Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1846)
- Date
- 1846-10-22
- Page
- Seite 336 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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336 Gesammtgemeinde nur eine Stimme herrsche, einen Antrag wegen noch möglichster Anstellung -r* ausdrücklich bemerkt — eines zeitgemäßen Rabbiners überreicht, welchem Anträge jedoch, zum allgemeinen Bedauern, bis heute in keiner Weise entsprochen worden. Wenn nun gerade zu diesem geeigneten Zeitpunkte der Rabbinals-Kandidat Herr Pollach, der uns bereits früher aus dem seiner Kanzelvorträ'ge rühmlichst erwähnenden Artikel im Orient Nr. 26 Gleiwitz im Juni c. a. bekannt geworden, auf der von seiner Heimath aus über Neustadt in Oberschlesien, Gleiwitz, Krotoschin unternommenen Reise nach Schwerin im Herzogthum Posen, Behufs Anmeldung zu Concurrenzen, welche mehrere dieser Gemeinden für offene Rabbinerstellen ausgeschrieben, die Unserige passirte, und durch die gewichtigsten Zeugnisse anerkannter rabbinischer Autoritäten, Hinsichts seiner ächten Religiosität, seiner tiefen talmudischen Wissenschaftlichkeit, seiner unbedingten Fähigkeit über fämmtliche religiöse Fragen gesetzmäßig zu entscheiden; endlich Hinsichts der, Gediegenheit seiner moralisch-religiösen Vorträge und seines stets geführten frommen Lebenswandels und tadellosen Charakters, welches Letztere viele Verwaltungs- Behörden ihm gleichmäßig bezeugen, sich dermaßen vollständig legktimirte, wie kaum ein. zweiter Rabinats-Kandidat es im Stande sein dürste, so darf es wohl nicht befremden, daß dieser Mann, wie von allen den gedachten Gemeinden, auch von der hiesigen zur Abhaltung mehrerer Vorträge in der Synagoge freundlich aufgefordert worden, und eben so wenig kann es befremden,, daß nachdem er diesen wiederholt an ihn ergangenen Aufforderungen, stets unter allgemeinen und ungeteilten Beifall seiner Zuhörerschaft, ebenso vollständig wie dies, nach den hierüber sich klar aussprechenden Zeugnissen und Danksagungsschcerben in den erwähnten Gemeinden der Fall gewesen, genügt chatte, sich aller derjenigen', die es um Gemeinde und ihre Jugend aufrichtig-fromm weinen, der Gedanke bemächtigen mußte: dieser-Mann, der uns so zu Herzen gesprochen, dessen Vorträge uns wahrhaft erbauten, ist wahrlich für die Abhilfe unsers religiösen Bedürfnisses der paffende und m diesem löblichen Sinne findet der Eingangs gedachte beabsichtigte Antrag an den Gemeinde - Vorstand wohlgenügende und nur zu ehrende Rechtfertigung. Anreger dieses heiligsten Gemeinde-Interesses haben nach hierüber gepflogener Rücksprache mit den Gottesfürchtigsten und achtbarsten Männern in unserer Mitte, die unzweideutigsten Zusicherungen derselben erhalten, daß sie in Ansehung der Anstellung des Hrn. Pollach, die Dringlichkeit der Sache wohl erwägend, mit den meisten Gemeinde-Mitgliedern für diese einverstanden sind, bedingten jedoch unumwunden die Ertheilung ihrer Namensunterschriften, aus Motiven, welche allzutief unter der Würde des ernstheiligen Gegenstandes wurzeln, als daß sie ein Hinderniß dabei abgeben sollten. Aus denselben Motiven, in Verbindung gebracht mit einem neulich in aller Unschuld bei Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten vorwaltmden Mißgriffs, wollen andere einen Grund finden, den Hrn. Pollach lediglich als Prediger anzustellen, hier fragt sich's jedoch, welche nothwendig-kräftigende religiöse Weihe wird den Religionslehren und den religws-sittlich-moralischen Vorträgen aus dem Munde eines blosen Volksredners, der nicht zugleich eine theologische, seelsorgerifche Würde bei der Gemeinde bekleidet? Welche Frage wohl leichtlich zu beantworten sein dürste: .keine! Außerdem schneiden dergleichen Motive, als von Persönlichkeit und Nichtigkeit auch eines jeden andern Rabbiners unabhängig die Möglichkeit einer Wahl, selbst eine im Wege der Konkurrenz, wie dies wiederum andere, wünschen, ein für allemal gänzlich ab. Dennoch hat ein solcher .Meinungsaustausch nicht eine Spur von Uneinigkeit unter den Gemeinde-Mitgliedern zur Folge gehabt-, Ich nehme daher durchaus keinen Anstand diese einzig wahrhafte und treueste Darstelluna des Sachverhältniffes mit meiner Ehre schon deshalb durch Namensunterschrift zu verbürgen. Damit Derjenige, der die Wahrhaftigkeit dieser Darstellung anzufechten sich etwa getrauete, ebenfalls seinen Namen dazu.hergeben möge. Anonymität würden die geehrten Leser mit uns nach einer solchen Aufforderung nur verachten. Unwahr ist demnach die Anführung im Artikel Lifsa- Posen, daß Herr Pollach ein herumreisendec Maggid sei, da dessen Reise nicht kümmerliche Fristung augenblicklicher Existenz als vielmehr Anmeldung zu,ausgeschriebenen Rabbinats-Konkurrenzen und Abhaltung von Probe-Vorträgen zum Zwecke hat. Unwahr ferner ist die Anführung, daß dessen Vorträge maggidischer Art seien, worunter Verfertiger des beregten Artikels in seinem Eigendünkel von Aufgeklärtheit diejenigen Predigten, in welche Sentenzen und Sittensprüche unserer Weisen so wie deutungsreiche Stellen der Midraschim eingewebt sind, mit Unrecht verstehen dürfte. Mehr als unwahr und zugleich unerlaubt ist die lächerlich-witzige Anführung von Schleswig-Holsteinischer Aufregung von Zank, Hader, Gehässigkeit, Reibung, Parteiwuth in unserer Gemeinde, von welchem Allen nicht die geringste Spur vorhanden, wenn anders nicht Abfasser jenes Schriftstücks ruhigen Austausch der Meinungen und Verfolgung einer guten Sache auf gesetzlichem Wege einer Prüfung der Volksstimmung durch Stimmen-Aufnahme mißliebig und in unlöblicherAbsicht diesen mit infernalischen Benennungen belegt. Salomon Bernhard. Polen und Rußland. Aus Warschau vom 2. Oktbr. wird der Schlesischen Zeitung geschrieben: ,,Mit dem gestrigen Tage ist'uns, wie im ganzen Königreiche ein Schauspiel geboten worden, das, so ergötzlich es für Manche gewesen sein mag, Uns doch mit tiefem wehmüthigem Ernst erfüllte. Es war nämlich der Tag, an dem sämmtliche Juden des Königsreichs, die unter 60 Jahre zählen, ihre bisherige eigentümliche Tracht ablegen und in eine der