Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1846)
- Date
- 1846-10-22
- Page
- Seite 337 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 337 - üblichen Landestrachten sich kleiden mußten. Mit den: Gürtel, dem Kaftan und der Zobelmütze mußten auch der Bart und die langen Haarlocken fallen, die des Juden Antlitz dunkel umschatteten und die.er für ehrwürdig, heilig und unverletzlich hielt; kurz , die Juden mußten ihr.eigenstes wahrstes Wesen ablegen und dafür in eine Hülle sich stecken, in der sie selbst sich nicht wieder erkannten. Es war fast rührend mit anzusehen, wie die neu theils wunderlich und seltsam Ausstasfirten einander begegneten und sich nicht erkannten, wie sie scheu und ängstlich die besuchten . Straßen mieden und oft selbstvergessen nach dem bartlosen Kinn und dem kurzgeschorenen Haare griffen! Es ist zwar nicht zu leugnen, daß diese neue Verordnung ein Ereigniß ist, dessen wohlthätige Folgen für die. Judenfast unberechenbar sind; denn mit dem alten schnulzigen..Gewände mußnothwendig auch die Abgeschlossenheit weichen; aber der Zwang, der dabei geübt, die Noth und der Jammer, der dabei über Tausende gebracht wird, schneiden tief in daö Herz. Die Armuth, die hier unter einem sehr großen Theile der Inden herrscht, ist schrecklich, oft grausenerregend, und selche Arme, die bis jetzt fast nackt unter dem alten zerrissenen Kaftan ginger!, der ihren Körper von oben bis unten bedeckte, müssen nun jetzt plötzlich die Mittel auftreiben, um sich einen Anzug zu schaffen, der mindestens fünf Brat so viel kostet als ihr früheres bestes Feiertagskteid. Und nun erst arme Familienväter, die für sich und die Ihrigen die neue Tracht herbeischaffen müssen, besinden.sich wirklich in einem entsetzlichen Elend, und doch muß es geschehen, wenn sie nicht der Gefahr ausgesetzt sein wellen, daß ihnen auf der Straße das polnische Gewand vom Leibe gerissen werde. Außerdem aber gibt cs viele Inden, die es als eine Gewissenssache betrachten, die polnische Kleidung abzulegen, die mit dem Bart ihre ganze Religion fallen sehen, und für diese ist der Kampf ein doppelt schwerer. Darum war es auch an dem jüngsten Versöhnungstage in den hiesigen Synagogen Lebhafter als sonst:, ein entsetzliches Jammergeschrei stieg einstimmig aus denselben empor, daß dem vorübergehenden Fremden die Haare sich sträubten. Viele Juden, behalten ihre Tracht bei und zahlen die gesetzliche Steuer dafür, was bekanntlich bis zmn Jahre 1850 ihnen gestattet ist, aber die festgesetzte Steuer ist so bedeutend, daß wol Wenige auf die Länge von dieser Wohlthat Gebrauch machen werden." * * ' * Neuesten Nachrichten zufolge haben sich die Chasidim zusammengethan, um in ihrem kommunistischen Sinne schneller die Mittel zur Versteuerung der alten Tracht zu beschaffen. Ihre Rabbi's muntern sie zu diesen Opfern auf; vorgebend, daß bis 1850 die Erlösung kommen werde. Wahrlich es ist ihnen eine Erlösung zu gönnen, eine Erlösung aus jener grausamen sarmatischen Barbarei! Einige Worte über die Meziza und ihre neuesten Vertheidiger. (V. & —ttt). (Schluß.) Kehren wir nach dieser Abschweifung zu unserem Gegenstände zurück, so steht es nach allen Seiten fest, daß kein medicinischer Grund für die Meziza anzugeben ist; und da der Talmud sie nur aus einem irrigen therapeutischen Grunde eingeführt und sie daher von religiöser Seite kein integrirender Bestandteil der Beschneidung ist, so ist durchaus keine Ursache vorhanden, diesen Aktus beizubehalten, selbst wenn es ohne die geringste Gefahr geschehen könne. Um so mehr aber, da so viele gewichtige Stimmen die Gefährlichkeit der Meziza dargestellt haben, die hier um so mehr zu beachten sind, da es ein unbestrittener Grundsatz ist, daß die Meinung zweier Aerzte, die in irgend welchem Falle bei der Erfüllung einer Religionspflicht Lebensgefahr erblicken, die entgegengesetzten Ansichten von hundert Kompetenten aufwiegt (Ioma 83). — Wir stimmen allerdings dem Kompetenten bei, daß „Dinim der Mischna und Gemara, die durch die Reihefolge der Kasuisten auf uns überkommen sind" noch in ihrer „ganzen Kraft und Ausdehnung forrbestehen"; aber es müssen auch Dinim, d. h. Religionsvorschriften sein, die auf eine mosaische Basis sich stützen und in der heiligen Schrift, wenn auch nicht in der ganzen Ausdehnung und Folgerichtigkeit, aber denn doch ihre Legitimation finden, was aber dem religiösen Gebiete ganz fremde wie die Meziza ist, hat für uns nicht mehr Autorität als so manches talmudische Gesetz, das sein Dasein nur der abergläubischen Richtung der Zeit zu verdanken hat, wie z. W. die Vorschrift Mittwoch und Freitag Nacht kein Wasser zu trinken (Pest 112) und so vieles, welches wegen njn nn verboten wurde (ibid. 111; Nida 13); Fisch und Fleisch nicht zusammen zu braten (ibid. 76) u. dgl. Wir haben daher keineswegs die talmudische TOD bei der Unterlassung der Mez. zu fürchten, da die talm. Mediein nicht maaßgebend ist; ebensowenig wie ihre Naturkunde es bei den spätern Kasuisten war, die, um, uns gerade das Beispiel des Herrn Ettlingers zu bedienen, eine Geburt nach 12 Monaten der Empfängniß für illegitim erklärten, im Widerspruch mit dem Talmud und Maimuni, welche die Möglichkeit anerkannten, daß sich die Schwangerschaft 5) So hat der Talmud die Fabel des Anaxagoras, daß die.Ibis, die Raben und die kleinen Wiesel Mu8t6la nivalis L.) sich vermittelst der Schnäbel begatten, was Aristoteles schon widerspricht (de genei*. anim. c. 6, 3) in eine Barajta ausgenommen miy '„*11 Dtel rn'nl 1BW i p-) (Sanh. 106). So ist ferner in dem vollkommendsten Ernst der Halacha (Chullin 126) von einer noch nicht ausgebildeten Maus die Rede, welche halb Fleisch und halb Erde ist, was ganz mit der Fabel in Diod. Sicut. 1, 10 (y&y ncrKy *1550 T>LW), übereinstimmt, daß es in Thebais Mäuse gebe, von denen einige bis an die Brust und Vorder-