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Der Orient · 1846-10-08 · 41 (8.10.1846) · p. Spalte 651-652

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
41 (8.10.1846)
Date
1846-10-08
Page
Spalte 651-652 (sequence 6)
Language
German
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651 652 Kritiken. Die neue Ausgabe der Chobot Ha-Lebabot. mit Fragmenten der Josef Kimchi'schen Uebersetzung vermehrt von Ad. I e l li n e k. Leipzig, 1846, 12. Ueber eine neue Ausgabe des alten weitverbreiteten in zehn Pforten getheilten Moralbuches des berühmten Schriftstellers des elften Jahrhunderts wäre wenig oder gar nichts zu sagen, wenn nicht der umsichtige Herausgebet dafür gesorgt, daß die neue Auflage eine wenn auch geringe Steuer der Wissenschaft zuführe. Je weniger die wissenschaftlichen Arbeiten von Behörden und Reichen gefördert werden, um so mehr hat die Journalistik die.Pflicht, nach ihren schwachen Kräften die Mäcene zu vertreten, und je weniger die Gelehrten selbst im Stande sind, ihre wissenschaftlichen Arbeiten in abgeschlossener Form, selbstständig und abgerundet ohne Anlehnung an die vulgärste praktische Gemeinnützigkeit mitzutheilen, um so eher müssen die wenigen Bessern auf die zerstreueten Goldkörner aufmerksam gemacht werden. Dies die Vkranlassung, daß ich diese neue Ausgabe der Chobot ha- Lebabot hier anzeige. Die deutsche Einleitung des Hrn. Jellinek, die Fragmente aus der Kimchi'schen Uebersetzung, die schöne hebräische Vorrede des Hrn. Benjakob und dessen bibliographische Zusammenstellung,, wie auch dessen kurzer hebräischer Kommentar, sind nicht in selbstbewußter, selbstständiger wissenschaftlicher Bestrebung entstanden, zu denen das Moralbuch/selbst mitabgedruckt wurde, sondern umgekehrt, weil nun einmal das praktische Buch gedruckt wurde, so hat der Herausgeber mit manchen Opfern dafür gesorgt, daß auch die Wissenschaft davon einen Nutzen habe, und wer die materiellen Kämpfe und Opfer solcher Editoren kennt, muß diese Hingebung zu schätzen wissen. Was nun. die deutsche Einleitung anlangt, so zerfällt sie nach'einer Vorbemerkung über die Quellen, die wir über das Leben Bechaji b. Josef's haben, in 6 Abtheilungen, nämlich 1) Bechaji und seine Zeitz 2) die ethische Literatur von Bechaji; 3) Bechaji's Werk; 4) Die hebräischen Uebersetzungen dieses Werkes;" 5) Fragmente der Josef Kimchi'schen Uebersetzung; 6) Die Venezianer Ausgabe. Zu Nr. 1 sucht Hr. I. zu ermitteln, daß dieser Sittenlehrer aus Saragossa war und in der 2. Hälfte des 11. Jahxh. gelebt, und ist auch beides gerade nicht neu, so ist doch hier der Beweis weniger äußerlich geführt. Was die Schreibung des Namens anlangt, so sagt er Anm. 1 schon ganz richtig, daß die gewöhnliche Aussprache Bechaji unrichtig ist; indeß ist wahrscheinlich Bachji auch unrichtig. Dieser Name scheint aus Abu Jachja durch eine gewaltsame Zusammenziehung entstanden zu sein, wie bekanntlich Abu in Bu, B' zusammenschmilzt; diesem nach müßte Bachja----Abujachja Bujachja u. s. w. ausgesprochen werden; das vn* läuft hinten eben so aus und wird doch Jachja ausgesprochen. Vielleicht wird eben so ausgesprochen, nämlich Hä ja. — Schön entwickelt'Hr. I. die