Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 42 (15.10.1846)
- Date
- 1846-10-15
- Page
- Spalte 669-670 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/8555529-9897631-9897680--4700-3532638- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
669 Studien. Der Messiasglaube und dessen Begründung im Judenthume, 670 zige Wurzel hätte, vielmehr liegt diese in dem ewigen Siege seiner Gotteslehre und Religion und dessen innerlicher Notwendigkeit.. Aber die Lehre vom Messias als solchem charakterisier sich in dieser Weise und ,wird in ihr dargestellt, weil die. Bewährung der Religion und die Erringung ihres Sieges das Unglück und die Leiden Israels zum Durchgangspunkt haben und die Bekämpfung der eigenen Feindschaft dieses Volkes gegen seine geoffenbarte Lehre, wie die fremder Völker, die gegen dasselbe gekehrt sein Unglück und seine Leiden erzeugen, nöthig machen. . Obgleich im Pentateuch eie Feindschaft der Völker gegen Israel, die als solche eine Wiederstrebung derselben gegen die Lehre Gottes ist, nicht ganz außer Acht gelassen wird, so tritt.doch der andere Grund ihrer. Leiden, ihre eigene Opposition gegen die Lehre des Herrn, wofür sie jene Feindschaft der Völker als Strafe Gottes trifft, stärker und deutlicher hervor, während bei den Prophetenzu deren Zeit die Feindschaft der Völker gegen Israel zur That überzugehen anfing, auch auf diese, ein gleich Helles Licht gesetzt wird. Wir erkennen nun, daß, wenn auch jerie Unglücksperiode Israels-der Messiaslehre erst historischen Boden und Veranlassung gab,. ihres dogmatischen Interesses wegen die Offenbarungslehre doch schon genötigt war, dieselbe in sich aufzunebmen. Und das geschaht eben in der besprochenen Stelle Deut. 30. Hier lag sie embryonisch gleichsam aufbewahrt, um in späterer Zeit vollgültig hervorzutreten und sich zu entwickeln. ' Aus diesem ist es deutlich, daß, wenn die Messiaslehre im Pentateuch ein nur dogmatisches Interesse hat und embryonisch eingeschlossen ist, in den spa'tern Propheten-aber erst eine historische Bedeutung gewann, diese in den heiligen Büchern der dazwischen liegenden Periode auch weder Interesse, noch Veranlassung finden konnte, besprochen zu werden. Darum ist es unsere Aufgabe, in dem Folgenden zu zeigen, wie alle die Stellen jener Bücher der H. S., worin eine messi'anische Beziehung und Bedeutung gesucht wird, eine solche ausschließen. Die erste dahin bezügliche Stelle ist 2 Sam. 7, wo dem Könige David das ewige Bestehen seines Thrones im Namen Gottes durch den Propheten verheißen wird. Die scheinbar messi'anische Bedeutung hat dieselbe schon durch die prophetischen Verkündigungen der späteren Periode und durch die stillschweigende Beziehung, welche diese hierauf in der Darstellung des Messias als eines davidischen Nachkommen nehmen, welcher der König Israels und der göttliche Hirt und Fürst in Ewigkeit sein würde. Welche Bedeutung jene prophetischen Stellen haben, wollen wir später untersuchen. So viel ist aber hier schon sicher, daß, wenn überhaupt ein Zusammenhang zwischen diesen und unserer Stelle besteht, jenen eher eine recipireude Bezugnahme auf diese zuzuschreiben, als dieser die begründete Absicht eines Einflusses in so weite Zukunft hin zuzuerkennen ist. Es fehlt derselben die Unterlage jeder messianischen Idee, um mir Sicherheit dieselbe als eine messianische Verkündigung gelten zu lassen. Keine Heilsverkündigung nach vorausgegangenem Unglück, keine höhere Sittlichkeit, kein Universatismus der Idee, nicht einmal eine Beziehung auf das Volk Israel ist darin enthalten, und wenn auch das Königthum Davids als nur für Israel vorhanden gedacht wird, sö ist es dasselbe doch nur , insofern Liebe und Gerechtigkeit von ihm geübr und. das Volk von ihm zur Lugend und Frömmigkeit geleitet wird. Aber hiervon findet sich an jener Stelle auch nicht die leiseste Erwähnung, vielmehr hat die ganze.Verkündigung einen nur individuellen Charakter für David und dessen Sohn. Und so ist es auch. David wird für seinen Sohn die Gnade Gottes und die ungestörte Erhaltung seines Thrones verheißen, im Gegensatz zu Saul, dem er sie entwendet und den Thron für seinen Sohn nicht erhalten hat. Hierauf wird besonderer Bezug genommen (r>. 15), und auch so nur ist die göttliche Verheißung in Erfüllung gegangen. Wollte man aber der Stelle ein anderes Verständniß unterlegen, und etwa eine messi'anische Beziehung darin finden: so ist die vollständige Erfüllung des göttlichen Wortes schon dadurch unmöglich gemacht, daß die ewige Fortdauer der davidischen Regierung durch die seitherige Unterbrechung Lügen gestraft wird. Zu der beschränkten Bedeutung des als nur die Dauer menschlicher Lebenszeit umfassend, findet sich im Analogen schon Ex. 21 , 6. (Vgl. auch 1 Sam. 1, 22). Wir gehen nun zur Erklärung des 2 Ps. über. Schon Berach 7 a findet sich die kriegerische Erhebung der Könige und Nationen an hiesiger Stelle auf den Streit des Gog und Magog in den Zeiten des Messias bezogen. Ebenso wird Aboda Sora 3, b. die v. 4 angedeutete Zerreißung der Fesseln auf die Lossagung von den göttlichen Geboten durch dieselbe Demonstration des G. und M. gedeutet und auch der Inhalt von v. 7 ff. Sukka 52, a. vom Messias verstanden. Auch findet sich noch Sanh. 91, a die Deutung des -ft in v. 12 von der geoffenbarten Lehre, bildlich als dem Sohne Gottes, und hiernach wäre auch v. 7 zu erklären. Die messianische Idee liegt auch hierin ausgedrückt, obgleich dieselbe nicht an die Persönlichkeit eines Messias geknüpft ist. Wir halten es für überflüssig, zu erklären, daß der Ausdruck by die Deutung auf den Messias nicht notwendig macht, eben so wenig, wie das daneben stehende ri zu Gunsten der christlichen Dogmatik eine gleiche Persönlichkeit der Gottheit und des Messias, sondern nur eine Gleichartigkeit ihres Interesses voraussetzen läßt. Eine Deutung auf den Messias laßt der Ps. darum nicht zu, weil alsdann die Huldigung des Sohnes, als eine geistigkirchliche gefaßt, den Begriffen des Judentums von dem reinen Monotheismus eben so sehr, wie auch dem Inhalte unsers Psalmes (vergl. v. 11) widersprechen würde. Man muß nun aber zugeben, daß, wenn die Grundbeziehung des Ps. eine politische ist, die Zeit der Abfassung desselben auch notwendig lange vor die'messianisch -prophetische gesetzt werden muß, wo das neue Königthum Israels noch