Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 43 (22.10.1846)
- Date
- 1846-10-22
- Page
- Spalte 683-684 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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683 Studien. Der Messrasglaube und dessen Begründung ini Judenthume. 684 Glück, zu bauen, der fromme und gottergebene Dichter dieses Pf. ermahnt'(V. 5). ' Unter den nachfolgenden Pf. bietet der 72. ähnliche Momente der Besprechung dar. Im Talmud scheint er als ein messiamfcher verstanden zu sein (vgl. Sanh. 99 a,ad V. 5. Sabb. 30 b. Ket. 111 b. Jom. 21 b. all V. 16. Sanh. 98 d. Pes. 51 a. Ned. 39 b. ad 23. 17). Auch das Targum deutet ihn messianisch, und unter den Erklärern führt Kimchi die messianische Deutung neben der historischen durch. Als messianische Momente werden hier hervorgehoben, daß die V. 5 ausgedrückte Einigkeit von dem gegenwärtigen Zustande der Welt und den natürlichen Verhältnissen eines Königs nicht zu verstehen seien, ebenso wieder die Ausdehnung der königlichen Herrschaft über die Enden der Erde als der Ausdruck des messiamschen Universalismus göttlicher Erkenntniß unter den Menschen (V. 9 ff.). Der Inhalt des Ps. ist aber wie in Ps. 45: die Gerechtigkeit des Königs bewirkt sein und seines Landes Glück und ewiges Bestehen. Hiernach ist es deutlich, daß entweder die Ausdrücke WSW cy itnb.m'1 nach Kimchi als dichterische Licenz und hyperbolisch verstanden werden muffen, oder besser hypothetisch aufgefaßt werden: -Sie würden dich (als einen solchen König) fürchten, so lang die Sonne leuchtet re. Oder endlich man kann auch diesen Vers gleich V. 17 auf die Forrerhaltung seines späteren' Andenkens beziehen (vgl. auch Ps. 45, 18); jedoch nöthigt uns nicht etwa dazu die Undeutlichkeit oder Gezwungenheit der angeführten hypothetischen Erklärung. Die symbolische Auffassang wird durch rrr1 '^>2 in V. 7 unterstützt. Daß die unveränderlichen Zustande der Welt- und Himmelsordnung nur als Bild für die Ewigkeit irdischer Verhältnisse angewandt sind, beweisen Stellen wie Jer. 31, 35. 33, 20. 25. . Wie sehr überhaupt diesem Ps. natürliche Verhältnisse zu Grunde, liegen , zeigen V. 8 ff., wodurch außerdem auch noch das Verständniß von der Ausdehnung des Reiches über die Enden der Erde bedeutend erhellt wird. Denn es werden da Grenzen angegeben, die ganz die Ausdehnung von Palästina oder doch der salomonischen Herrschaft ernschließen, indem schon Ibn Esra und nach ihm Kimchi unter den beiden Meeren das rothe Meer und den Ocean verstehen. Statt des rothen Meeres könnte man auch das mittelländische annehmen, welches ebenfalls in der Bibel als Grenze Pala'stina's angegeben wird. Daß unter Enden der Erde wirklich aber nur die angegebenen natürlichen - Grenzen Palästinas zu verstehen sind, geht.deutlicher noch aus dem folgenden hervor,- wo (Eufrat) als östliche Grenze eine entsprechende als westliche (pN 'DStf) fordert. Auch spricht hierfür die folgende Namhaftmachung bekannter umliegender Völkerschaften. Endlich wenden wir uns auch noch zu Ps. 110, den zwar weder.Talmud, noch einer der jüdischen Erklärer als einen messiamschen bezeichnen, wohl aber gilt er als ein. solcher in der christlichen Kirche, gestützt auf das eigene Zeuam'ß d.N. T. (vgl. Matth, 22, 14), und nur um die Gründe, welche hierfür angeführt werden,, zu entkräften, ziehen wir. diesen Ps. mit in den Kreis, unserer Betrachtungen. Als Haupmoment macht die angeführte Stelle des N. T. schon den Umstand geltend, daß Gort selbst den Gegenstand des Ps. (23. 1) nenne, was unmöglich auf David als einen menschlichen König bezogen werden könne. Alsdann wird der wörtliche Sinn von O^Y £Hp mn (V. 3), welches nicht vom kriegerischen Leibesschmuck' verstanden werden könne, und endlich die Beilegung des ewigen Priesterthums, als für David und dessen Nachfolger ungewöhnlich, hierfür eingeführt. Der Talmud und mit ihm Naschi legen den Ps. auf Abraham aus (Ned. 32 b). In Bezug auf den religiösen und geistigen Inhalt der von ihm und seinen Nachkommen anerkannten Lehre, und was der Talmud von der göttlichen Uebergabe des Priesterthums an Abraham beibringt, könnte diese Auffaffungsweise des Talmuds etne messianische Bedeutung haben; aber der Kampf mit seinen Feinden wird ausdrücklich nur von dem Gen. 14 erzählter, Kriege der vier Könige verstanden. Außerdem ist die Beziehung des auf Gen. 23, 6 und bcg pnp£ auf Gen. 14, 18 ff. eine rein äußerliche Begründung dieser Ansicht. Der Inhalt und die Tendenz dieses Ps. ist vielmehr die Stärkung des Vertrauens auf Gott zum'Siege über die Feinde um der Gerechtigkeit und Frömmigkeit des Königs willen. Dies ist die Bedeutung des n^N ly 2W rc., gleichbedeutend mit: beruhige dich nur, Gott selbst wird für dich streiten und dir zum Siege verhelfen. Freilich macht das TIN, als welcher sich David, der angegebene Verfasser des Ps., nennen soll, Schwierigkeit; aber einmal steht die Richtigkeit der Überschriften und die in demselben angegebene Autorschaft der Ps. nicht überall fest, und ferner läßt es sich, selbst die Richtigkeit zugegeben, recht gut denken , wie hier David sich mit dem Ausdrucke, womit er irn Munde des V lkes genannt wird, bezeichnet, gleich dem n-qJI Ninn im Talmud zur Bezeichnung der ersten, redenden Person und ähnlicher Redeweise in anderen Sprachen. Veranlaßt wurden die Masoreten wohl, diesen Ps. David zuzuschreiben/ durch die historische Beziehung, welche derselbe auf ihn und die Kriege nimmt, die er mit den heidnischen Völkern führte. Das £np findet seine Erklärung eines Theils in der Gottesgemeinschaft, in welcher David die in Rede stehenden Kriege führte, anderen Theils in der freiwilligen Stellung (nmj) seines Kriegsheeres, worin gleichsam die heilige Berufung und Verpflichtung zum Kriege ausgedrückt ist. Zwar gelten ursprünglich die von Iosua mit den sieben Völkerschaften Kanaans geführten Kriege als riDin' n£rfe , aber die Kriege Davids .waren'gleichsam nur ,bie Fortsetzung derselben und dienten gleichfalls zu dem von Gott zugesicherten ruhigen und friedlichen Besitze des Landeswie sie aus der früher nicht vervollständigten Besiegung und gänzlichen Vernichtung dieser Völker nach dem Befehle Gottes hervorgeganaen und nöthig geworden waren. . >