Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 44 (29.10.1846)
- Date
- 1846-10-29
- Page
- Spalte 701-702 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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702 701 Studien. Der Messiasglaube und Zao im Tempel der Isis vergleichen wollen, und in neuerer Zeit ein Gelehrter sich sogar erkühnte auszusprechen, Jehova sei Moloch, so ist es 'doch erforderlich bei feierlichen Gelegenheiten, Jehova, den Gott Israels, als einen Gott der Nähe, als einen nach der Offenbarung durch seine Eigenschaften, als oberste juridisch moralisches Prinzip, erkannten Gott, der Belohnungen spendet und Strafen festsetzt, bestimmt auszusprechen, fern von jeder Partikularität, so wie Jes. 45, 5 sagt: der heilige Israels, Gott der ganzen Erde heißt er. — Dieser Eid allem, ohne Verwünschungen und Flüche, ist bindender und fester, als alle sonstigen eidlichen Betheuerungen. Die Religion bietet kein Mittel dar, um dessen Verbindlichkeit zu vernichten (Beschluß folgt.) I. Der Messiasglaube und dessen Begründung im Judenthume. (Fortsetzung.) Daß David das heilige Brod aß (idicl. 21, 3 ff.), daß die Söhne Davids Priester waren und Q’orp genannt werden (2 Sam. 8, 18) und auch, daß Salomo im Amte eines Priesters den neu gebauten Tempel weihte, darin betete und vielleicht auch selbst darin opferte (1 Kön. 8, 63) sind ebenfalls dahin gehörende Ereignisse, welche nur von einem solchen Gesichtspunkte cms erklärlich sind und in diesem Verhältniß der Sache ihren Grund haben. Außerdem aber scheint der Begriff beö |,-p nur hervorgedrängt zu sein durch die Bezeichnung Davids als pnij ote, als welcher er in einem anderen Stamme Diener und Priester des Herrn war» Daß auch eine beschränkte, individuelle Bedeutung haben kann, haben wir schon früher dargethan. II. Von dem Begriffe der Messiasidee. Daß die Messiasidee Ln den Offenbarungsbüchern und zwar in diesen erscheine, während alle folgenden Schriften bis auf die späteren Propheten davon schweigen, ist uns ein Beweis sowohl dafür, daß dieselbe einen integrirenden Lheil des Judenrhums ausmacht, als auch, daß sie in ihm selber gegründet liegt, und nicht einer historischen Veranlassung ihre erste Begründung verdankt. Sie blieb nur für den Anfangszustand des jüdischen Reichs ohne faktische Bedeutung, die sie erst in der spätem Zeit erhielt. Aber es ist so viel sicher, daß sie auch da als eine exoterisehe Lehre ins Judenthum *) njnaar ')hpz , . oynrw mraw dvow w ödipd ]m)''-oo -ywrfc uruöru npjyw . 7 : , t d dessen BeZründung im Judenthume. sich nicht hatte Bahn brechen und da Aufnahme und Geltung hätte gewinnen können, so sie nicht in den Prinzipien desselben ausgesprochen gewesen wäre. Und wenn es auch wahr ist, daß die besonnenere Pflege dieser Lehre durch die Propheten, welche das politisch und religiös sich auflösende Zeitalter durch Naherückung des Glaubens an elncri zukünftigen Messias aufrecht zu erhalten suchten, aus den historischen Zuständen beim Sinken de6 Reiches hervorgegangen ist: so war es doch keine Erfindung zum leeren Tröste, sondern wirklich im Judenthum auf den Glauben an dessen Wahrheit und nothwendigem Bestand gegründet. Es haben viele, welche die theoretische Begründung der Messiasidee auf die Prinzipien des Judenthums nicht gelten lassen wollen, in ihrer Zurückführung auf eine historische Veranlassung der Vorzeit eine Rechtfertigung des allmäligen Fortschritts im Judenthum und dessen stete Beziehung auf historische Zustände und Verhältnisse gefunden, ebenso wie sie wegen der von der Messiaslehre eingeschlossenen Ideen und deren Widerspruch mit den faktischen Zuständen und dem religiösen Bewußtsein der Gegenwart dieselbe aufgeben zu müssen glaubten und auf. ihre Annullirung drangenaber so geneigt wir auch sind, das Fortschreiiungsprincip im Judenthum anzuerkennen und festzuhalten, so finden wir dasselbe doch vielmehr ür der Messiaslehre an sich ausgesprochen, welche aber einen Zustand vor Augen hat, der sich aus dem Judenthum heraus und der fortschreitenden Geistesbildung seiner Bekenner entwickeln soll. Um der Ansicht von der fortschreitenden Entwickelung im Judenthum, welcher man huldigt, und um der nothwendigen Aufrechthaltung der im Judenthum enthaltenen Offenbarungslehren selbst willen können wir es also weder begreifen, noch zugebm, von der Messiaslehre zu abstrahiren, oder auch als eine quasi annullirte sie nur gleichgültig zu behandeln, mehr aus subjektiven Rücksichten sie stehen zu lassen, als durch objektive Rechtfertigung sie zu verteidigen und ihres Inhalts bewußt sie so rtz ul ehren. Wegen der Beziehung nun, welche die Lehre vom Messias sowohl auf das allgemeine Judenthum, als die speciellen historischen Verhältnisse des israelitischen Reiches hat, ist auch die Bedeutung derselben eine doppelte, die man als allgemeinideelle und historisch - nationale bezeichnen kann. Es ist schon an sich klar, daß, weil beide Bedeutungen derselben immanent inwohnen, auch um keiner willen die Messtasidee aufgegeben werden kann. Aber wenn es auch wahr ist, daß in ihrer allgemein-ideellen Begründung die Messiasidee eine ewige unantastbare Stütze bewahrt: so kann man es doch von sich abwehren, daß dieselbe um ihrer historisch-nationalen Bedeutung willen n'egen der Veränderurg ihrer faktisch-realen Grundlage und der Beruhung unser Existenz auf ganz anderen politischnationalen Verhältnissen einer Untersuchung und Rechtfertigung bedarf. Wir müssen zu diesem Zwecke nicht immerdar, wie zum Nachweis ihrer allgemein ideellen Bedeutung auf die Offenbarung selber und die Bedeutung des nationalen Judenthums in derselben zurückgehm. (Fortsetzung folgt.)