Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1846)
- Date
- 1846-10-29
- Page
- Seite 344 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 344 - riulig, wollte sagen Ordnung, die Ehebeschränkungen gänzlich ausheben und uns zu allen Aemtern und Ehren befähigt erklären wolle. Müsserr wir da nicht Herrn Stein für seine Bemühungen dankbar sein, müssen wir uns nicht freuen, in ihm einen Seelsorger zu besitzen, der weiß, was seiner Gemeinde Noth thut, der auf die Wünsche eines Jeden eine billige Rücksicht zu nehmen versteht? Noch'muß ich erwähnen, daß die Uebersetznng der Gebete, was Schönheit und Treue anbetrifft, Nichts zu wünschen übrig läßt, wobei ich unter andern Vorzüglichkeiten nur hervorhcben will, daß z. B. imNischmatgebet TDf fccm Gcdächtniß wiedergegcben ist, so daß also der Sinn dieser bis jetzt ganz anders verstandenen Stelle nunmehr ist: Alles Fleisch preiset und erhebet das Gcdächtniß Gottes — welch' schöner Gedanke! So hat man yr Nin *0 nach einer neuen Worterkläruug verdollmetscht: „denn er weiß, wie wir gebildet sind" u. dgl. m. Auch darf ich die herrliche Paraphrase der Schöpfungsgeschichte am rw nicht vergessen, die so schön war, daß Hr. Stein sich gedrungen fühlte, die Tora während derselben offen liegen zu lassen, seinen geschriebenen Vortrag darauf zu legen -und die zu erklärenden Verse daraus äbzulefeu. Kann man sich auch etwas Erhabeneres denken, als z. B. die Würde der Frauen daraus herzuleiteu, daß Gott Mann und Weib zugleich geschaffen habe? — Freilich muß man daun den Umstand, daß das Weib ans der Nippe des Mannes geschaffen, für eine Mythe, und den Ansspruch: ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei, für einen beiläufigen Zusatz im Sinne des Orientalismus erklären. — Auch spricht man sich über Hru. Stein's schöne Deklamation der ersten deutschen Hastara allgemein sehr beifällig aus. Ehre, dein Ehre gebührt! Lapleuti sat! —ff. Oesterreich. Prag, 15. Oktbr. Den Plan über Ablösung unserer Judensteuer haben Sie bereits längst mitgetheilt. Nun kann ich noch ergänzen, daß diese Stcuerangelegenheit in ein neues Stadium getreten und einen Schritt weiter geführt worden ist. Der von der Direktion vorgeschlagene Modus in Betreff der' suecessiven Ablösung der Steuer ist höher» Orts genehmigt -worden. Demzufolge beginnt der Erlaß schon mit dem Stcuerjahr 1847,. und zwar so, daß die Vermögenssteuer fortlaufend durch drei Jahre, die Familieusteuer durch 5 Jahre und die Verzehrungssteuer durch 6 Jahre bezahlt werden soll. Die Abfindung mit den bei der Direktion angestellten Beamten ist der Pachtgesellschaft überlassen, und man erwartet von der Generosität derselben, daß sie die Verdienste ihrer Beamten nach Maaßgabe ihrer Verwendung und Dienstzeit wohl berücksichtigen werden. Ist einmal die Steuerangelegenheit in Ordnung gebracht, so dürfte gar bald das Gemeindeleben in allen seinen Beziehungen eine freiere Entwickelung und, so gebe es Gott! einen höhcrn Aufschwung erhalten. Wie viel hier nach allen Seiten hin zu thun ist, kann nur derjenige beurtheilcn, der den gegenwärtigen Status unserer Gemeindeiustitute kennt. Es fehlt nicht an Kraft, auch nicht an gutem Willen; in Einzelnen lebt noch ein gewisser Eifer; aber es bedarf eines energischen und geschickten Mannes, der die disjecta Membra zu einem organischen Ganzen zusamfügt. Eine andere Verfügung der Hofstelle, die Erweiterung der Judenbezirke aus mehre Straßen imb Platze betreffend, können wir als keine Begünstigung ansehen, da der Schimpf, der in der Wohnungsheschränkung der Juden liegt, dadurch nicht gehoben, sondern nur erst gesetzlich bestätigt worden. — In dem Lektionskatalog der Universität pro Anno 1847 werden unter andern Vorlesungen nun auch die hebräische und rabbinische Sprache und Literatur angeführt; morgen den 16.;oll Dr. Wessely seine Vorlesungen beginnen. Lemberg, 15. Oktbr. (Eingesandt.) Wenngleich das Unrecht, welches man unserm verewigten Auspitz angethan, nicht gesühnt werden kann, so haben wir wenigstens den besten Willen hierzu,, und nebstdem, daß ihm jeder Gebildete du Monument in seinem Herzen aufrichtet, und eben weil ihm so viel Unrecht geschehen, und er. hierdurch ewig unvergeßlich bleibt, wurde ihm, so wie dem ewig in hohen Ehren gehaltenen, verewigten Joseph Perl von unserm Herrn Prediger, Rabbiner Abraham Ko h n, im Tempel am Jom Kippur ein Jiökor reeitirt wie folgt: „Wir gedenken vor Dir Gott des Erbarmens, des in diesem Jahre Hingeschiedenen Markus AuSpitz, eines Mannes, der in bescheidenen Verhältnissen gelebt, und Auszeichnung weder gesucht noch erhalten hat, der aber seinem Geiste, seiner Bildung und Herzen nach zu den Ersten gehörte, dein Israel hier zu Lande sich rühmen dürste, eines Mannes, der in der uneigennützigsten Weise, Licht und Bildung verbreitete, mit ganzem Herzen seinen Glaubensgenossen sich hingegeben, und mit der ganzen Kraft seines Geistes für ihre Rechte und ihre Ehre gekämpft hat. — Wir bringen ihm in dieser Bitte, freilich etwas spät, den Tribut unserer Dankbarkeit. Nimm sie o Vater wohlgefällig auf; gedenke ihm das Gute, daS er gethan, das er erstrebt hat; vcrgieb ihm die Vergehungen, die er sich etwa als Mensch hat zu Schulden kommen lassen; sei seiner unsterblichen Seele gnädig und weise ihr einen Ehrenplatz an, in den lichten Räumen, wo die Vollendeten und Verklärten. in Anschauung Deines Antlitzes, einer unendlichen ewigen Seligkeit sich erfreuen! Amen. - Prag, im Oktbr. Unser Judenviertel gewinnt all Ausdehnung. Mehre Straßen und Gassen, die bis