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Der Orient · 1846-10-22 · Heft 43 (22.10.1846) · p. Seite 339

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 43 (22.10.1846)
Date
1846-10-22
Page
Seite 339 (sequence 13)
Language
German
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339 volens dieses Prädicat'beilegen, ohne die mindeste Befähigung | und Begabung von Innen, oder die geringste Autorisation! von Außen- Es ist ohnehin eine traurige Erscheinung in unj serer Zeit verblendeter Aufklärung oder aufgeklärter Verblendüng, wo „die Vernunft die Hagar ist, welche die Sara oder j den Glauben aus ,dem Hausrechte verdrängen will", daß jeder j Unberufene sich berufen glaubt, über Alles und Jedes gleich Z sein Votum abzugeben; daß jeder Charlatan, jeder Homun- 8 culus, jeder Idiot mit seinen profanen Händen an das Allerj heiligste greift und es entweiht; daß jeder elende, erbärmliche! Wicht sich in Religionscontr'oversen mengt, um darin als ) Stimmführer und Tonangeber aufzutreten, so daß wir heut { zu Tage fast eben so viele Wortführer und Lonangeber zählen, > wie Worte und Tone. Man könnte daher das Judenthum j sehr treffend mit einem Orchester vergleichen, wo jeder? stimmt, jeder sein eigen Stückchen spielt, Ln Ermanglung ' gehöriger Noten und der rechte Kapellmeister noch \ nicht erschienen ist, für eine große Ouvertüre, oder schöne J harmonische Symphonie. — l Einem solchen gepanzerten und geharnischten Ritter S nun, der vielleicht aus einem zwar frommen, jedenfalls aber j; blinden und mißverstandenen Eifer in Harnisch gerathen | zu sein scheint, begegnen wir in unserem Hrn. Kompetenten 1 im Zionswächter, den ich lieber einen „Apelles post tabulamkC )• nennen möchte, ohne dem Apelles dabei im mindesten nahe trecen zu wollen, „einen Künstler nämlich, der im Verbori genen das Urthei! über seine Arbeit hören will". So möge f er denn also in Gottes Namen hören, was man auf seinen Gallimathias von medicinischen und religiösen Beweisen zu k entgegnen sich veranlaßt gefunden Z V Nachdem der Kompetent mit einem gewaltigen Lamento und Stoßseufzer über die ungeheure Destruktionswuth jener, l die sich sogar an die Meziza gewagt, sein Gutachten eingefä- \ beit, beginnt er zuerst seine großartigen medicinischen Arh gumente auszukramcn. Und zwar beginnt er den Reigen mit l einer Paralelle, die er zwischen den modernen jüdischen Aeskulap- Jüngern und dem ersten preußischen Medicinal-Beaml ten Rust zieht; dieser habe nämlich, indem er über einen höchst p betrübenden Fall zu Krakau durch die Meziza referirt, seinen Bericht nicht mit dem Wunsche einer gänzlichen Jnhibirung p der Meziza, sondern mit den Worten geschlossen: „Jüdische - Phisici sollen daher eine .besondere Au fmerksam keit auf die Blutsauger richten." Diese Paralelle ist aber l eben so unstatthaft, als ungereimt und lächerlich; denn gerade ' darum, weil dieser als Nichtisraelite die Meziza für einen!/.. integrirenden Theil der Beschneidung ansieht (wie dies auch Hr. Kompetent und seines Gleichen Unkundige zu wähnen \; sich nicht entblöden), gerade darum muß er sich zu diesem Behelfe verstehen, und gerade darum ist cs aber auch von jüdip schen Aerzten zu erwarten, die die Meziza für das, und nichts p wehr erkennen, als sie in der That ist, für ein Heilmittel l 'Cimlich, daß sie bei obwaltenden Umständen und Vorfällen, wie sich in neuerer Zeit in vielen Städten, zu wiederholten und öfteren Malen ereignet, die Meziza nicht mittelst des Mundes, sondern mittelst des dafür eingeführten Schwämmchens stets vornehmen werden. Um aber denn doch die etwaigen schädlichen Einflüsse zu verhindern, meint der Herr Kompetent, solle man bei Anstellung der Mohelim ffehr behutsam sein, und zwar hätte man eine Kommission zu ernennen, welche den Gesundheitszustand der D-bmtt Zu untersuchen habe." Diese Vorsicht ist mir wirklich unbegreiflich; denn was können nicht alles in Folge der Zeit sowohl mit dem Gesundheitszustände, als auch mit der Lebensweise des nun einmal angestellten für Veränderungen vergehen? Oder soll vielleicht diese Untersuchung der Kommission bei jedem Akte der Beschneidung von Neuem Statt finden??! Eben so wenig stichhaltend ist der Vergleich, den Hr. Kompetent zwischen der Meziza und den mannigfachen, vorzüglich chirurgischen und geburtshülflichen Operationen anstellt, und ist ein solcher Erweis eine deductio ad absurdum. Ich bin zwar kein Arzt, mithin kein kompetenter Richter; doch soviel glaube ich, dürfte wohl jedem Unbefangenen einleuchten, daß es ein gar großer Unterschied ist, zwischen der Aussaugung der noch frischen Wunde eines zarten 8tägigen Kindes mittelst des Mundes, und einer andern chirurgischen Opera tioiu Wo sind aber jene Thatsachen," fragt Hr. Kompetent weiter, welche die Grundbasis der ganzen Schädlichkeits-Annahme bilden sollten? Man beruft sich auf einzelne Fälle, deren Vollgültigkeit nie bewiesen worden ist, bewiesen werden kann." — Darauf fragen wir: Sind denn die Vorfälle in den sehr zahlreichen Gemeinden, wie Lemberg, Warschau, Krakau, Wien, Paris und andere Gemeinden, in denen sich diese Fälle nicht nur wiederholten, sondern in manchen derselben die Anzahl der durch die Meziza verunglückten Kinder auf mehrere Hundert erstreckte, keine Thatsachen? Keine Beweise, zumal, wenn einige der größten Aerzte dieser Städte behaupteten, daß diese Unglücksfälle einzig und allein von der Meziza mittelst des Mundes herrühren?! — Wie aber? Ist es nicht die heiligste Pflicht des Menschen/ ein Menschenleben zu retten, wenn es in Gefahr schwebt, oder zu verhindern, daß es nicht in Gefahr gerathe, wenn man's verhindern kann? Ist hier noch zu zweifeln, daß die Meziza mittelst des Mundes, die sich heut zu Tage, in vielen Städten wenigstens, wie oben , gezeigt worden, fast eben so schädlich, als sie sich früher heilsam bewährt vor einem mpö dieser Art, oder doch mindestens einem mpD pDD weichen muffe, da doch wie bereits erwähnt, die Meziza nur als Heilmittel angeordnet ist. Oder sollen wir den Aerzten der Jetztzeit hierin kein Zutrauen schenken, so müßten wir ihnen auch bei vorkommenden Fragen in Krankheitsfällen am -nr>D d*P keinen Glauben beimeffen, und doch heißt es ausdrücklich im Talmud und -jnj/ jrfcty, daß, wenn nur ein Einziger Arzt behauptet, der Kranke „müsse, bei sonstiger Lebensgefahr, Nahrung zu sich nehmen, hundert Aerzte dieses aber für unnöthig erachten, man unbe-

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