Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1846)
- Date
- 1846-10-15
- Page
- Seite 331 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 331 - t i g e ist, welches Herr E. Ln seinem heb. Gutachten vorbringt. Mit mehr Wahrscheinlichkeit ließe sich jedoch behaupten, daß das ganze Verfahren der Meziza auf das Hippokratische System beruhe, nachdem man bei einer Wunde, wenn keine Cavität des Körpers, sondern nur die Extremität verletzt ist, das Blut reicht! ch au sströmen läßt (Apol. .des Hippok. tt S. 382); Maim. will daher mit erwähntem Zusätze nur sagen, daß man ein Ausströmen des Blutes bewirken soll, ob mit dem Munde oder mit drm Fingern ist daher zu diesem Zwecke ganz gleich, denn man wollte doch nur eine Reinigung vom Blute durch die Meziza herbeiführen, was auch aus dem ärztlichen Gutachten von Hirschel und Collin (1. c. S. 290) hervorgeht -), Sei nun der Zweck dieser Reinigung welcher es wolle, zur Verhütung einer Entzündung oder zur Heilung,, fo wird durch das Aussaugen der Wunde mit Wein, worauf die Panegyriker der Meziza so viel Gewicht legen, die beabsichtigte Ausströmung keinigswegs erreicht, da das abstringirende Prinzip des Weines die Blutströmung hindert und das D^mn riiBlpüD- DH NSirfr gar nicht stattsindet. Unsinnig und zwecklos bleibt'daher das ganze Verfahren der Meziza, selbst wenn man von der Schädlichkeit abstrahirt, und das Gutachten des „Kompetenten" mit dem hebräischen Anhängsel hat so wenig Belehrendes hierüber, daß man ebensogut bei einem Kräuterweib Botanik lernen kann, wie hier bei dieser Kompetenz Therapeutik. Wir und gewiß alle Leser haben von dieser Kompetenz erwartet: a) eine wissenschaftliche Beweisführung, daß, wie der Talmud sagt, die Unterlassung der Meziza schädlich, und b) daß bei deren Beibehaltung keine mutuelle Ansteckung zu fürchten sei, sowie die Gegner der Meziza bewiesen haben, -daß diese Procedur unnütz und gefahrbringend sei; wo hingegen die Kompetenz ihre Wiffenschaftslosigkeit hinter Tiraden und vorgeblichen Angriffen auf die Bestrebungen der Zeit verbirgt, welche Wächtersprache sich in einem medicinischen Gutachten gerade so ausnimmt, wie Citate aus dem Talmud in dem Munde des „lithographirten Rabbiners." „Darüber kann gleich von vorne herein kein Zweifel 2) Herr Ettlinger begeht hier eine literarische Unredlichkeit , wenn er sagt ns’son ruprw DrwrD DHJunDn D-,n nJpru ndtiki pin da Collin (7. Heft der Frank. Zeits.) schon diese Ansicht bekämpft; eben so ungenau und lächerlich ist der von Herrn Ettl. den Gegnern der Meziza angedichtete Vorschlag, daß man die Befürchtung von einer Ansteckung abfeiten des Beschneiders durch eine körperliche Visitatian deffelben vor der ertheilten Approbation beseitigen könne! U'SH Tu7N nruv ru\4 'ipiD^ *>"y - nonpni? w* hd iUdd nspsftsn bis1?■ JTO-1 ft D~iD als wenn nach der ertheilten Approbation gar kein venerisches Gift mehr in den Körper des Beschneiders eindringen'könne, Wenn auch Herr Ctrl, seiner Approbation diese mystische Kraft beilegt, so fällt ihm selbst doch sicherlich nicht bei, diese Kraft der weltlichen oder selbst derjenigen rabbinischen Autorität zuzurrauen, die nicht der orthodoxen Schaar der Zionswächter angehöret. obwalten, sagt die Kompetenz, daß die angegebene medizinische Schädlichkeit 'der Meziza nicht sowohl dem Fortschritte der Medizin, als vielmehr den Zerstörungsbestrebungen im Judenthume ihr Entstehen zu verdanken hat." Es gehört aber fürwahr nicht wenig Dreistigkeit dazu, die Gutachten so vieler Aerzce und die analogen Beschlüsse der Medizinalkollegien u. Sanitätsbehörden Deutschlands nur als das Ergebniß der Einflüsterungen einiger Religionsstürmec darzustellen, und den u n b e z w e i fe l t e n F ä l le n v o n w i r k li ch e r A n st e ck u n g so wenig Beweiskraft beizulegen, daß sie bei der Kompeteuz nicht einmal einen Zweifel gegen die Unschädlichkeit der Meziza zu erregen vermochten. Wie kommt es aber, fragt die Kompetenz, daß die medizinischen Schriftsteller bis heute über die Gefährlichkeit der Meziza geschwiegen? Aus dem einfachen Grunde antworten wir, weil man früher der Beschneidung keine besondere Aufmerfamkeit zugewendet und weil man in unserer Zeit erst angefangen hat, diese heilige Handlung durch Anstellung hierzu gebildeter Mohelkm und Beseitigung jeder entfernten Gefahr vor allen Anfeindungen und Gehässigkeiten sicher zu stellen. Lächerlich ist es endlich in dem Gutachten einer medizinischen Kompetenz, die wohl wissen muß, welche Entdeckung man in der Arzneiwissenschaft der Empirie verdankt, zu lesen, daß man eine neue Erfahrung deshalb zurückweisen könne, weil man ssie früher nicht gemacht hatte. Würde die Kompetenz im 16. Jahrhundert gelebt haben, als neue Krankheiten zum Vorschein kamen, die in das bisher verfolgte System nicht paßten und daher die Alleinherrschaft der galenischen Monokratie in mehrere Aristokratien überging, so hätte sie sicherlich, damals wie heute, aus irgend einem unmotivirten Grunde das alte System aller gemachten Erfahrung zum Trotze geschützt und in feiner Alleinherrschaft erhalten. Die Kompetenz verlangt „That fachen," da die Vollgiltigkeit der einzelnen Falle, auf die man sich beruft, als einzelne Falle und Ausnahmen daständen; zugegeben -daß es nur einzelne Falle seien, wo sich durch die Meziza eine Ansteckung zeigte, genügen aber diese einzelnen Fälle nicht, um einen Akt aufzuheben, dessen Schädlichkeit von vielen Kompetenten als gewiß angenommen, wo hingegen dessen Nützlichkeit nicht einmal unser Panegyriker beweisen konnte? — Die Kompetenz, der wir hier zurufen müssen: no DW^m. L'P.U hdSi bxü, betrachtet die Meziza auch von der religiösen Seite und geräth über den Ausdruck Frankels: „Die Mischna führt diesen Gebrauch als etwas ganz Gewöhnliches an," in fanatischen Eifer; womit aber F. ganz richtig sagen,will, daß die Mischna die Meziza, gerade so wie das Baden des Kindes nur als medizinisch en Gebrauch anführt, dem nichts Religiöses zu Grunde liegt, und daß demnach hierin die Mischna nicht mehr Autorität habe als die. Herren der Arzneikunde. Denn die Talmudisten erlangten ihre medizinische.Wissenschaft, so wie überhaupt alle Realien „nicht etwa durch eine besondere göttliche Inspiration, noch sind hierin ihre Sätze sinaitische Traditionen; sie standen auf derselben Kulturstufe mit ihren Zeit-