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Der Orient · 1846-11-05 · Heft 45 (5.11.1846) · p. Seite 354

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 45 (5.11.1846)
Date
1846-11-05
Page
Seite 354 (sequence 11)
Language
German
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354 im Geringsten aus einer falsch verstandenen religiösen Vorschrift dem Körper und der Gesundheit eines Einzelnen ein Nachtheil erwachsen möge. Dieses allein ist das Motiv, welches alle Aerzte, deren Stimme sich seit längeren Jahren mit Ernst und Nachdruck erhoben, geleitet, daß Sie sich, Herr Kompetent und Anonymus dieses Motives nicht bewußt sind, ja gar keinen Begriff von dieser' heiligen Pflicht gehabt, erkennt ein Jeder aus ihren ungerechten Anklagen. Was kümmert es den Arzt,, wenn er von seiner heiligen Pflicht durchdrungen , gegen Schädlichkeit und Mißbräuche ankämpft, ob die betreffenden Individuen sich zu Synagogen oder Tempeln, zu Rabbinern- oder Theologen - Versammlungen oder zu gar keiner von Beiden bekennen werden, seine NeUgionsansicht spielt in solchen Momenten, wie dies überhaupt in Betreff der Ausübung der Medizin sein sollte, gar keine Stelle, er ist in Augenblicken wo er Gefahr sieht, weder ein fromnier, noch ein ungläubiger Jude, er soll eilt Mensch, ein Arzt sein, dem das Menschliche über Alles geht. Wenn Sie nun noch Bestrebungen wie die angeführten, bei denen es sich lediglich um die Gesundsieit und Erhaltung des Lebens handelt, „ Zerstöcungsbestrebungen im Judenthume" nennen, dann kann ich Ihre schwache, befangene Urtheilsweise nur bemitleid.«. Um ferner diese „ Zerstörungsbestrebungen ", die Sie den jüdischen „modernen Aeskulaps - Jüngern" andichten, zu beweisen, führen Sie das Verfahren eines hochgestellten Christen an, der sich nicht mit gleicher Energie wie die jünger« jüdischen Aerzte gegen die Abschaffung der Meziza ansgesprochen; Sie sprechen von Rust. Wären Sie nur nicht so sehr befangen in Ihrem Urtheile, so hätten- Sie sich das gelinde Verfahren Rust's leicht erklären können, und hätten anstatt einer gehäßigen Phrase, das Richtige ausgesprochen. Denn nur die Unkenntniß über die Sache selbst, ob man nämlich einen Gebrauch wie der der Meziza abschaffen dürfe, nur die Unerfahrenheit in den jüdischen Verhältnissen konnte Rust veranlassen, nicht mit der ihm eigentümlichen Energie und Strenge aufzutretener hat die Schädlichkeit und Gefährlichkeit des Aussaugens hinlänglich ausgesprochen, war aber befangen genug sich nicht über das wahre Berhältniß des Arztes und seiner Autorität zu den religiösen Geboten und Vorschriften auszuklären; hätte er den Satz: „daß selbst vor der geringsten Gefahr das Gesetz zurückweiche." 3) gekannt, seine Aussprüche wären nicht so gelinde gewesen. Uebrigens geschah dies als er in Krakau 1806 Professor gewesen, heut' zu Tage würde er trotz aller Zionswächter eine kräftige Unterstützung gefunden haben. Wie edel aber haben Sie diesen Mangel an Erfahrung und Umsicht jenes großen hochgestellten Mannes benutzt, der schon vor vierzig Jahren auf eine Schädlichkeit aufmerksam gemacht, die Sie heuriges Tages, trotzdem Sie sich für einen Jünger desselben ausgeben, noch nicht einsehen gelernt; wie edel haben Sie dies benutzt, um Ihren Gleichgesinntem zu zeigen, wie