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Der Orient · 1846-10-29 · Heft 44 (29.10.1846) · p. Seite 343

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 44 (29.10.1846)
Date
1846-10-29
Page
Seite 343 (sequence 5)
Language
German
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343 den Anhang F.'s. Der Vorstand forderte ihn schriftlich ausi über Jom Kippur hier zu bleiben, und er hielt zu Kol-Nidre eine begeisterte und begeisternde Predigt, die seine erste dadurch übertraf, daß diesmal der Vortrag lauter, klarer und durch dringlicher war. Auch in den niedern Volksschichten wurde nun die Stimmung fürF. günstiger. Für jetzt theilen sich die Stimmen für C., F. und Gebhard aus Wreschen. Letzterer hat auch hier von seinen Gegnern in W. zu leiden. Gegen F. aber macht sich eine eigene Taktik geltend. Von einer bekannten Seite wird er bald als talmndischer Lehrer Geigers, bald wieder als dessen Schüler in den Wissenschaften dargestellt. Unsere Gemeinde aber verachtet freilich keineswegs G.'s Reformbestrebungen, sie ist aber auch weit entfernt nach Art der Schneidemühler, den zu verketzern, der mit G. freundschaftlichen Umgang pflegt. Herr F. ist uns seit Jahren noch vor G.'s Erscheinen in B. als tüchtiger Theologe von selbstständiger Gesinnung bekannt und Autoritäten von anerkannter Frömmigkeit stimmen auch jetzt für ihn. — Nächstens kommt noch Rothschild, Gebhard und vielleicht auch W teuer; die Wahl wird auf einige Zeit noch aufgeschoben werden. Frankfurt a. W!., 14. Oktbr. Unser Rabbiner scheint, bevor die Rabbiner-Versammlung für immer aufhören, alles was in seinen Kräften steht, anzuwenden, den Beschlüssen derselben Eingang zu verschaffen. Eine Sache,, die ihm um so leichter wird, da sein Publikum, obgleich noch „konservativ" doch schon einen aufgeklärtem Standpunkt gewonnen hat, als die R.-V. Am ersten Tag nDD machte Herr Stein, von der ..Kanzel herab, seine Gemeinde mit dem Beschluß der R.-V. bekannt: daß die zweiten Feiertage, weit sie für uns keine religiöse Begründung mehr hätten, als Werktage zu betrachten seien. Die Sache wurde recht gelehrt und pomphaft auseinander gesetzt. Den Eingang bildete Geigers Kommisstensbericht, in welchem besonders das geschichtliche Moment klar auseinandergcsetzt war; dann kamen die Stellen aus den Foliobänden des Talmuds, aus denen hervorgeht, daß w"' für uns keine Bedeutung habe; und endlich Steins Argumente. Hören und staunen Sie, Herr Redakteur! Der Rabbiner behauptet: wer Bn feiert ist a) auch auf rpDin bl, weil es Lev. 23, 2 heißt üb) ,"nyiD Dü r£w„ 0 *> n n; 1>) Übertritt derselbe das Gebot □ >D1 NL7L7 myn. Wäre dieser pi^n vor 50 Jahren, als noch ^2 stattfand, hier gesagt worden, hätte freilich jeder pDp ad a) einwenden können: der habe eine Stelle, 28 rn übersehen; und ad b), ob denn die Qnmn rwy , nwy HnN seien; oder ob y.M auch eine ntyy sei? Diese. Kleinigkeiten beirren unsere Rabbiner, nicht, sie sind „die Männer der Gegenwart, die Lehrer des Volks, anszusprechen, was die Zeit verlange". — Gerechtigkeit müssen wir Hm. Stein widerfahren lassen; daß derselbe mit aller Milde und Schonung zu Werk gegangen ist. — So wurde, damit keine Spaltung in der Gemeinde entstehe, und die „Schwachen geschont sind" der Festgottesdienst am zweiten Tage, wie früher abgehalten; ja die Toleranz ging so weit, der Rabbiner machte die zweite Nacht EM-pp. Erst nachdem diese Inkonsequenz in.der Hanauer Zeitung gerügt wurde, unterblieb dasselbe nriD&y »Tnn. Wer möchte hier nicht ausrufen: ynn ntcw ü'lüpb D'yDiar D^mriKM Das Resultat der ganzen Erklärung war, daß eine Verehrerin Steins ihren Laden am zweiten Feiertag öffnete. Ob Jemand den ersten Tag geschlossen, davon haben wir nichts gehört. —r. Frankfurt a. Dt., 18. Oktbr. Wenn ich Ihnen über die neue Ordnung des Gottesdienstes in der hiesigen Hauptsyiiagogc berichten wollte, so wäre das eine gar schwierige, ja vielleicht unmögliche Sache, denn man hat hier endlich einmal den Gottesdienst abgeschafft, und dafür einen angenehmen,. den crl^ä(tntffc11 schmiegsam sich anpassenden Menschendienst (objektiv genommen) erganisirt. Weil nämlich der Samstag doch einmal allgemeiner Werk- und Geschäftstag ist, so verkürzt und vermindert man die Gebete auf alle mögliche Weise, läßt die Tora in dreijährigem Cyklus ablesen, (was freilich den Vortheit mit sich bringt, daß dieselbe mehr und mehr vergessen und so den Geistlichen das Spiel frei gelassen wird, nach ihrer bessern Einsicht damit zu schalten und zu walten), damit den Synagogenbesnchern auch noch, Zeit zu beliebigen Geschäften übrig bliebe, die sich unmöglich, verschieben lassen werden, und damit das Wesentliche des Gottesdienstes, die erbärmliche Predigt, nicht unter den Pflichtgebeten zu leiden habe. Die Opfcrgebete in den Mnssafim werden nicht mehr laut vorn Vorbeter rccitut (wrbl rtan fällt ganz weg), um auch denen einen Dienst zu erweisen, die an denselben vielleicht Anstoß nehmen könnten. Das Nischmat und die Hastara werden in deutscher Sprache vorgetragen, zum Wohlgefallen derjenigen, die entweder das Hebräische nicht mehr verstehen, oder doch als jüdische Deutsche, resp. jüdische Frankfurter jedes Zeichen einer besendern Nationalität verschwinden sehen möchten. Kann nun noch Jemand auftteten und sprechen: Ich kann nicht Theil nehmen am Gottesdienste, denn dieses und Jenes behagt mir nicht daran? — Nein, jeder politischen Meinung, jeder philosophischen Ansicht, jedem socialen Bedürsniß ist er mundgerecht zugeschnitten, er ist eine regenbogenfarbige Musterkarte, die auch jeden Nichtjudcn erfreuen und zum Beifall zwingen muß. Muß uns nicht dieseAssimilmmg mit den Gebräuchen anderer Konfessionen, die Ausrottung aller A u ö w ü ch se und Steine des Anstoßes aus dem Judenthume die Herzen unserer christlichen Mitbrüder in vollen: Maaße zuwenden? Und schon spricht man wirklich davoll, daß der gesetzgebende Körper aus Veranlassung dieser neuen Gottesdienstunord- 44 *

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