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Der Orient · 1846-10-15 · Heft 42 (15.10.1846) · p. Seite 329

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 42 (15.10.1846)
Date
1846-10-15
Page
Seite 329 (sequence 9)
Language
German
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«WWW««, unserer neuen (zu Papa) geschmackvoll erbauten Synagoge, 1 welche auf eine sehr solenne Weise eingeweiht wurde. Nachdeut der Schlußstein feierlich unter Musik und Böllerschießen zu dem Werke Gottes von Sr. Wohlgeboren dem Herrn Grnndherrschafts-Präfekten M. Bezredy mehrern löblichen Könnt. Assessor — deren edler Sinn und lebendiger Eifer zur Förderung alles Guten und Nützlichen bei diesem Baue sich in dem schönsten Lichte gezeigt — in Abwesenheit in Namen Sr. Exeellenz des Hochgebornen Herrn Graf Karl Estzerhazy — auf dessen Grund und Boden dieses Heiligthum steht, und von dessen milden und wohlthätigen Sinne dieser Tempel und diese Gemeinde Zeuge ist — gelegt worden ist, - beleuchtete der geehrte und hochgefeierte Herr Leop. L öw diese Handlung mit herzerhebenden Worten in magyarischer Sprache. Nach der Grundsteinlegurtg wurden die Torarollen aus dem alten Tempel durch den würdigen Hrn. Oberrabbiner L*öw und von dem zur heiligen Feier hier anwesenden wissenschaftlich gebildeten und wack'ern Hrn. Oberrabbiner Dr. M. Zipfer zu Stuhlweissenburg und von den zwei Unterrabbinen und meh- 1 tern ansehnlichen Mitgliederrr in den neuen Tempel gebracht, begleitet wurden sie von einem vorzüglichen Or-;; chestcr aus 30 Jnstnlmenten. Es wurden mehrere Psal- \:, men gesungen, worauf eine passende Schlußmusik folgte. Nach diesem bestieg der Herr Rabbiner Löw.die Kanzel und hielt eine gediegene kräftige Rede ebenfalls in magyarischer Sprache, welche atlch ein großer Theil christlicher Notabilitäten versammelt, die der Feier durch ihre Anwesenheit eine würdige Weihe zu verleihen wußten, und U die nicht nur aus den nahen, sondern selbst 7—8 Mei- |'f len fern liegenden Orten so viele unsere Glaubensbrüder [\ herbeigeführt, wie unser Städtchen zu einer Zeit gewiß }■ noch nie in seinen Mauern gesehen hat. Auch eine große Zahl von katholischen Geistlichen und die hochge- | schätzten Herren Ofsteiere wohnten der Feier bei. Also auch hier in den Gotteshäusern, in denen irgend eine nicht magyarische Sprache noch zeitweilig das Organ der Funktionen des Gotteshauses abgeben könnte, sehen wir vaterländischen Sinn an den Tag legen. Hr. Löw; als geborner Mähre spricht das Ungarische sehr rein verständlich und schön aus, und der gefeierte Redner hat stets bei allen seinen Reden die Beförderung der Nationalität vor Augen. Möge der Himmel den Gemeinden Ungarns viele solche geistliche Vorstände verleihen, möge der echte Magyarengeist auch aus den Tempeln der Js- ' raeliten nimmer schwinden. Tags darauf Samstag hielt der würdige Herr Rabbi wieder eine trefflich abgefaßte t/ deutsche Predigt, die ebenfalls von seinem schönen Rednertalente und von seinem poet. Geiste Beweise an denTag legten. Zum Schluffe sagte er seinen Dank an die frommen und verehrten Gäste, die aus der Nähe und Ferne gekommen sind, um unsere heilige Feier durch ihre Gegenwart zu verherrlichen, der einen wahrhaft rühren und zugleich begeistern mußte. Auch am Sonnabend den 29. des v. M. hielt Hr. Löw eine sehr geistreiche aus tief fühlendem Herzen quellende Rede, als Dankfest für die Befreiung der ungarischen Israeliten von der Toleranzstener, auf die Predigt folgte ein inniges Gebet für den Kaiser und König, für alle Zweige und Sprößlinge des glorreichen Habsburger Stammes, für unfern allgeliebtesten erhabenen Palatin dieses Reiches, für die hohe Grundobrigkeit dieses Tempels und dieser Gemeinde Sr. Ereettenz der hvchgeborne Graf Karl Estzerhazy, der beim Erbauen des neuen Gotteshauses Seine Freigebigkeit zufließen ließ, dessen hoher Edelsinn und bekannte Menschenliebe, dessen herablassende Erhabenheit Alles um 'sich her belebt und beseeligt, für all die hohen Glieder dieser löblichen Komitats-Bchörde, mit allen Beamten und Angestellten dieser hohen Herrschaften und mit allen Bewohnern dieses Ortes und die erhabenen Sprüche des geliebten Redners beweisen stets das heißeste Gefühl für Gott, Vaterland und König. Alle seine Vorträge, die er bis jetzt gehalten, waren sehr besucht, sie sind warm und lebendig, immer innig und frisch strömen ihm die Worte aus dem reichen Fond seines Herzens zu, und sein höchst brillanter Vortrag und die vielen frappanten Wendungen und epigrammatischen Spitzen si'rben einen seltenen Zauber auf die begeisterten Zuhörer, so daß diese immer erwärmt und befriedigt das Gotteshaus verlassen. Dank dem Vorstande für seine Regsamkeit, die er zur Verschönerung und den Anforderungen der Zeit entsprechende innere Ausstattung ihrer Synagoge gezeigt, welches nichts zu wünschen übrig läßt. Der Staub voriger Jahrhunderte ist verbannt, Reinlichkeit, Ordnung zweckmäßige Einrichtung sind an seine Stelle getreten, undwünschcnswerth wäre das Einzige nur noch, wenn der Gottesdienst nur recht bald eben so schön geregelt würde, wie es das freundliche schöne Bethaus geworden ist, und wenn auch die Vercdlmlg und Verbesserung des innem Menschen gleichen Schritt hielt mit diesen Einrichtungen, dann gehen wir gewiß einer schönern bessern Zeit entgegen. Sonnabend den 29. August ist unter allen israelitischen Gemeinden des ganzen Landes ein feierliches Tedeum und eine religiöse Solennität, wegen der von Sr. Majestät dem König allergnädigst angeordneten Aufhebung der / Toleranztaxe als Dankfest für die Befreiung und der damit anzustrebenden Aufnahme in den bürgerlichen Verband gefeiert und abgehalten und auf die Bedeutung der Feier bezügliche treffliche Reden gehalten worden, und zum Schluffe weihevolle Gebete für den huldvollen König und dessen erlauchte Familie, für den edlen und verehrten Palatin, den huldvollen Förderer dieser für die Israeliten Ungarns so hochwichtige Sache, für die Leiter der öffentlichen Angelegenheiten, für die Häupter der Gemeinden und alle Edlen der Zeit, die für Aufklärung und Menschenliebe

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