Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1846)
- Date
- 1846-11-05
- Page
- Seite 353 (sequence 9)
- Language
- German
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der Kottvertitetthaß das Urtheil mehr trübt und folglich einen größeren Schaden anrichtet/ als je die Unersahrenheit cs gethanl Aber die Regierung scheint den Druck nicht zu wollen-, wie es auch in der That ihrer unwürdig ist. Das Einzige, was die Regierung erstreben will, ist die große jüdische Masse aus ihrer starren Jsolirung voll der Gesellschaft, aus ihrer Abschließung in Tracht und Sprache, in Bildung ihrer Jugend und in ihrer eigenen Bildung, mit aller Energie und Kraft zu reißen, und in ihrer Rathlosigkeit greift sie nach den schneidendsten, härtesten Mitteln, die freilich mehr verderben als nützen, oder vielmehr ihr Ziel immer weiter rücken. So z. B. haben die Krcisschulen die Weisung erhalten, das Wegbleiben der jüdischen Zöglinge an Sabbaten und Festtagen wegen des Schreibens nicht mehr zu dulden, aber damit wird nicht gegen die Jsolirung gearbeitet, sondern gerade dadurch bewirkt, daß die jüdischen Knaben gar nicht in die Kreisschulen geschickt werden. Dieser Umstand wird vielleicht die Juden selbst auf Anlegung eigener Schulen hindrängen, wie wir deren bereits haben. Für Kurland hofft man einen Aufschwung der Schulen durch die Ausnahme des Dr. Cossmann zum Landrabbiner, der cm tüchtiger Schulmann ist. Die Aufnahme'ist, wie ich höre, schon ganz gewiß. — Die Büchersteuer, ä Bogen c« 5 Pfennige, soll den: Vernehmen nach, mit dem neuen Jahre. ermäßigt werden, da bei dieser Höhe keine Einfuhr zu erwarten steht. Die Wilnaer Drucker unternehmen, dieser Steuer wegen, nichts Neues, fcufccm beendigen blos das früher Angefangene, was nach den: Gesetze ihnen steuerlos erlaubt ist, und ans der Fremde werden gar keine Bücher mehr eingesnhrt. Einige Worte über die Meziza, als Erwiederung auf das ,, Gutachten eines Kompetenten^ im Zionswächter. Von Dr. med. M. G. Salomo n. Wenn ich heute noch einmal in Betreff der Abschaffung der Meziza das Wort nehme, so geschieht es nicht etwa, um wiederum von der Norhwendigkeit zu sprechen, sich dieses schädlichen und gefährlichen Gebrauches zu entledigen, — dies ist Gottlob, für das größere und vernünftigere Publikum überflüssig, da dasselbe sich an die Aussprüche seiner Aerzte'hält, sondern es geschieht lediglich um eine Stimme, die sich in dem treuen Zionswächter *), einem Organe zur Wahrung der Dunkelheit und des Rückschritts im Iudenthume, erhoben, auch 1) Der treue Zionswächter 2* Iahrg. Nr. 34. da'noch verhallen zu machen, wo sie vielleicht mehr als es Recht ist, schon Anklang gefunden haben sollte. Als der Schreiber dieses den erwähnten Aussatz zu Gesichte bekam und als Überschrift die Worte „Gutachten eines Kompetenten" gelesen, konnte er im Voraus nicht ahnen, daß man mit solcher Kühnheit sich eine Kompetenz da anmaße, wo sich so viel Ignoranz und so wenig Bescheidenheit findet; auch wußte er nicht, ob sich die Kompetenz auf die medicinische oder talrnudische Sekte des Gutachtens beziehen sollte, denn er als Arzt erblickte an dem Kompetenten nur einen unwissenden stümperhaften Jünger Aeskulaps, hielt also seine talmudischen Kenntnisse wenigstens eines Kompetenten würdig, obgleich er auch seitdem aus einem Aufsatze im Orient 2) ersehen, daß die Kompetenzauch nicht einmal auf die talmudischen Kenntnisse sich beziehen könne. Worin besteht also wohl die Kompetenz dieses sich selbst mit dem Namen eines „Kompetenten" Benannten? Versteht man doch unter dem Worte Kompetenz ein ziemlich wissenschaftliches, von Partheisucht baares Urtheil, Dinge die man bei dem mehrerwähnten Kompetenten im Zionswächter überall vermißt. Daß ich diese Behauptung begründen kann und werde/ das wird der Kompetente, falls er lesen kann und will, ebenso wie alle Leser dieser Zeilen, hoffentlich zur Genüge finden. — Die erste Anmaßung die der Kompetent in folgenden Worten ausspricht: „Darüber kann gleich von vornherein kein Zweifel obwalten, daß'die angegebene medizinische Schädlichkeit der Meziza nicht sowohl dem Fortschritte der Medizin, als vielmehr den Aerstörungsbestrebungen im Iudenthume ihr Entstehen zu verdanken hat. Denn nie wäre es sonst denkbar, daß diese eigentlichen Nachtheile bei einem Akte, der so häufig und überall vorkommt, bis dahin dem Auge sämmtlicher medizinischer Schriftsteller entgangen, so lange unentschleiert geblieben wäre, bis es dem Scharfsinn moderner Theologen und aufgeklärter, junger jüdischer Aerzte gelungen, dieses gräßliche, bis dahin in Dunkelheit umherschleichende Gift ans Tageslicht zu fördern? u. s. w. und nun weiter in trivialen Tiraden fortfährt seine literarischen Kenntnisse zu zeigen, daß auch er wisse, wie sich Rust darüber ausgesprochen u. s. w^ — Diese erste Anmaßung verdient ihrer gemeinen Gesinnung halber eigentlich gar keine Erwiederung; da ich aber hier wiederum mehr Ignoranz als absichtliche Gemeinheit erblicken möchte, so erwiedere ich ihm, daß ich sehr wenig Achtung vor seinem medizinischen Gewissen und Wissen haben könne, wenn er glauben kann?, daß es dem Arzte je um Anderes zu thun sein könne, als in Betreff der Gesundheit und Unterhaltung des Lebens sein Möglichstes zu thun, damit auch nicht 2) Vergl. Orient 7. Iahrg. Nr. 42. S. 330. Ich hätte den trefflichen Worten des gelehrten K—m. daselbst eigentlich nicht mehr nöthig hinzuzufügen, da er dem Kompetenten seine Kompetenz in den Augen aller vernünftigen Menschen genommen; da ich aber weiß, daß der gelehrte K—m. kein Arzt ist, so schien es mir nicht überflüssig auch dem Kompetenten in Betreff seiner medizinischen Anmaßung einmal seine Ignoranz aufzudecken.