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Der Orient · 1846-10-08 · 41 (8.10.1846) · p. Spalte 647-648

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
41 (8.10.1846)
Date
1846-10-08
Page
Spalte 647-648 (sequence 4)
Language
German
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647 Studien. Der Messiasglaube und dessen Begründung im Judenthume.. 648 kenntniß genannt wird und der Genuß seiner Frucht sündhaft und verboten ist. Denn die That der Sünde ist der Durchgangspunkt für den Menschen, um durch ihn zur selbstbewußten Unterscheidung Wischen dem Guten und dem Bösen zu' kommen. . Nicht als ob wir meinten, die Schrift fordere von dem Menschen die Ausübung der Sünde und finde sie nothwendig für ihn, sondern die Schrift spricht die Wahrheit und die alltägliche Erfahrung an jedem Menschen aus, — denn rein und sündenlos ist nun einmal, selbst nach dem Bekenntnisse der Schrift, keiner der sterblich Geborenen. Nicht also, daß der Mensch sündigen, in der Sünde gar beharren solle, sondern im Gegentheil soll ihm diese zur selbstbewußten Erkenntniß und wie wir sagten, der Durchgangspunkt werden, um durch ihn zum wahrer!., objektiven Wissen vom Guten und Bösen zu gelangen. Das bedeutet die „Feindschaft" (K. 15), die-keine erst in ferner Zukunft entstehende sein wird, sondern welche schon in der nächsten Gegenwart ihren Anfang nehmen soll. Zu dieser Erklärung zwingen uns schon die Worte: „zwischen dich und das Weib", welche die Zulässigkeit einer späteren, weithin gelegenen und zur vermeintlichen Erfüllung gekommenen Erlösung unmöglich machen. Es widerspricht also jene andere Erklärung christlicher Exegeten geradezu dem Texte. Einen andern Beweis hierfür haben wir auch noch, wie angeführt, in dm Schlußworten des Verses: „und du sollst ihn in die Ferse beißen". Wegen dieser nämlich geht es unmöglich in den ersten : „er wird dir den Kopf zertreten" an den endlichen und zwar vollständigen Sieg des Menschen, über die Sünde zu glauben, indem jene der Sünde immer noch eine Macht zuerkennen. Es ist also nicht der Sieg durch jene „Feindschaft", von der die Schrift spricht, ausgedrückt, sondern der Kampf des Menschen mit der Sünde, der von dem ersten Genüsse der verbotenen Frucht seinen Anfang nehmend und in dem der folgenden Geschlechter fortdauernd dargestellt wird. Diesen Gedanken und Sinn des Werkes drückt auch die Schrift deutlich in dem Worte aus, dessen Grundbedeutung ist: nach etwas trachten. Wir dürfen deshalb nicht übersetzen: er wird zertreten rc. unö du wirst beißen rc., sondern er wird dir den Kopf zu zertreten und du wirst ihn in die Fersen zu beißen trachten. An eine messi'anische Erlösung 'von der Sünde, dazu noch im christlichdogmatischen Sinne des Wortes kann also hier am wenigsten gedacht werden. Diese Stelle der Genesis führt als die erste der H. S., welche eine Hindeutung auf den Messias enthalten soll, in der christlichen Kirche den Namen Protevangelium, welchen dieselbe jedoch unserer obigen Darlegung zufolge nicht verdient. Eben dahin gehört auch die zweite messianisch gedeutete Stelle der H. S. an Gen. 27, wo durch die Ergänzung des nD' als Subjekt zu die durch den Gesalbten des Herrn später herbeizuführenh-e Anerkennung des wahren Gottes seitens aller von Iafet aHstamrnenden Völker und deren Ueber- Lritt zu der göttlichen an Sem d. n Israel offenbarten Religion angedeutet worden soll. Der Tradition und dem wahren Verständnisse zufolge ist aber das vorhergehende qv&N Subjekt und soll hier nur mit anderen Worten gleich V. 26 der v»n Sem verehrte Gott als der wahrhafte gepriesen werden, wiesln j.yjj i.-p) der Schluß dieses Verses sich wiederholt. Eine andere Stelle ist Gen. 12, 3 und ähnlich damit ibid, 22, 18, wo der Segen Gottes an alle Völker so verstanden wird, daß das Gottesbekenntniß Abrahams und des israelitischen Volkes das universelle Eigenthum aller Volker werden würde, — der' Segen und das Hauptkriterium messi'anischer Zeiten. Es ist wahr, das Wortverständniß widerspricht dieser Erklänmgsweise nicht so sehr, daß sie ganz unmöglich wäre; aber dieselbe ist auch weit entfernt, die Nothwendigkeit oder nur Wahrscheinlichkeit des Zusammenhangs für sich M haben. Zwar könnten 12, "1: pN*n ■ “jb und deutlicher noch der Zusatz 22, 18: ^p^ nyD&y ‘‘i&SW Dpy eine innere, geistig.-religwse Beziehung zulässig machen; aber die materiell-physische Bedeutung des vorigen Verses (12, 2) läßt <utch hier und an der ihr ähnlichen Stelle 22, 18 die Wirklichkeit einer solchen vermuthen. Alle alten Erklärer verstehen diese Stellen so, und R a sch i legt denselben als den gesunden Wortsinn geradezu ein ähnliches Verständm'ß wie Gen. 13, 20 unter, worauf er hindeutet. Dazu kommt, daß, wie mc oben andeuteten, der Universalismus in der Messiasidee dem späteren Offenbarungsglauben noch, fremd ist, selbst aber hei den Propheten-nicht die untergelegte Bedeutung hat, gewiß also auch der Gedanke daran in diesen von Abraham und ben Anfängen des Gottesglaubens redenden Stellen nicht gesucht werden darf. Wichtiger als die angeführten ist die Stelle in Gen. 49, 10, wo auch die Tradition (Sanh. 98 b) und die jüdischen Exegeten die Prophezeiungen auf den Messias ausgedrückt finden. Aber man erkennt, wie willkürlich die Annahme des Talmichs (1. e.) ist, nW als nomen. proprium des Messias zu fajfcn; man müßte denn darin eine appellative Bezeichnung feiner Wesenheit erkennen. Auch die Auffassung' des Paraphrasten ist sprachwidrig, der zu als Subjekt ^rp^D ergänz und als abnormen Chaldäismus wie erklärt. Eine gesunde Ex.egese findet, wenn auch eine specielle prophetische Vorausverkündigung, nichts darin, als die Mitteilung an Iehuda, daß von ihm einst der Herrscher Israels entstammen werde, der sich und seinem Volke Ruhe und Frieden (pfrny) und den Gehorsam der Nationen verschaffen wurde, was.durch David und seine Nachfolger in Erfüllung gegangen ist. -nDt *6 heißt nach dieser Erklärung nicht: „er wird nicht weichen" in. dem Sinne von „verloren gehen", sondern:'„es wird der Herrscherstab nicht weichen, d. h. er (Iehuda) wird ihn nicht niederlegen". Vielleicht ist aber auch nicht einmal die Nöthigung zu der Annahme einer solchen prophetischen Verkündigung vorhanden, sondern Jakob sieht in Iehuda's körperlicher und geistiger Stärke dessen Präponderanz über seine Brüder und hat das Vertrauen auf

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