Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1846)
- Date
- 1846-10-22
- Page
- Seite 334 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 334 - Chor figurirte. Wie man Hort, sollen-die Leistungen des letztem außerordentlich gewesen sein. Zusammengesetzt aus vier Personen, von denen der Eine mit der Nadel, die Andern mit der Elle sich beschäftigen, schufen sie sich' selber die Melodien, und. der .aus allen Tonarten klingende Gesang, namentlich aber dqö laute Schreien des Tenors und das leise Brummen des Basses verfehlten nicht eine außerordentliche Wirkung hervorzubringen. Vor allen aber glänzte.Herr Rabbinats-Kandidat Sachs, bekannt durch sein segenreiches Wirken in Anktam und weiland als angeblicher Rabbiner aus Glogau, Mitglied der ersten R.-V., dessen inhaltsschweren Predigten , verbunden mit seinen mächtig hervorragenden Eigenschaften und seiner lieblichen Persönlichkeit selbst Damen, die bis jetzt die Schwelle einer Synagoge gar nicht betreten haben, zu Thräncn rührte. Leider waren die Predigten zu erhaben, und man konnte in den flüchtigen Augenblicken deS Sprechens nicht den Sinn herausfinden; es wäre zu wünschen, wenn der Hr. Dr. sie dem Drucke übergebe. Für dieses Alles hatten die Meisten der dortigen Gemeinde leider keinen Sinn, und man mußte, um po zu erhalten, Einlaßkarten umsonst vertheilen, da der Antrag, die Damen dazu zu benutzen, nicht durchging. Mißgestimmt über das Nichtgelingen, wollen die Unternehmer, die nicht hoffen,, daß dieser Saame so reich, wie mancher andere wuchern würde, dem würdigen Prediger nicht einmal eine öffentliche Danksagung abstattcn, oder eine Adresse überreichen. — Zu dem Rabbinate in G n ese n, wohin zur Einweihung der Synagoge Dr. Hirschfeld aus W. und G. aus Wr. berufen sind, hofft letzterer zu gelangen, da sein zweimaliges täglich in die mpo Gehen ihn von seinem früheren Leben gereinigt hat. — In Li ssa soll man sich überzeugt haben,, daß der mährische Prediger, der sich bis hierher verirrt hat, nicht geeignet sei, die Stelle des nyi nin zu betreten, doch wird von ihm noch viel gesprochen. -— Ku rn i ck, wo der talentvolle Lehrer Herr Igel die Schule zu außerordentlicher Blüthe erhoben hat, ist auch gesonnen, einen sogenannten deutschen Rabbiner aufzunchmen. Frankfurt a. M., 7. Oktbr. In der hiesigen Synagoge geht es jetzt wunderlich zu; der halb alte, halb neue Gottesdienst, der theils in hebräischer, theils in deutscher Sprache alle Augenblick chamäleonartig die Farbe wechselt, hat längst allen Charakter verloren und geht stufenweise seinem Verfall entgegen.' Am vergangenen ersten Laubhüttenfesttag mußten selbst die blindesten Anhänger des Rabbiners Stein eingestehen, daß die Gehaltlosigkeit und die Widersprüche im hiesigen Synagogeuwesen ihnen gleichfalls zu arg schienen. Herr Stein erklärte nämlich in feiner Predigt, der zweite Feiertag sei ganz unbegründet, ungesetzlich und daher unstatthaft, ja es sei sogar, nach 5 B. Moses 4, 2, wo es heißt: „du sollst nichts hinzufügeu", Sünde, denselben zu feiern , indem er sich dabei auf einem Beschluß der Breslauer Rabbinerversanunlyng berief. Was war nun Anderes zu 'erwarten-, als daß nun der zweite Feiertag von Seiten des Rabbiners.in der Synagoge wirklich abgeschafft werden sollte? Allein so war es nicht gemeint, denn noch am Schluß derselben Predigt erklärte Herr Stein, das Vorhergesagte beziehe sich nur auf das Verhalten außerhalb der Synagoge, wo Jedermann seine Geschäfte versehen und arbeiten könne wie an Werktagen, der Gottesdienst jedoch bleibe nach wie vor, weil viele Leute noch daran gcw öhnt seien, wie denn der Rabbiner wirklich auch denselben Abend/, die Feier des zweiten Festtages in üblicher Weise mit dem Segensspruch über den .Wein solenn einweihte und nicht minder Tags darauf die alten Feftgebete wie immer abhalten ließ. Heißt dies nun nicht im buchstäblichen Sinne, wie Rabbiner H oldheim in der diesjährigen Rabbiucrversammlung sich auödrückte, die Prinziplosigkeit zum Prinzip machen? „Ich liebe die Alten, ich liebe die Neuen, auch liebe ich das Gänsgekrose", sagt der frivole Heine, nur gibt er so etwas nicht für eine Religion aus. (Hanauer Zeit.) Posen, 1. Oktbr. Unsere, in der fünften Note zu unserem Artikel im Orient ausgesprochene Hoffnung ist zu Wasser geworden, denn auch in seiner langen Derascha am rDW raty hat unser Herr OR. die Gegenwart mit ihren, das Jndenthum betreffenden „Fragen" ganz unberührt gelassen. Er bewegte sich fortwährend auf dem rituale n G ebi etc der jüdischen Religion, sprach besonders viel über Nidda, wollte Tewila höher gestellt wissen als Tefilla, und fand, was uns in Staunen setzte, das in den Tagesblättern so häufig ausgesprochene Verlangen nach Kultusrefvrm en ganz verwerflich. — Das Lokal des hiesigen israet. Handlungsdiener-Jnstituts war für die sogenannten DWU in einen Beisaal metamorphosirt und der in Nr. 24 d. Bl. besprochene RK. Sachs fungirte als Prediger. Gebetet wurde, bis auf Auslassungen weniger Pijutim. ganz nach altem Ritus. — Die zu © liefen neu aufgebautc prachtvolle Synagoge soll noch im Lause des Monats Tischri eingeweiht werden. Wir werden zur Zeit darüber referiren. — Für heute nur noch einige Berichtigungen. In unserm Art. in Nr. 39 d. Bl. muß S. 305, Sp. 1, Z. 9 v. o. zuwendet f. zugcwendet; Z. 6 v. u. Maggid f. Mirglied. und Sp. 2, Z. 6 v. u. gebt f. giebt gelesen werden. W. Oesterrer ch. Wien, 18. Sptbr. Hr. Professor S u l z er ersucht mich .in seinem Namen zu erklären, daß sich durch Nr. 34 des Orients eine irrthümliche Nachricht verbreitet. Dort ist gesagt, daß Dr. Li l i enthal auf die Anfrage