Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1846)
- Date
- 1846-10-22
- Page
- Seite 333 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Siebenter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 ThLr. Manabonnirt bei allen lobt. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. .143. Leipzig, den 22. Oktober 184«. Inhalt. Deutschland. Aus dem GH. Posen. Berichte aus Birnbaum, Gratz, Posen, Gnesen,Kurni<k. Franks, a. M. Steines erfundene neue Theorie. Posen. Notizen über den OR. Eger. Berichtigungen. — Oesterreich. Wien. Sulzer und Lilienthar. Gr.-Kanischa. Jubelfeier für die Abschaffung der Toleranztare. Dreifuß. Goldstein. L ö w i. Lissa. Darstellung des Gemeindezustandes'und des Sachverhaltnisses bei einer neuen Predigerwahl. — Polen und Rußland. Warschau. Berichte von Leid und Jammer. — Einige Worte über die Meziza und ihre neuesten Vertheidiger. Won K—m. — Der Zionswachter u. die Meziza v. L. Horwitz, R. in Wien. — Personalchronik und Miscellen. Lemberg. Brody. — LB. d. Or. Deutschland. Aus dem Großheuzogthrrme Posen, 3. Oktbr. Wie in aller Welt ein Kampf zwischen Fortschritt llnd Stillstand, echter Frömmigkeit und Schaugepränge, Gewissensfreiheit und Hierarchie besteht: so ist auch die hiesige Provinz nicht frei von jenem Kampfe geblieben, und neben den belebendsten Elementen besteht auch jener giftige Stoff, der Alles zersetzt und verflüchtigt und uns zuletzt ein Wahngebilde zeigt. Leider verhindert der Jndifferentismnö sehr oft jede Gestaltung, und nur selten findet die Lebensregung einen Weg in die öffentlichen Blätter. Es wird daher den Lesern des Orients bestimmt nicht 'unangenehm sein, etwas von den hiesigen religiösen Zuständen zu erfahren, und ich will ihnen, was zu meiner Kenntniß gelangt ist, nicht vorcuthalten. In Birnbaum sott Herr Dr. Crakauer, der bei seiner Anwesenheit in Posen eine Anzahl Predigten i vortrug, von denen die Eine ganz reformistisch und heterodo.r, die Andere im Sinne des ri'bw und des R. Js. Loria koncipirt war, und somit das Talent, ein würdiger Präsident einer R.-V. zu sein,''müden Tag legte, seiner Funktion als Beisitzer beim Nabbinat, entlassen worden sein. Es soll, der Sage nach, sich herausgestellt haben, daß er an NOD my eine nso gegessen, und selbst seine Partei den Ausspruch des Talmuds in diesem Punkt respektirt. Das erzählt man sich; ich. mag nicht verbürgen, wie viel Wahres daran ist. Herr Dr. Hi.rschfeld in Wöllstein beschäftigt sich jetzt mit der lateinischen Uebcrsetzung des Talmuds und da er N1DO beendigt hat, ist ein anderer Traktat in Arbeit. Herr Dr. H. sott sich auch, irr Schulsachen mischen, trotz des Strebeus christlicherseits, die Schule von jedem pfäffischen Einsiusse zu befreien. In Grätz, dem sich Rakwiz wieder in die Arme werfen will, hat vor Kurzem eine Zusanunenkunft vieler Rabbinen stattgefunden, in welcher beschlossen wurde, die T.-V. in Dresden unter gewissen Bedingungen, wie sie von den Herrn Adler und Fuld in Frankfurt ausgestellt wurden, zu beschicken, zugleich aber auch den schon zur Zeit Mendelssohns unwirksamen Bann gegen die R.-V. trotz ihres Liebängelns mit dem Zionswächter ausgesprochen. Die ehrwürdigen Vater scheinen in Bezug auf letztem Punkt den weisen Spruch MN btt vergessen zu haben. Auch nach Posen ist das Licht der Aufklärung gedrungen; auch hier zählt die R.-V. ihre Anhänger. Zwar ist die Zahl derer, welche geduldig ihren breiten Hals dem Joche der Hierarchie darbieten, nur klein, und der Gebildete hält sich fern, doch haben sie schon Lebenszeichen von sich gegeben. Es ist nämlich zum Neujahrsfest und zum Sühnetag dort sonderbar genug ,,eiu reformirter Gottesdieust nach herkömmlicher Weise" veranstaltet worden, in welchem neben der Polka und Masurka des Vorbeters auch ein 43