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Der Orient · 1846-10-15 · Heft 42 (15.10.1846) · p. Seite 326

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 42 (15.10.1846)
Date
1846-10-15
Page
Seite 326 (sequence 3)
Language
German
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den herrschenden Begriffen von der Tendenz der Kanzel, in schneidendem Widerspruch steht , so ist doch andrerseits nicht zu leugnen, daß ein Publikum, an so künstliche Kompositionen gewöhnt, für einen schulgerechten, logisch .aneinander gereiheten Vortrag, bei welchem der. biblische Text'-gewöhnlich nur als ein überflüssiges Anhängsel fignrirt, nicht so leicht zu gewinnen sein möchte. Fast unüberwindliche Schwierigkeiten würde diese letztere rhetorische Gattung im Vatertande der. .spitzfindigen Andenkens, finden, wo Verstand und Herz, Reflexion und Gemüth auf gleiche Befriedigung Anspruch machen, wo-die rührendste Grabrede nebenher einen Beitrag zur Bibelerklärnng liefern muß. Es ist daher nur rühmend anzuerkennen, wenn Rabbiner, denen das Material zu Gebote steht, die eigenthümliche Richtung und die speeiellen geistigen Bedürfnisse ihrer Gemeinden erkennend, denUebergang von einerDerascha der mittelalterlichen Form zu der streng geordneten methodisch gegliederten Predigt, durch Homilien zu vermitteln suchen, Ln welchen der zwiefache Zweck der Erbauung und Belehrung nicht aus den Augen gelassen ist, so daß neben dem sittlich religiösen Gehalt auch das geläutertere hermeneutische Element als wesentlicher Bestandtheil berücksichtigt wird. Einen derartigen schönen Vortrag hatte Referent Gelegenheit am vergangenen Bußtag-Sabbate in der Synagoge zu Schmieget vom Herrn Prediger Pollach zu hören, an welchen eigenthümlichen Genuß er noch lange rnit-Vergnügen zurückdenken wird, wie denn Keiner der Anwesender: die heilige Stätte unbefriedigt verlassen hat. Mögen Einige, von reforlnistisch-umwälzenden Motiven geleitet, mögen Korrespondenten (siehe Orient Nr. 39 Krotoschin und'Posen), immerhin mit angenommener Geringschätzung und mit einer gewisse!: Lieblosigkeit , vor: den rhetorische!: Leistungen des Herrn Prediger Pollach sprechen und Gleichgesinnte für ihre Ansicht gewinnen, — der erwähnte Vortrag zu Schmiegel hat jeden gebildeten Zuhörer von besserer Gesinnung überzeugt, daß man hier keinen sogenannten T.1D, sondern einen echt israelitischen Redner in würdigster Gestalt vor sich habe,' der eine seltene Fülle rabbinischer Belesenheit mit einer wissenschaftlichen Bildung verbindend, beide Stoffe in seinem Geiste sich gegenseitig durchdringen läßt, und die Resultate in der edelsten, oft klassischen Form darznstellen befähigt ist, so daß wir der Gemeinde nur Glückwünschen können, der es gelingt,Herrn Pollach unter sich eine bleibende Stätte zu gewähren.*) ' Daß übrigens unser Urtheil ein gerechtes und kein isolirtes ist, beweisen die vorzüglichen Zeugnisse der Uni¬ *) Der Apologet des Hrn. Pollach scheint die Korrespondenzen aus Posen und Kroroschin entweder nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben. Eben über das, worüber er entzückt ist, finden Sie, so es von Scharlalanismus ausgeht, verwerflich, und gewiß nicht mit Unrecht. Zeugnisse aus Olm ütz beweiset: alles, nur nicht ein tüchtiges Studium. R. versität zu Otmütz wie die Approbationen bet sten und b erü h rntcsten Rab b in er. Sind wir auch nicht gewöhnt ans solche Atteste ln v'erba magistri ^u schlvörcit, so war doch der bei meiner Durchreise gehörte Vorstag ganz geeignet das in jenen Zeugnissen ausgesprochene Urtheil vollkommen zu bestätiget:. - k. Aus Benern, in: Sptbr. In den verschiedenen Kreisen unsers baier'schen Vaterlandes bestehet: historische Vereine, welche sich die Aufgabe gestellt, der Geschichte in ihren leisesten Spuren nachzngehen, um so die Gegenwart ans der Vergangenheit kennen zu lernen. Mit Recht wird dabei auf die zu jeder Zeit und unter den mannigfaltigsten Verhältnissen in die Erscheinung tretende Ideen Rücksicht genommen, weil sie nicht nur auf die Civilifation von Einfluß warer:, sondern noch insbesondere ihre Stellung und Behandlung vielfach den Barometer der Zeitbildung abgeben. Der historische Verein in Mittelsranke!: hat vor mehreren Jahren nach allen Seiten hin Nachforfchnngen über die Zeit der Ansiedelung der Juden in all den Städten und Dorfen: dieses Kreises durch seine Mitglieder ängestellt und dadurch so Manches zu Tage gefördert, obschon der Mangel an jüdischen Archiven früherer Zeit und der geringe Sinn, welchen die Juden ihrer Geschichte früher widmeten, sich als ein sehr zu beklagendes und beklagtes Moment sich herauöstellte. Es ist hier der Ort nicht, die deshalb erhobene!: Beschuldigungen zu widerlegen, nur das sei gesagt, wie ja auch in andern Kreisen der Mangel an Sinn für Geschichtsforschung gehört wird und die Juden zumal unter beständigem Druck, waren gar nicht in der Lage, ihre traurige Geschichte im Sp§c:ellen der Nachwelt aufzubewahre!:! Der genannte Verein weihet fortwährend in seinen Mittheilungen der jüdischen Vergangenheit seine Aufmerksamkeit und hebe ich das Einzelne aus den gedruckten Jahresberichten der Jahre 1841 bis 1845 inet, das Betreffende für den ,,Orient" heraus, der gleich der fleißige!: Ameise alles zur jüdischen Geschichte irgend wie Gehörige sorgsam zusammenträgt, ans daß der spätere Geschichtsforscher es gleich der Biene in sich verarbeite und ein Ganzes, Vollendetes zur Darstellung bringe. S. K. Im Jahrgang 1841 theilt Hr. Oberleutnant Hickel eine Sammlung von an der: Hausern geschriebener: Retinen mit. Zwei, Juden berührende, wenig schmeichelhafte heißen: Zu-Hechlingen, Landgericht Heidenheim, steht an einem Haus: Der Kaiser will haben Tribut, i Der Edelmann sagt, ich will, haben ein freies Gut, Der Landmann sagt, was schert mich das, ich bin schon frei, Der Iud treibt seine Dieberei, Der Soldat sagt ich gebe nichts, Der Bettelmann sagt, ich habe nichts,. Nun erbarm es Gott, lieber Bauer, wie wird es warn Diese mußt du alle ernährn.

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