wenig unfern jetzigen „jüdischen Aufklärungs-Doktoren" zu glauben sei, wenn ein so hochgestellter Gelehrter, her noch dazu 3) bfrb n^'sj pso. ein Christ gewesen, sich nicht schiefer gegen ein solches Verfahren ausgesprochen! Wäre Ihr Auge nicht so sehr von dem undurchdringlichen Nebel der Intoleranz umflort, Sie hätten gerade aus der leichthin gemachten Rüge Rust's, und aus den von uns mit Gründlichkeit und wissenschaftlicher Prüfung angestellten Untersuchungen und Skrupeln ersehen müssen, daß wir redlich und ehrlich zu Werke gingen, und jede religiöse Observanz dann nur bei Seite gesetzt haben, wenn es gälte, einen Mißbrauch zu entfernen, der dem Leben eines jeden Einzelnen gefährlich werden kann. Sie räsonniren ferner: „Wenn die allgemeine Schädlichkeit der Meziza durchaus anerkannt wäre, dann bedürfe es wahrlich nicht der Aufzählung dieser einzelnen Fälle als Merkwürdigkeit, und dies beweise zur Genüge, daß von einer allgemeinen Schädlichkeit der eigentlichen Meziza wohl nicht die Rede sein kann;" und nun führen Sie oder vielmehr der Redakteur des gedachten Blattes ^den ich doch nicht auch hoffentlich als einen Kompetenten anerkennen soll) als Beweis für ihre Behauptung unsre Nachbarstadt Altona an, in welcher eine von der Behörde eingesetzte Beschneidungs-Kommission besteht, an deren Spitze ein Arzt angestellt ist und daß dieser Arzt, früher Dr. Steinheim, jetzt Dr. Samson, „nie ein medizinisches Bedenken gegen diese Meziza geäußert hätte. " Es scheint Ihnen dies fast unglaublich, wie auch, dem Herrn Redakteur, und ich freue mich daß unsere Nachbarftadt bis jetzt so glücklich gewesen, von diesen unglücklichen Fällen verschont geblieben zu sein. Allein ich will, da es Ihnen um Autoritäten, um Namen zu thun zu sein scheint, ebenfalls nur einige Hamburger Aerzte nennen, welche nicht nur solche durch die Meziza verunglückte Fälle gesehen und behandelt, sondern auch mit Hand und Wort gegen diesen Mißbrauch geeifert. Zuerst führe ich Ihnen unfern, von Ihnen selbst „unvergeßlich"^) genannten Dr. Gerson an, der schon vor 22 Jahren darauf drang, die Meziza als einen gefährlichen Gebrauch abzuschaffen, und dafür eine einfache Prozedur angegeben 3); dann den sehr beschäftigten Arzt Dr. H. M. Cohen, der auf dieselbe Weise wie die von Ihnen kaum berücksichtigten Aerzte gegen die Meziza gesprochen und geschrieben. Und wollten Sie vielleicht noch andere Autoritäten kennen lernen, so lesen Sie einmal das Schriftchen^) eines alten, erfahrenen Arztes, des Dr. Wolfers in Lemförde, der sich rühmen darf eben so vielen Beschneidungen beigewohnt zu haben, als Ihre Altonaer Aerzte. — Aber Sie sprechen von einer allgemeinen Schädlichkeit, und wünschen diese nachgewiesen; ich rede jetzt wieder zu den Kompetenten und frage Sie, verstehen Sie unter dieser allgemeinen Schädlichkeit, eine absolute? Sollten vielleicht, damit auch Sie sich von der Schädlichkeit der Meziza überzeugen können, alle Kinder an denen sie vollzogen, ein Opfer des 4) Aionswächter Nr. 36. 1846, woselbst Sie sich nicht entblödet haben,.Familienverhältnisse Anderer zu veröffentlichen! 5) Die Beschneidung von Dr. M. G. Salomo«. S. 56. 6) Die Beschneidung der Juden von Dr. Wolfers. Hannover 1846, 8.

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