Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-10-22 · Heft 43 (22.10.1846) · p. Seite 335

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 43 (22.10.1846)
Date
1846-10-22
Page
Seite 335 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360462--5645-3532644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

335 rf wegen Einrichtung eines Gottesdienstes in Neu-Uvrk,;■ eine abschlägige Antwort von ihm erhalten habe, welches dahin zu berichtigen ist, daß Hr. Dr. L. sich nur um j; die Versorgung eines Schir Zien nach Neu-Uork an Hrn. S. gewendet, und bei dieser Gelegenheit gab er , das Versprechen, dieses Werk in Amerika zu verbreiten. " Auf dieses Ansuchen habe Hr. S. durch das Haus Rothschild ein Exemplar an Hriu L» geschickt, und ihn in einem Schreiben zugleich die Versicherung gegeben, daß er zu seiner Thätigkeit und Energie sehr viel Vcr- :t trauen besitzt. D. Grofz-Kernischn, im Sptbr. Es wird vielleicht manche Leser interessiren, die Art und Weise zu erfahren, wie die große Jubelfeier für die Abschaffung'der Toleranzta.re, welche zu Ende des vorigen Monats in A allen Israeliten-Gemeinden Ungarns begangen wurde, und ich ertaube mir daher hier die Form der Feier miizutheiten, wie sie hier dm 29. August stattge- [, funden. Zwischen, Schacharit und Musaf jenes Sabbats, begann die Feier nach 10 Uhr zuerst.durch Ab- [: singung deö Ps. 21 vom Chor, dann kam die Predigt von Dr. M. Dreifuß, dann wurde ein passendes deutsches Lied, von Dr. Dreifuß verfaßt, und von dem Gemeinde -Vorbeter G o l d st e i n in Musik gesetzt, Ä gesungen. Nach diesen Vorbereitungen, die eine ziemf:: liche Zeit in Anspruch nahmen,, wurden zwei Gesetzrollen '.ri heransgenommen, in Begleitung der Orgel die dabei U üblichen Gebete abgesnngcn, dann kam der Vortrag eines hebräischen Gebets von dem Herrn Prediger, in der ); Form eines Psalms eigends zu diesem Feste von einem Mitgliede, I. Löwi, versaßt, und endlich wurde noch der 21. Psalm in ungarischer Sprache gesungen. Uebrigens hat die Gemeinde zu Ehret: dieses Festes noch an 180 Mann des hier garnisonicenden Uhtanerrregiments EH. Karl pro Mann 1 Pfund Brod, Pfund Fleisch und eine Halbe Wein, an jeden Korporal 20 kr. und an jeden Wachtmeister 1 fl. CM. verabreichen lassen. Lissa (polnisch), im Oktbr. Im diesjährigen Jahrgänge des Orients Nr. 39 befindet sich ein Artikel: Posen im September, in welchem der, was zugestanden wird, mit den Unterschriften des bei weitem größern Lheils der Mitgliederschaft hiesiger israelitischer Gemeinde bereits bedeckte, bei dem Gemeinde-Vorstände anzubringende Antrag auf Anstellung eines Rabinats-Assessors, Religionslehrers und Predigers, vereinigt in der Person des Rabinats-Kandidaten Herrn Pol lach aus Mähren, besprochen wird. Ich würde dieses, unter dem Schutze der stets verdächtigen Anonymität, die ungescher.it sich des unreinen Mittels der Unwahrhaftigkeit bedienen darf, dem Correspondenten des Orients zugegangene Schriftstück gänzlich unbeachtet gelassen haben, handelte es sich hier nicht um Behauptung der Ehrenhaftigkeit unserer stets besonnenen und friedsamen Gemeinde, so wie um Schätzung der zukünftigen Existenz eines seit mehreren Monaten im Einverständnisse mit dem Gemeinde - Vorstande und auf Verlangen vieler achtbarer Mitglieder der . Gemeinde gastlich in unserer Mitte weilenden frommen Biedermannes und Fremdlings. Als Einleitung möge die Betrachtung vorangehen, daß das Bedürfniß anzustellender Rabbiner in den israelitischen Gemeinden im Allgemeinen je nach Verschiedenheit des Standpunktes, den jede einzelne derselben auf dem Boden des Glaubens einnimmt, — und dieser verschiedenen Standpunkte giebt es in der neuesten Zeit eine Unzahl — sich verschiedenarrig gestaltet. Unsere Gemeinde steht in dieser Beziehung fern dem Extrem der starrsten Orthodoxie, bei weitem mehr fern aber dem der losen Freisinnigkeit. Sie ist zur Einsicht gelangt, daß wenn vor etwa zwanzig oder dreißig Jahren die Lehren des Judenthums der Jugend beiderlei Geschlechts von frühester Kindeszeit an auf praktischem Wege von Seiten der Eltern, durch pünktliche häusliche Ausübung derselben, also durch vvrleuchtendes Beispiel, das sie stets vor Augen hatte, gleichsam ins Leben eingeimpft wurden, es daher auch bis heutigen Tages nie und nirgend Aufgabe der Rabbimr gewesen, der Heranwachsenden Jugerw Religion 'vorzutragen. Sie hatten vielmehr vermöge der ihnen inwohnenden Würoe, als sichtbare Oberhäupter des viertausendjährigen heiligen Glaubens , nur das bereits thärige religiöse Leben zu kräftigen, und daher oft mit einem Kostenaufwande Seitens der Gemeinde von jährlich 800 bis 1200 Thaler blos zwei oder drei Sonnabende im Jahre Vorträge, — meist talmudifche Disputationen —in der Synagoge abhieltem Aber die Dinge haben seitdem durch verschiedene eingreifende Zeitereignisse, durch fortschreitende aber viel Zeit in Anspruch nehmende Schulbildung der Jugend, so wie durch die dabei gewonnenen vielfachen Berührungspunkte mit den Lehrern und der Jugend anderer Confessi'onen nothwendigerweise sich anders 'gestalten müssen, so daß, mindestens seit den letzt vergangenen 10 Jahren, unsere Jugend beiderlei Geschlechts, jeden Religions-Unterricht, jede besondere Unterweisung im Gottesworte entbehrend, nicht einmal Kenntniß der Zehngebote besitzt, in religiöser Beziehung demnach leider gänzlicher Verwahrlosung anheimsällt, in der es genügt den Knaben nach zurückgelegtem 13. Jahre aus Modesucht confirmiren zu lassen, aber auf welches Bekmntniß consirmirt worden, wissen weder der weltliche Consirmator — gewöhnlich Lehrer oder Hausfreund — noch der Consirmand und dessen Eltern, noch die zur sogenannten Feier geladenen und schmausenden Gäste; daß ferner diesem unerhörten Zustande, welcher nothwendigerweise zugleich den schädlichsten Einfluß auf deren moralische und sittliche Ausbildung äußern muß, ungesäumt abgeholfen werden müsse, soll anders das Verderbniß nicht ein verzehrendes werden. Von diesen höchst betrübenden Wahrheiten tief durchdrungen, und von der Wichtigkeit des Gegenstandes glaubenseifrig beseelt, hat bereits im September vorigen Jahres eine namhafte Anzahl frommer Hausväter dem Gemeinde-Vorstände, da in Ansehung der Dringlichkeit dieses Bedürfnisses in der 43 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.