Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1846)
- Date
- 1846-10-29
- Page
- Seite 342 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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, - 342 ■ - breitet hat, nach welchem H.'s Eintreffen Hierselbst noch sehr fraglich sein sott, sich bestätigen würde./Noch weit übler erging es den Reformern aber mit ihrem zweiten Prediger, der schon seit einigen Monaten in Wirksamkeit war im£> dem man, um sich auch seiner rühmelt zu können, ein oratorisches Talent nachdichtcte. Durch folgenden Vorfall wurde derselbe aber veranlaßt, plötzlich seine Entlassung zu fordern. Am Versöhnungstage nämlich hielt dieser zwei Predigten, die aber an Werth und Gehalt einander so unähnlich waren , daß bei den urtheilSfähigen Zuhörern bald der Verdacht rege wurde, es mußten beide Predigten von verschiedenen Verfassern Herrichten. Als hierauf in der Vossischen Zeitung an den Herrn Prediger die Aufforderung erging, die am Versöhnnngstage gehaltene Schlußpredigt, als die bessere, dem Drucke zu übergeben, erschien Tags darauf in demselben Blatte die Erwiederung, daß dem Verlangen des Publikums bereits genügt sei, und die gewünschte Predigt sich unter den von dem Rabbiner Stein in Frankfurt a. Nt. unter dem Titel Kohelet herausgegebenen Predigten finde. Daß die Genossenschaft sich durch diesen Nachweis nicht menig blamirt sah, liegt auf der Hand, und suchte man den Herrn Prediger, der nach seinem Geständnisse das Geschäft des Kopisten in dieser Weise bereits zum dritten Male betrieben haben sott, zu bewegen, unter irgend einem Vorwände seine Demission einzureichen, was. auch wirklich geschah. So sind denn die Reformer in diesem Augenblicke ganz ohne Prediger, und' irren umher njn ^2 - Der Epiphanes des Nordens ist unbnnüdlich in seiner Tyrannei gegen die seinem Scepter rmterworfeuen Juden. Es sind dieselben bereits gezwungen worden, ihre Bärte und Locken abzuscheeren, und ihre frühere Tracht mit einer anderen zu vertauschen, und ist auch in Krakau erst neuerdings eine Verordnung erlassen worden, nach der die dortigen Juden, die von nun an nach ihrer Hochzeit die abgelegte jüdische Tracht wieder anlegen würden, einer strengen Strafe unterworfen sein sollten. Bei der außerordentlichen Anhänglichkeit, welche die Juden für ihre Tracht haben, muß jene streng gehandhabte Verordnung einer wesentlichen Heirathsbeschränkung gleich kommen, die auch wirklich beabsichtigt sein soll. lieber das Schicksal der berühmten rabbinischen Bibliothek des seligen H. Michael in Hamburg ist bisher noch nichts entschieden. Leider ist fciiy Aussicht vorhanden, daß ein Mäcen der jüdischen Wissenschaft sie ankaufen werde und auch die Hoffnung, der wohl Mancher Raum gegeben haben mag, als würde das Ministerium dieselbe für die hiesige königt. Bibliothek, die gerade an rabbinischer Literatur so arm ist, zu acquiriren suchen, scheint vereitelt zu sein. Wie konnte man auch glauben, daß ein so civilisirtcr, auf christlichgermanischen Prinzipien beruhender Staat wie der unsrige die Ebenbürtigkeit orientalisch-jüdischer Folianten anerkennen und für rabbinische Werke eine so bedeutende Summe zahlen werde, wie man sie eben nur für Werke überprofane Wissenschaften zu zahlen gewohnt ist! Möge die Befürchtung uns täuschen, daß diese unschätzbare Bibliothek nicht das Schicksal der berühmten Oppenheimerfchen theite und von dem deutschen Boden entfernt, für die jüdische Wissenschaft völlig verloren gehe! Breslau, 14. Oktbr. Folgende Zeilen, die von unparteiischer und urteilsfähiger Seite aus Kr o to sch in hierher gerichtet sind, mögen hier als Berichtigung und Ergänzug der Krotoschiner Korrespondenz in Nr. 41 d. Bl. einen Platz finden. ,,Unsere Rabbiner-Angelegenheit wurde in letzter Zeit etwas verwickelt. Die gehaltenen Probepredigteu und Vorträge haben so viel bewirkt, daß nunmehr die ganze Gemeinde mit dem Beschlüsse der Anstellung eines akademisch-gebildeten Rabbiners vollkommen einverstanden ist; ein Vortrag im alten Styl würde hier jetzt kaum die gehörige Zehnzahl finden? Ich finde aber große Differenzen bei der eigentlichen Wahl; C. verstand es, die rtiedere ungebildete Volksmasse in Allarm zu setzen. Seine Vorträge wäret: eigentlich weder Predigten noch Deraschot, er sprach ohne Abrundung kräftige Aphorismen in der Denk- und Sprachweise des Volkes. In der ersten Predigt war er radikaler Reformer, da aber diese Tendenz keinen Anklang hier findet, so sprach er am Neujahr wie ein Chasid. Er forderte z. B. die D'ypinitttb Vorbeter auf, die Häupter der Versammelten genau zu zählen, und wenn einer von denselben in diesem Jahre sterben sollte, so würden sie cs büßen müssen. Solche Worte aus dem Munde eines Mannes, der überall, wo er hinkam die Mesusa küßte, wirkten kräftig auf die Masse. Einen Chittuk' wollte er nicht halten, weil er nicht vorbereitet sei. Die Masse eiferte, trotz der Ermahnung der sogenannten Gebildeten für C., sie wollte Keinen mehr hören, und nur C. sollte sofort angestellt werden. In solcher Stimmung fand Herr Kand. Fried mann die Gemeinde. Seine Predigt am Sabbat-Schuba war in Inhalt und Form höchst gediegen; die Sprache klar und populär, er erklärte sinnreich viele Bibel- und Talmndstellen, ohne aber die Rundung der Predigt zu stören. Nachmittags sprach er über das Alter des gottesdienstlichen Vortrages und dessen verschiedenen Weisen tu der biblischen, mischnaitischen und talmudischeir Zeiten. Der Vortrag war geistreich und umfassend,, und von vielen Kenntnissen zeugend. Von der lichtvollen Darstellung der pm, die treffend unsere Zeit abspiegelte, ging er zu einem langen Chittuk geschickt über. Eilt Lantdan disputirte eifrig, aber der Redner behauptete seine Sache mit vielem Scharfsinn. Die Krakusen wurden nun zwar etwas bedenklich, aber nur Wenige bekehrten sich ganz. Die Meisten blieben tu blinder Anbetung C.'s. Dafür aber bildeten die Lomdim, die Gebildeten und Beffergesinnten,