Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1846)
- Date
- 1846-10-15
- Page
- Seite 328 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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328 mit. Im Jahre 1819 erschien vom hiesigen Regierungsrath folgende Judenverordnung: 1) Jeder Jude, der im Kanton Bern mit Privaten Handel treibt, muß von der Behörde einen Handetsschein losen, und wird er ohne einen solchen (getroffen, so kann von denHandelsgenossen auf Ungittigkeit alles Abgeschlossenen angetragen werden. 2) Die Juden sollen auf Faustpfänder gar nicht Geld leihen, und wenn dies ja geschieht, so kann dies nur nach der strengsten Kontrole geschehen. 3) Die Juden dürfen ihre Handclsbncher nicht in jüdischer Sprache führen, damit es der Behörde möglich wird, Einsicht in dieselben zu erlangen. Diese Judenverordnung ist so eben ganz aufgehoben worden und die Juden sind unter das allgemeine Fremdengesetz vvn 1816 gestellt; aber diese Aufhebung ist nicht aus Humanität oder im Geiste des Fortschrittes geschehen, sondern lediglich weil sie keine Anwendung mehr, hatte. Die Schweizer selbst, mit denen die französischen oder badcn'scher: Israeliten Handel treiben, haben bei dem lebhaften Verkehr ihr Interesse', auf Ungittigkeit des Handels keinen Anspruch zu machen, und wirklich ist fast seit 1830 kein . Antrag der Art vorgekommen. Die errichtete Centralbank und andere christliche Leihhäuser haben einen christlichen Wucher cingeführt, daß ein Jude nicht mehr konkurriren kann, und endlich findet sich kein Jude mehr, der in jüdischer Sprache seine Handelsbücher führen kann. Frankreich. Leipzig, im Sptbr. Der Univers Israelite fährt regelmäßig allvierzehntägig fort, den israelitischen Franzosen ein mannigfaches Lebensbild der jüdischen Gegenwart zu geben; mit Umsicht, Fleiß und ohne alle Zanksucht werden den französische!: Lesern die religiösen Bewegungen in Deutschland , sie mögen ihren Ausdruck inRabbinerversannnlungen oder in Reformvereinen finden, vorgesi'rhrt, und wir Deutsche erhalten nebenbei sichere Kunde von dem, was sich unter der Judcnheit des großen und freien Frankreichs vorbereitet. Es liegen mir nun eine große Anzahl Nummern vor, über die hier noch kein Bericht erstattet wurde, und ich finde bei der Ueberschauung derselben, daß Hr. S. Bloch, sobald er nicht vom Neide in eine Polemik gelockt wird, die größte Befähigung zum Redigiren eines jüdischen Blattes hat. In Bezug auf die R.-V. sind die Mittheilungen natürlich im konservativen Sinne, wie auch die englische jüdische Journalistik es thut; auch in Deutschland gehören die sich überstürzenden Reformbestrebungen nur einer unbedeutenden Minorität an, .und Einzelnachrichtcn bleiben sich allenthalben gleich. Bevor wir aber eine Uebersicht. von dem geben, was nach dem Univers in Frankreich vorgegangen, können wir den Wunsch nicht unterdrücken, daß es Hrn. Bloch gelingen möge , für Algier und sein großes Gebiet recht tüchtige Mitarbeiter zu gewinnen. Denn über dieses Land, wie auch über Marokko erwarten wir nur durch die französische Presse ausführliche und genaue Daten. O e st e r r e ich. Pnpa, 13. Sptbr. Der feierliche Einzug des Hrn. Löw fand unter entsprechendem Pomp und großen Feierlichkeiten statt. In Basürhely am' Fuße des berühmten Svmloer Weiugebirgcs wurde er von dem in pleno versammelten löblichen Vorstände hiesiger iörael. Gemeinde und vielen anderweitigen ansehnlichen Mitgliedern derselben auf eine freudige Weise empfangen. Dr. Sam. P se r h o f c r, ein echt wissenschaftlich gebildeterrationeller, durch eine ausgedehnte Praxis recht kunstgcübter Arzt hielt eine trefflich gediegene deutsche Rede, Dr. Dietrichstein eine ungarische. Derfeierlich Begrüßte erwiederte mit den freundlichsten und ergreifendsten Wörter: auf der: Inhalt beider Reden. Auch ein Diner wurde in Vüsürhely veranstaltet. Sodann wurde Hr. L. in Begleitung von mehr als 50 Equipagen bis nach dem Orte seiner Bestimmung weiter begleitet. Hier wurde er von der sämmtlichen israelitischen Schuljugend nebst ihren Lehrern und vielen Gymnasialschülern wie auch von den höheren Schulen und dem Jugendverein und noch vieler: unserer Glaubensgenossen unter tausendstimmigen Eljens begrüßt. Abends wurde Hrn. Löw von der: Allurnncn am ref. Kollegium, denen sich der Jugendverein anreihete, ein Fackelzug gebracht, und daß es an Musik und üngar. Reden nicht fehlte, versteht sich von selbst. Der patriotisch gesinnte Rabbi erwiederte sehr schön in magyarischer Sprache; und daß er sich stets rein vaterländisch gesinnt erweist, kann ihn nr:s nur werther machen. Den ersten Samstag hielt er vor einem zahlreicher: Auditorio seine Antrittsrede. Milde Gesinnung, vom Hauche des Fricdes beseelter Charakter, klare Einsicht irr daS, was Noth ist, Scharfsinn in der Behandlung des Gegenstandes und gediegene Sprache zeichnen den Redner ans , und befriedigten Verstand und Herz des Zuhörers in gleichem Maaße. Dr. Rosenfeld. Aus Ungarn, 14 Sptbr. Am 11. d. M. war ein in unfern jüdischer: Annalen unvergeßlicher Tag; wir waren Zeugen eines Festes, daß uns lange unvergeßlich bleiben wird. Es war cir: Fest ganz eigener Art, da floß nicht wie sonst Champagner, aber wohl sind über manche Wange Thränen der Rührung vor Wonne und Freude geflossen; es ward nicht getanzt, aber allen Anwesenden von Nahe und Ferne mußte das Herz im Leibe hüpfen vor wahrer Seelenfreude , kurz es war kein Fest, die Langeweile zu tobten, sondern fromme Gemüther zu erfreuen, es war eine Seelenreunion frommer und edler Menschen, ein Fest des Herzens, ein Fest für Israel — cs war die Einweihungsfeier