dreifache Richtung, welche sich zur Zeit B.'s geltend gemacht und wir erlauben uns die betreffende Stelle darüber Herzustetten. „Klarer liegt uns die Zeit vor, i n der Bechaji thätig gewesen ist. Er bewegte sich in einer Zeit, die drei Richtungen vertrat. Die eine wies jede Forschung zurück, wollte sich mit.der. Philosophie nicht befreunden und konnte sich nicht dazu verstehen,, den Glauben^ oder vielmehr die Werkthätigkeit mit der vergeistigenden Macht der Vernunft in Einklang zu bringen. Ein Repräsentant dieser Partei antwortete ihm : ]V>yn D}pD3'niDyn rfcpn (Einleitung). Gegen diese Partei polemisirt der Verfasser, indem er erzählt, daß ein Gelehrter, der über ein seltsames Problem, über Ehescheidungen, gefragt worden war, zur Antwort gab: Du fragst mich über Etwas, dessen Nichtwissen uns nicht, schadet; kennst du denn jene Gebote, denen du dich nicht entziehen kannst? Dieser Partei gegenüber hob Bechaji die innerliche Seite des Judenthums, die Besserung des innern Menschen hervor 4). Die zweite Richtung bildete das Extrem der erstern. Sie setzte sich nicht blos über alle Formen des Glaubens, über jede Werkthätigkeit hinweg, sondern ließ, auch den moralischen Menschen zu Grunde gehen, betrachtete die Wahrheit als ein 'schweres Joch, das unbequem ist (Einleitung: IN rmjaa pp. b ni-QN.- Diso ncara PP? tpn n? ud» nn^n) > und wenn Jemand sich auch der Erforschung des Gesetzes hingab, so geschah es mehr im destruktiven Sinne und um sich bei der unwissenden Volksmenge Ansehen zu verschaffen (ibid. n^nn noDrD pyb dhd nb-waT im) npjwi.pNn 'ey bxx üan. la >npw aaib .jonD/sin rapv-N^. np-i?N-»niinn. tho new bs*w aw 'h itvrö nbyö). Die dritte Richtung, der Bechaji angehörte, verband das Wissen mit dem Glauben. Drei Wegweiser führten sie auf den Weg der. richtigen Erkenntniß,, oder, um ein Bild Bechaji's zu gebrauchen, durch drei Pforten zog sie in das Reich der Lehre ein: es sind dies 1. die eigene Forschung und Untersuchung; 2. mrOT die heilige Schrift; 3. rtapn, die Tradition. Selbst bei der Ausübung solcher Gebote, deren Grund uns nicht eiirleuchtet, forderte diese Richtung die Freudigkeit des Herzens und die Lust des Gemüthes an der Ausübung (idiä. O njn Tiy-pl cnwyb WDiri pm abn 'psna.-pN o njob^n ab onaxn. DH1N btyth )nb -rr.Nrn). ' Nachdem wir die Zeitverhältnisse Bechaji's in Umrissen vor uns haben, wollen wir uns näher mit seiner Persönlichkeit bekannt machen. -Er ist eine der liebenswürdigsten Persönlichkeiten unter den spanischen Gelehrten. Ein Mann der Wissenschaft, der sich mit dem ganzen Kreise des damaligen Wissens: mit der Naturwissenschaft, den philosophischen Hilfswissenschaften,, wie Mathematik, Astronomie, Tonlehre und der Metaphysik5), beschäftigt, die Wissenschaft aber von dem Gesichtspunkte auffaßt, daß "sie'.zur 4) Dieser Umstand bestätigt die Vermuthung, daß Bechaji in Saragossa gelebt habe, da aus Salomo ben Gebirol's Gedicht ijhji \snp3 ina (LB. des Orient 1843. Col. 805) bekannt ist, daß die Saragoffaner den Jüngern der Wissenschaft nicht hold waren. ,5) Es sind dies, wie er sie selbst am Anfänge seiner Einleitung nennt: ^L*Ado)| JIä , L-U unb

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