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Der Orient · 1846-10-29 · 44 (29.10.1846) · p. Spalte 699-700

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
44 (29.10.1846)
Date
1846-10-29
Page
Spalte 699-700 (sequence 6)
Language
German
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699 700 Studien. Nachtrag über den Eid. insbesondere iu meinem Vaterlande, wo seid dem vorletzten Landtage neue Gemeinden errichtet worden, dergleichen Einrichtungen mache? Ueberhaupt wünschte ich die Meinung meiner Amtsrüder hierüber,zu erfabren, ob man bei solchen Entscheidungen, wo R. Moses Issecls mit den Worten schließt: TmnV 1.VW DipDarin eben solchen neuen Gemeinden, (einer ähnlichen bade ich das Glück vorzufl eben), sich nicht zum Leichtern entschließen soll und darf. Aus Rücksicht der Nachbargemeinden wegen des bekannten munn N*? hat man wohl dies nicht zu unterlassen nöthig , da er selbst in einem Orte bei zwei abgesonderten Gerichten (-,"3 'Ottf) nicht beobachtet zu werden brauchte. Eine andere Verordnung war die mit Beseitigung der nttpn eingeführten Verpflichtung von Seiten des Ehemannes, daß er, im Falle seine Frau kinderlos verschiede, ihre mitgebrachte Aussteuer (pj) an ihr« Erben herausgebe. Auffallend ist es jedoch, daß Herr Löw diese Einrichtung im Widerspruche mit dem rabbinisch-mosaischen Gesetze, stehend bezeichnet. Abgesehen davon, daß p:rn wrp, entscheiden die meisten rabbinischen Autoritäten D^p .ffvvV 1212. Auch findet sich schon diese Verordnung in auf zwei Stellen vor (mm 2S .'■’D, a"D DD 'na JJH N); endlich ist noch zu bemerken, daß bei einem Sterbefalle alle selbst noch so entferntesten Verwandteen öffentliche Trauer anlegten. 'p 'id hzxnrb b?a«inp D'anpw Np -.irucni.- (Fortsetzung folgt) Literarische Analekten Nachtrag zu meinem Aufsatze über den Eid. Mein jm Orient enthaltener erster Aufsatz hat mehre Fragen angeregt, deren Beantwortung der Zweck der nachstehenden Bemerkungen sein soll. Der wahre Eid eines Israeliten zur Bezeichnung der Wahrheit besteht in dem Anrufen Iehova's, des Gottes Israels (Josua 9, 18). Es giebt kein Mittel in der Religion, welches diesen Eid zu vernichten odec auszuheben vermöchte; auch bedarf es keines beizufügenden Fluches oder sonstiger Abschreckungsmotive. — Der Eid bei dem Gott der Wahrheit allein ist ausreichend und genügend. — Wenn der Repräsentant der israe(. Nation einen Eidbei dem Bündniß mit einem Individuum oder einer andern Nation leistet, so ist ein solcher Eid bindend bis in die spateste Generation (Josua 2, 12; 6, 25; 9, 19—20; 1 Reg. 2, 3 und 2 Sam. 19, 24). Zur Zeit Iosua's leisteten die Fürsten Israels bei Jehova, dem Gott Israels, einen Eid (Josua 9, 18), dessen Bande der tugendhafte König Saul zur Wahrnehmung des heiligsten Staatsinteresses lockern wollte, dessenungeachtet mußten seine Nachkommen zur Verkündigung der Heiligkeit und Gerechtigkeit des Gottes Israels seine Fehler hart büßen; ebenso, als wenn sie diesen Eid geschworen hätten, und davon abgewichen waren, wie erwähnt (Zach. 5, 21 und 2 Sam. 21, 6). Der Talmud tadelt zwar das Benehmen Iefta's, daß er sich sein gesetzwidriges Gelübde nicht auflösen ließ, aber nirgends hat die Tradition die Auflösung des Eides bei Saul erwähnt, weil ein solcher Eid bei Jehova unauflösbar ist. Es muß natürlich befremden, wenn man Sokrates, Plato n. A. wegen ihrer göttlichen Tugend Gerechtigkeit wiederfahren läßt, und unfern in moralischer Hinsicht gleichstehenden Koryphäen der Tradition nicht allein gleiche Gerechtigkeit versagt, sondern sogar jede Gelegenheit zu ihrer Herabsetzung und Verunglimpfung ergreift. Plato rühmte von Aristides, dem Gerechten, daß er sich in seiner politischen Laufbahn nur von der Tugend leiten ließ, und derselbe Aristides, hat den Athenern den Rath ertheilt, den von ihm im Namen des Staats feierlich geleisteten Bundeseid bei veränderten Umständen nach ihrem Vortheil und Gutdünken allein zu behandeln , und die Schuld des Bundesbruches auf sein Haupt zu wälzen; wenn nun der König Zidkijahu aus gleichem Staatsinteresse einen Wortbruch beging, warum sollten wir ihm den Namen Gerechter (p'm) streitig machen? — Giebt es denn keinen andern'Weg zur moralischen Verbesserung unserer Nation, als die Herabsetzung und Verkleinerung der Männer der Tradition? — ' Als die Kultur der Saracenen sich über die Israeliten verbreitete, vernahm man von den jüdischen Gelehrten, den Eingeweihten in alle Fächer der damaligen Wissenschaften, keine radelnde Stimme über die Vers, des Talmuds; manche schöne Mythe und treffliche moralische Erzählung verbreiteten sie unter den morgenländischen Völkern, die der Mund der Araber und Perser uns noch verkündet. — Ein gründliches Studium der Bücher der Ueberlieferung führte sie zu deren Würdigung, und diese har sie dennoch nicht abgehalten , manche kühne und freisinnige Idee auszusprechen. Einer gleichen Handlungsweise sollten sich die Gelehrten unserer Zeit befleißigen; zum Vorbild sollten ihnen unsre uns umgebenden deutscher, Mktbrüder dienen, sie ehren in Wort und Thar den Namen ihrer Vorfahren; ehrenvoll und geachtet steht auch die deutsche Nation unter den edlen Völkern der europäischen Menschheit da, wir haben keine Anhöhen, um unseren Altvordern Denkmäler zu errichten, auch verbietet dieses unsere Religion; Berge und Thäler können wir nicht mit ihrem Namen belegen; wir sollten aber in Rede und Schrift ihre Namen nicht verunglimpfen, sondern ihrer stets lobend erwähnen. —- / Aus dem Munde des Vaters der Reform, David Friedländer habe ich vernommen : „Die Moral der Talmudisten ist die reinste, die wir haben; ihr Lebenswandel war tadellos und rein; wenn sie uns nur nicht in solche Schranken eingeengt hätten". — Wenn nun Gelehrte den heiligen Namen Jehova als aus Egypten hergeholt betrachten, und mit dem geheimnißvollen

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