Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 41 (8.10.1846)
- Date
- 1846-10-08
- Page
- Spalte 649-650 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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650 640 Studien. Antignostmsmus. — Kurze Anzeigen ihn, daß er ihnen die Ruhe und den Frieden sichern und die Völker vor ihnen zum Gehorsam bringen werde. Will mau aber nothwendig hierin eine gbistig-religiöse Beziehung gelteü lassen und die „Ruhe" auf den Frieden in der Religion und den „Gehorsam der Völker" auf die Uebernahme des göttlichen Joches" deuten; alsdann muß man konsequent diese allegorische Anschauungsweise, wie in dem Schluffe, so auch in dem Anfänge des Verses geltend machen und nicht in der Einweihung des dynastischen Scepters von Jehuda das Anzeichen und die Zeit messianischer Erfüllungen finden. Es bedeutet dann EDA und ppno nichts anderes, als das geistige Uebergewicht und die Anerkennung, die Israel um seiner Lehre und des Dienstes für den Herrn willen wird. Hiernach übersetzt auch der Chaldäer genau: nd?)} -iy mm \dd niddi min1 rvmb und es ist den Begriffen und Hoffnungen auch des heutigen Judenthums noch nicht zuwider, diese Erklärungsweise stehen zu lassen. . (Fortsetzung folgt.) Literarische Analekten. Bemerkung über Mischna 14 des dritten Abschnittes in den Pirke Abot. Als ich neulich die geistvolle Schrift „Gnosticismus tmb Judenthum" durchlas und die schöne Auffassung der Mischna in Abot 'Ei ^."1 — die übrigens in diesen Blättern schon die Anerkennung eines sehr kompetenten Richters gefunden hat — mich erfreute, stieg in mir eine schon längst gehegte Ansicht über die der erwähnten vorangehenden Mischna von Neuem auf, die das Bild von der Anschauungsweise des R. Akiba in ihrer polemischen Richtung vervollkommnen «nd gewissermaßen als eine Bekräftigung der von H. Gr ätz aufgestellten Erklärung gelten kann. Die der von H. Grätz erklärten Mischnaunmittelbar vorhergehenden lautet: s^in ■ öv^n ofe 'fioruay Mn ‘idin rpn (N^pv ^-i) mw n^n Dipri; D'n <)xyw b$ni2n pDn 'di n"1? dm D\n d)pzh nm lumpw cn1? njnu 'di man nrb;nw pDn Ich glaube, daß dieser Ausspruch des R. Akiba auch eine polemische Tendenz habe und ein'Argument gegen das apostolische Christenthum sei. Paulus, fast ein Zeitgenosse des R. Akiba, vindicirt ganz deutlich dem Christenthume, dem alten Bunde gegenüber, den höhern Standpunkt der christlich Gläubigen als Kinder Gottes, während im alten Bunde nur der Gesichtspunkt des Gesetzes und des knechtischen Gehorsams fest gehalten wird. (Epistel Pauli an die Galater Kap. 4. V. 5, 6, 7, und ganz vorzüglich 24, 28.) Diesem dem alten Bunde gemachten Vorwurfe tritt nun R. Akiba . in dieser Mischna polemisirend entgegen. Nachdem er in allen Menschen die höhere Wurde als im Ebenbilde Gottes geschaffen anerkennt und dieses als die Meinung und den Standpunkt der Schrift mit einem Belege aus der Schrift beweist, so muß die Bevorzugung Israels — die in der jüdischen Anschauungsweise jener Zeit als unverfänglich und unbestritten gelten mochte — darin bestehen, daß die Israeliten sich als Kinder Gottes, nicht als Knechte — betrachten und er beweiset zugleich den Standpunkt der Kindschaft im Gesetze mit einem Belege aus dem Gesetze*) 'rh DON*. Ist aber der Standpunkt der Kundschaft im Gesetze nachgewiesen, so ist die stärkste Spitze des-Einwurfes gegen den Standpunkt des Gesetzes im Allgemeinen gebrochen und die Tora kann als rf!E>n bezeichnet werden. Der Mittelpunkt dieser Mischna dürfte also das pIDN UPM ifropjiy sein, und die Hauptabsicht dabei die polemische Richtung gegen die Anhänger Christi, die, um ihre eigene Lehre zu erhöhen, diesen höhern Standpunkt im alten Testament nicht anerkennen wollten. Der Talmud selbst bringt uns übrigens eine Erzählung, in welcher eben derselbe R. Akiba mit dem im Talmud oft genannten vQN DJTID gerade über diese Materie eine Disputation hatte, ob nämlich Israel nach Angabe der Schrift sein Verhältniß zu Gott vom Standpunkte der Knechtschaft oder der Kindschast aufzufassen habe. (Baba Batra 10 a.) Gegen diese Auffassung des Judenthums, die wohl von den streitliebenden Judenchristen am meisten urgirt worden sein mochte, ist der Ausspruch des R. Akiba in der angeführten Mischna gerichtet und wir hätten also zwei Mischnajot neben einander gestellt, wovon die eine polemisirend gegen das apostolische und die andere gegen das gnostische Christenthum gerichtet ist**)., Dr. M. Dreifuß, in Groß-Kam'scha. Kurze Anzeige«. 45) j/wnD n’N“r&N snto (hebr. mm 'd mmWl nimri. System der Moral von R. Bechaji bar Josef; nach der von Jehuda Jbn Tibbon aus dem Arabischen gefertigten Uebersetzung nebst einem kurzen (hebr.) Kommentar herausgegeben von Ist B enjakob aus Wilna. Mit einer deutschen Einleitung und *) Nach dieser Auffassung ist auch die Frage des N. Lipman in niLD DP DDDin beseitigt. 1 Dieser findet auffallend, daß Rabbi Akiba sich nicht auf den frühern Vers nDD \D (2 B. M. 4, 23) beziehe»; (vergl. Aboda Sara 3 a, worauf Lipmann hätte Hinweisen können.) allein Akiba wählte geflissentlich diesen Vers, um aus dem Gesetze selbst — und nicht aus einer historischen Relation — den Standpunkt der Kundschaft nachzuweisen. — ”) Man vergleiche übrigens meinen Aufsatz im 233. des Orients vom Jahrgange 1843, Nr. 13, wo ich ebenfalls den Ausspruch des R. Akiba in der Mischna am Ende des Trakt. Joma 'ei D» als polemisirend gegen die christliche Taufe aufgefaßt habe. — mmmm mmmammamsM