Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 41 (8.10.1846)
- Date
- 1846-10-08
- Page
- Spalte 645-646 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I i 645 Studien. Der Messiasglaube und dessen Begründung im Judenthume. 646 Gott oder Moses gegründet waren, wird hier mit Glauben und Vertrauen. einflößenden Vorherverkündigung die Wiederherstellung Israels, seine Versammlung, von allen Enden der Erde, wohin es die strafende * Gerechtigkeit Gottes zerstreut haben würde, und seine gemeinsame Rückkehr nach demheiligen und gelobten Lande prophezeit, so es nur wieder in Treue gegen Gott und seine Lehre alle die Vorschriften befolgte, nach denen er sein religiöses und politisches, sittliches und sociales Leben bestimmt wissen wolle (2$. 1—5). Eine höhere und vollkommene Sittlichkeit wird jene Zeit bezeichnen, wie die Israel bisher bedrängenden und verfolgenden Feinde, die als solche auch Gottes Feinde und die Widersacher seiner Religion sind, alsdann die strafende Hand des gemeinsamen Herrn und Vaters -er Menschen erreichen wird (V. 6 und 7). Allseitiges und ewiges Glück, das erwünschte Ziel aller Bestrebungen und Hoffnungen der Menschen wird alsdann vorhanden fein als die Erfüllung der göttlichen Verheißungen und die Folge beständiger Sittlichkeit und Anhänglichkeit Israels an Gott und feiner Lehre (V. 8—10). Es läßt sich nicht leugnen, daß hierin die Summe der messianischen Ideen zusammen getragen ist: „Glück und Seligkeit wird dem Menschen nur um ihrer vollkommenen Sittlichkeit und Frömmigkeit willen, durch die Beachtung und Befolgung der göttlich-offenbarten Lehren und Vorschriften, und ist der himmlische Lohn, wie die. natürliche Folge dieser. Auch hat Israels Dasein nur Bestand und Bedeutung in der Erhaltung der von Gott offenbarten Lehre und Festhaltung daran, und die verkündete Auflösung seines Reiches, seine Vertreibung aus dem Lande, Zerstreuung unter die Völker und somit Vernichtung seiner volksthümlichen Selbstständigkeit werden Folgen seines sündhaften'Handelns und seine göttlichen Strafen hierfür sein. Aber Israels Forterhaltung ist nothwendig um seiner Lehre willen und durch die Gnade Gottes und Israels Rückkehr zu ihm werden bessere Zeiten kommen, wo höhere Sittlichkeit und der ewige Segen Gottes es beglücken wird". So vollkommen jedoch auch hierin das Wesen der messianischen Hoffnungen und Ideen ausgedrückt ist, das Hauptcharakteristikon, worin sich die prophetischen Verkündigungen des Messias bewegen , fehlt ihm dennoch: der Universal! smus, d. i. die gemeinsame Anerkennung des einen Gottes ünd Befolgung seiner Lehre von allen Völkern, — und Vte Anknüpfung der Messiasidee an eine ein zeln e, indivtdueUe Persönl ichkeit. Was den'ersteren betrifft, so war es im Anfang der Offenbarung, welche Gott für sein durch Sünde gefallenes Menschengeschlecht veranstaltete, vorerst darum zu thun, sie der Hand , ei n es großen Volksstammes anzuvertrauen, um sie an sich zu bewähren und von da ab den andern Völkern zur selbstbewußten Annahme zu überliefern, und erscheinen darum schon in dieser messianischen Verkündigung des Pentateuchs die außerisraelitischen Völker weniger berücksichtigt.' Andern Theils ist selbst der Universalismus der Propheten kein solcher, welcher, sich in die Ideen und Tendenzen eines' gewöhnlichen Humanismus auflöst, sondern es geschieht, was.wir später weitläufiger zeigen werden , , der übrigen Völker und um Israels und seiner. Lehre willen Erwähnung. Und' was die Idee eines persönlichen Messias angeht, so ist eben hier aus der Offenbarung Gottes der deutlichste Beweis, wie wenig diese das HauptcharakLeristikon des ganzen Dogmas bildet, und aus'der späteren Deduktion wird es uns auch klar werden-, wie wenig es dieser Idee zukommt, als die Hauptseite des Ganzen hervorgekehrt zu werden, und wie mehr untergeordnet ihre Stellung auch in der '.Ansicht und Darstellung der Propheten vom Messiasglauben ist.j Wir haben schon bemerkt, daß wir diese Stelle des Deuteronomiums für die einzige im Pentateuch halten, in welcher die Messiasidee deutlich ausgesprochen ist, und von welcher man mit Sicherheit annehmen kann, daß sie dahin verstanden werden muß. Wegen unserer hierin gesonderten Meinung halten wir es für Pflicht, auch die übrigen Stellen der Bücher Mosis, welche nach jüdischer oder christlicher Exegese eine inessianische Deutung erfahren haben, an diesem Orte einer' Besprechung zu unterwerfen und unsere abweichende Ansicht und Erklärung dabei kund zu geben.. Die erste dahin bezügliche Stelle ist die an Gen. 3, 15. Zwar ist sie es auch nur nach christlich-dogmatischer-Deutung')- wonach man Ziesen ganzen Abschnitt von der fortvererbten Sünde des ersten Menschenpaars auf alle folgenden Geschlechter zu verstehen glaubt und in diesem Verse den endlichen Sieg des Menschen über die Sünde angedeutet findet, welcher durch den Messias und in ihm vollbracht sei. „Feindschaft will ich setzen zwischen dich und das Weib" w., die, wenn man die Schlange als die verführerische Lust zur Sünde und das Weib als die dafür empfängliche Leidenschaft im Menschen versteht, durch den Menschen selber, als dev Sünde ewig unterlegen, nicht zu Stande kommen soll und ihn deshalb der göttlichen Erlösung bedürftig macht. Er(derSame) wird dir das Haupt zertreten" als ein Ausdruck jenes endlichen Sieges der zukünftigen Geschlechter über die Sünde, die aber der christlichen Ansicht und Erklärungsweise entgegen in dem folgenden apy nnw als eine fortdauernde und den ewigen Kampf mit ihr hervorrufende bezeichnet wird. . Aber es ist deutlich, daß diese ganze Auffassung der mythischen Erzählung vom Sündensall des ersten, Menschenpaars in der christlichen Kirche falsch von der sogenannten Erbsünde des Menschengeschlechts verstanden wird, wonach der Mensch durch die Geburt schon eine Verschuldung und sonach schon eine göttliche Erlösungsbedürstigkeit mit sich bringe. Vielmehr soll hierdurch nur die Wahrheit an den Tag gelegt und ausgedrückt werden, daß dem Menschen durch das erste Kosten von dem Baume der Sünde und des Bösen die Sünde zum Bewußtsein kommt, weßhalb jener auch ein Baum der Er- *) Eine messianische Deutung des Mosis findet sich auch Targ. Ion. und Hieros.; jedoch gezwungen und ohne Zusammenhang mit dem übrigen Inhalte der Erzählung. 41 *