Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1846)
- Date
- 1846-11-05
- Page
- Seite 350 (sequence 3)
- Language
- German
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350 dig und heilbringend erachtet, zur Belebung und Hebung des noch bis jetzt , auf einer nieder» Stufe stehenden jüdischen Schulwesens und zur Beseitigung 'der darin obwaltenden Mängel eine Lehrer-Konferenz zu konstituiren. Am 4. Mai d. I. hat bereits die erste Versammlung an hiesigem Orte stattgefünden, an welcher sich viele für das Gedeihen der Schule begeisterte Männer mit Interesse betheiligten, und in welcher sowohl die Statuten entworfen, berathen und festgestellt, als auch einige recht zweckmäßige, für die Fortbildung der Jugend wahrhaft ersprießliche Beschlüsse gefaßt wurden. Den Konferenzen ist in Folge einer Eingabe des Ober-Rabbiners die Genehmigung Seitens Königlicher Regierung zu Düsseldorf unter dem 16. Juni d. I. zu Lheil geworden. Der Unterfertigte hält es nur für seine Pflicht, Sie von den Konferenzbeschlüffen in Kenntriiß zu setzen. Nach Entwerfung eines allgemeinen Stundenplanes füt alle Schulen des Konsistorialbezirkes, der bei einer andern Gelegenheit der betreffenden Gemeinden ^gefertigt werden soll, wurden folgende Lehrbücher als die bewährtesten und zugleich wohlfeilsten zum Gebrauche bei dem Unterrichte bestimmt: 1) R e l i g i o n s u n t e r r i ch t: Wie bereits früher Seitens des Konsistoriums ausgeschrieben, nach Büdinger's Leitfaden. 2) Pentateu ch-Uebersetzen: Zur eigenen Vorbereitung soll der Lehrer die deutsche Bibel von Au n z benutzen, in die Schule und das Haus die von Salomon einführen. 3) B i b l i s ch e G e s ch i ch t e: B ii d i n g e r' s kleine Bibel. 4) Gebet-Uebersetzen: Die Übersetzung von Arnheim in Glogau. 5) Hebräische Grammatik: Die Sprachlehre von I o h l s o n. 6) Kommentar: Der Biur. 1) Deutsche Sprache: Wurst's Sprachlehre. 2) Lesen: Ehrliches Lesebuch. 3) Rechnen: Die Bücher von Diesterweg. 4) Vaterländische Geschichte: V o r m b a u m. 5) G e o g r a p h i e: Nach B e n m e r. 6) Naturkunde: Einstweilen nach Ehrlich. Sie -wollen demnach gefälligst in Gemeinschaft mit den Herren Lehrern für die Anschaffung benannter Bücher in den unter Ihrer Aufsicht stehenden Schulen Sorge tragen. In dieser Konferenz-Sitzung kam ferner zur Sprache, daß es für den intellektuellen Fortschritt des Volkes im Allgemeinen von unberechenbarem Vortheile sein dürfte, wenn den Lehrern gestattet würde, bei den Chebrot neben einem hebräischen Vortrage einen rein deutschen aus gedruckten israelitischen Predigtsammlungen oder Andachtsbüchern vorzulesen. Der Ober - Rabbiner'erkennt den Nutzen , welcher aus einer solchen Einrichtung für die religiös-moralische Fortentwickelung einer Gemeinde erwächst, in vollem Maße an, und werden Sie ersucht, dieses nach und nach bei den in Ihren Gemeinden existirenden Ehebrot einführen zu wollen. Diese Konferenzen werden laut 2 der Statuten jährlich zweimal in Crefeld unter Leitung des Ober-Rabbiners abgehalten. Den Lehrern dürfte es aber schwerlich, bei ihrem ohnehin sehr schwachen Gehalte, zuzumuthen sein, die jedesmaligen, nicht unbedeutenden Reisekosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Wenn es nun im Interesse einer jeden Gemeinde liegen muß, daß solche Versammlungen zum Heile der heranzubildenden Jugend ihren ungestörten Fortgang erhalte«; so wollen Sie gütigst bewirken, daß Ihren Herrn Lehrern sowohl die aus der Zusammenkunft vom 4. Mai d. I. schon entstandenen Ausgaben wieder ersetzt, als auch die jedesmaligen Reisekosten nach Crefeld für die Zukunft aus Gemeinde- Mitteln vergütet werden. Der Ober-Rabbiner wird es sich alsdann, so viel als möglich, angelegen sein lassen, auch den Wohlthätigkeitssinn der hiesigen Gemeindemitglieder, der sich noch überall bewährte, wo es galt, das Bessere zu befördern, für dieses höchst zweckmäßige Institut in Anspruch zu nehmen. Crefeld, den 15. Oktober 1846. L. B o d e n h e i m e r, Ober - Rabbiner. O e st e r r e t ch. Aus Muhren. 19. Oktbr. ZweiunsererNachbarländcr haben dem allgemeinen Fortschritte der Zeit die Aufhebung einer druckenden Steuer gu danken — und Mahren, steht auch in diesem Punkte hinter Ungarn und Böhmen. Der Grund-hiervon liegt sehr nahe. Es fehlt den reich bevölkerten Gemeinden Mährens an Männern, die aus der engen Zelle dc§ Eigennutzes in die weiten Hallen des Gemeinwohles treten, um für die Gesammtheit zu wirken. Unsere Zeit ist überhaupt arm an Männern, deren Herz noch für etwas Anderes als für den Geldsack schlägt. Um so rühmenswerther ist eS, daß Rabbiner Fasset seine Gemeinde in einer Rede anfforderte, für die Aufhebung der mährischen Beschränkung Schritte zu thun. Der Gerechtigkeitssinn unserer Regierungen läßt hoffen, daß die Inden Mährens mit gleicher Liebe würden behandelt werden. — Das neue Bet ha-Midrasch in Proßnitz ist mit einem blechernen Thurm geschmückt, der dem Magistrat Gelegenheit gab, seine Intoleranz an den Tag zu legen. Er trug nämlich beim Gubernium auf die Entfernung des Thnrmcs an, und — wurde abschlägig beschieden, und wenn wir gut unterrichtet sind, wurde er derb gerügt. Die höher» Beamten Oesterreichs zeichnen sich überhaupt durch einen milden Geist aus und nur die städtischen Zöpfe bewege» sich noch gar wunderlich, wenn ein Stück Vorurtheit entfernt werden soll. Die Herrschaft des Zopfes geht so weit, daß Ulan die Juden nöthigt, ihre Buden am Abend niedcrznreißen. Trifft es sich nun, daß auch am folgenden Tage die Buden nöthig sind', so werden sie deö Nachts bis zwölf Ubr niedergeriffm und um ein Uhr wieder ausgestellt! Eine Rohheit, die nur de§ Nachts ihren gransenhaftcn Spick treiben kann. — DaS Schul-