Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 43 (22.10.1846)
- Date
- 1846-10-22
- Page
- Spalte 681-682 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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682 681 Studien. Der Messiasglaube und Kimchi rc. Raschi deutet dem Ps. -zwar auch allegorisch auf die Lehre Israels/ und hierin scheint ihn der Talmud in vielen der Stetten, wo sich eine Erklärung irgend eines Verses unsers Ps. findet, zu unterstützen (vgl. Sabb. 63 a, Kidd. 30 b, Rosch H. 4 a, Chag. 15 d). Jedoch giebt.gerade die zuerst angeführte Stelle Sabb. 63 a zugleich den ausdrücklichen Beweis, daß diese allegorische Deutung nicht das eigentliche Verständniß (^O) des Ps. sei, sondern nur neben diesem herging. Der Grund , diesen Psalm nielsianisch oder auch nur in der angedeuteten Weise allegorisch zu verstehen, mag für die meisten Erklärer darin liegen, daß es ihnen bei dem natürlichen Verstandniß und der historisch-politischen Deutung'des Ps. schwer wurde, das religiöse Moment herauszufinden, welches ihn geeignet machte, unter die kirchlichen Dichtungen gezählt zu werden. Denn ein positives Moment, welches man-nicht mit den christlichen Auslegern nach dem Hebräerbriefe 1, 8 und 9 über V. 7 und 8 unsers Ps. in der Gleichsetzung des Gesalbten mit Gott sinder, und um dieses willen, wie um der vermeintlichen Nöthigung, womit die weite Ausdehnung der Königsherrschaft über alle Gebiete der Erde in V. 17 gebietet, den ganzen Ps. geistig-religiös, statt historisch-politisch zu deuten, ist nicht vorhanden. Hiernach deutet Kimchi rfPT tep V. 1 auf die Liebe Gottes gegen seinen Gesalbten und dessen Verhältniß zu den Töchtern der Könige V. 11 ff. auf die Huldigungeu und den Gehorsam der Völker, unter denen als Hauptgemahlin, Israel als Mutterkirche darstellen soll, von welcher die anderen als Töchter abstammen. Es ist wahr, es widerspricht der biblischen Auffassungsweise gerade nicht, das Verhältniß des Menschen zu Gott sich bildlich als ein eheliches zu denken, aber eine Nöthigung hierzu ist nicht vorhanden; vielmehr scheint diese Anschauungsweise wegen ihrer hervorstechenden physisch-materiellen Seite in *TDW DHD w* am hiesigen Orte unpassend und unwahr. Der Zusammenhang macht hier eine natürliche Auffassung des sexualen Verhältnisses nothwendig, und die Deutung des Ps. in diesem Sinne, einfach und verständlich. Alsdann erscheint auch die Ueberschrift nTT “W V. 1 in ihrer ersten und natürlichen Bedeutung, und in historischer Beziehung wird man dabei eher an Salomo als David denken müssen, da von jenem seine mehrfache Verheiratung mit den Töchtern fremder Könige erzählt wird (1 Kön. 11, 1), Myrrhe, Aloe, Gewürze, Instrumentalmusik kn elfenbeinernen Palästen, von denen V. 9 spricht, ihre hinreichende Begründung in der übertriebenen Prachtliebe gerade jenes Königs finden. Auch war unter David, wenn auch die Unterwerfung der Völker, doch die Verbindung mit ihnen noch nicht so vollständig, wie sie hier erscheint, und das Gold von tbw V. 10 wird vor Salamo gar nicht genannt (1 Kön. 9, 28). Ferner spricht der Umstand , daß, während V. 4 den Ruhm in die Führung des Schwerdtes setzt und dies die Pracht und den Schmuck des Königs nennt, V. 5 , rektificirend das wieder aufnimmt, dessen Begründung im Zudenthume. seine gerechte und treue Regierung rühmt und dazu ermahnt, der Annahme Davids als den Gegenstand des Gesanges unmittelbar entgegen, da dieser eben in der Kriegführung feinen höchsten Ruhm fand, wepn auch, seine Gerechtigkeit und Treue ebenso sehr seine Auszeichnung bilden. Salomo aber, dem die Völker in Rühe und Unterwürfigkeit übergeben waren, führte keine Kriege, und eine friedfertige und gerechte Regierung erwarben ihm die Liebe Gottes und den Ruhm der Menschen. Der Ausdruck V. 7 hat den Auslegern Schwierigkeit gemacht, und wir dürfen denselben uicht übersehen, weil er Hebr. 1, 8 Veranlassung zur messianischen Deutung des Ps. giebt unb dazu noch das christliche Dogma von der Göttlichkeit des Gesalbten am angeführten Orte unterstützen hilft. Auch die jüdischen Exegeten verrathen die Schwierigkeit des Verständnisses durch die Mannichfaltigkeit ihrer Erklärungen. Raschi erklärt durch "It?, Kimchi supplirt jv^v und Ibn Esra erklärt die Stelle mit ö'rhx NDD in Bezug auf die Beschützung des Thrones durch Gott. Alle diese Erklärungsversuche haben darin ihren Grund, daß man der Nothwendigkeit, durch die Beziehung des Sufsixums in aus ^,-zbdt als Gott des Subjekt des ganzen Ps. wechseln zu müssen entgehen will. Aber der Sinn und Zusammenhang dieses 7. und 8. Verses ist einfach folgender. Gott! Dein Thron besteht ewig, weil er gerecht ist, du, o König, bist gerecht , darum besteht dein Thron ewig; eigentlich: darum hat dich Gott gesalbt und findest du solche Gnade bei ihm. Oder mit anderen Worten: Um Gottes eigener Gerechtigkeit willen muß er dir um deiner Gerechtigkeit und Lugend willen beistehen und gnädig fein, dich segnen und dein Reich groß werden lassen. In V. 17, wo der Ausdruck bin die messianische Bedeutung des Ps. mit nothwendig machen und unterstützen soll, kann man nur gewaltthätig das eigentlich politische, durch □nttf angedeutete, Verhältniß beseitigen und darin eine geistig-religiöse Beziehung finden. Für die Rechtfertigung des p'lNH bm und der dadurch ausgedriickten weiten Ausdehnung der politischen Herrschaft Israels und seines Königs, welche in diesem Maaße ein natürliches Verstandniß des Ps. unmöglich zu machen scheint, verweisen wir auf die Besprechung dieses Gegenstandes im 2. Ps. Was nun noch endlich das religiöse Moment 'betrifft, welches den Ps., der nach unserer Auffassung das Glück des Königs, seinen Reichthum und seine Ehre besingt, geeignet macht, als ein religiöser zu gelten: so liegt dieses eben den Begriffen des Iudenthums ganz gemäß darin, die Verhältnisse unsers Lebens als die Fügungen Gottes zu betrachten, das Glück als seine Segnung und Folge unserer Frömmigkeit und das Unglück als seine Züchtigung und Strafe für unsere Vergehen. Hiernach ist es also ganz recht, das Glück des Königs V. 3 als Gottes Segen und V. 7 diesen Segen Gottes als einen Akt seiner Gerechtigkeit zu schildern, weil der König treu, gerecht und demüthig ist, worauf ferner sein