht sehr zuträglich gewesen, da Sie dann doch eine christliche Autorität gehabt chatten, die Ihnen sicherlich mehr imponirt hätte, als alle jüdischen Aerzie. — Doch Sie verlangen auch Thatsachen, und auch die will ich 7) -Orient, l. 8) Die Beschneidung von Salomon.!. <*. S. 58 — 60. Seit dem Erscheinen dieser Schrift haben die Negierungen anderer Länder ähnliche Publikationen erlassen. -Ihnen anführen in der Hoffnung, daß Sie selbst bei Ihren geringen medizinischen Kenntnissen dieselben begreifen werden können. In Hamburg sind ungefähr im Verlaufe von 14—16 Jahren, 22 unglückliche Fälle vorgekommen, die alle nach dem 'Ausspruche der Aerzte, welche dieselben genau untersucht und behandelt, in Folge der angewandten Meziza entstanden sind. Mir selbst sind vier derartige unglückliche Säuglinge.zu Gesichte gekommen und zur Behandlung anvertraut worden, und noch heutigen Tages bin ich damit beschäftigt, die unglücklichen Folgen dieser Meziza bei einem altern Kinde zu beseitigen. Es sollte mir lieb sein, wenn, sie ihre Anonymität verließen und sich mit mir an Ort und ^Stelle begeben wollten, um Augenzeuge dieses Unglücks sein zu können; auch würde ich Ihnen dann mit aller mir zu Gebote stehenden Genauigkeit den Verlauf dieser nach der Anwendung der Meziza entstandenen Krankheiten, erzählen und erklären können. Einen vor einigen Monaten in der Nähe Hamburgs unglücklichen Ausgang der Beschneidung in Folge der Meziza, verbürge ich ebenfalls, da ich selbst von Seiten der Polizeibehörde' Mittheilungen darüber erhalten. Andere Thatsachen werden Ihnen andere Aerzte mittheilen können, welche auf gleiche Weise von der Schädlichkeit der Meziza durchdrungen sind. — Sie glauben ferner einen -feinen Kunstgriff gemacht zu haben, wenn Sie den jünger» Aerzten, um sie zu verdächtigen, in den Mund legen, daß sie alte. Autoritäten, wie Hippokrates und Maimonides verschmähen, und Ihnen nicht einmal Kenntniß genug Zutrauen,-um über diese angeführten Falle urtheilen zu können. Da haben Siewollkommen Recht, weder die Autorität .eines Hippokrates^Eulsus, Galenus, Maimonides noch die Ihrige (dies sind doch Alle die Sie anzusühren wissen) kann mich, kann einen jüngcrn Arzt abhalten, gegen sein Gewissen, gcQcn seine Erfahrung in Betreff der Schädlichkeit der Meziza, zu sprechen und zu handeln, und daß Sie als medizinische Kompetenz es bis jetzt nicht gewußt, daß Alles was die Alten gesagt, sich dennoch nicht so bewährt, und daß die neuere Wundarzneikunde dennoch die ältere bei Weitem überrage, ist eben so lächerlich und bornirt, als daß Sie sich irgendwie eine medizinische Kompetenz Zutrauen wollen. — Je weiter ich Ln Ihrem Gutachten gelesen, desto mehr will es mich bedünken, als seien Sie'von dem kompetenten Wissen eines Arztes noch eben so weit entfernt, wie der Himmel von der Erde; denn jetzt, wo Sie im Verlause Ihres Gutachtens auf Einzelheiten eingehen, werden Ihre Blößen immer deutlicher, Ihre Einwürfe immer lächerlicher. Ihre Logik ist folgende:' Sie sprechen denn „daß man eingewandl, der Be-! schneider könne durch das Aussaugen der Wunde die Kinder leickt anstecken, seltener umgekehrt, um so mehr, da man jetzt immer häufiger darauf hinwirke, die Beschneidung durch ärztliche Personen vornehmen zu lassen, bei deren Lebensweise solcher Befürchtung um so mehr Raum zu geben sei". (Lächerlicher, falsch verstandener Zusatz!) Sie weisen dies zurück und besonders deshalb, „weil die Beschneidung ihrer hohen Wichtigkeit und Bedeutsamkett im Iudenthume wegen nicht zn ei-

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