Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-10-08 · Heft 41 (8.10.1846) · p. Seite 322

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 41 (8.10.1846)
Date
1846-10-08
Page
Seite 322 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360460--5630-3532611
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

322 machen gegen die Reformen nicht billigen könne. Man möge vielmehr, meinte der begeisterte und begeisternde Redner, dir vom angestammten Glauben ihrer Väter (mehr oder weniger). Abweichenden ruhig ihren Weg gehen la ssen, und - ihr böses und gottloses Treiben werde sich schon selber richten.. ./Jenseits der Netze scheint man jedoch anderer Meinung zu-sein. Gut. Sollten die dortigen Rabbiner mit ihrem „Sturmlaufen" Etwas a us zur.i ch ten.vermögen, so wird man dem Städtchen Schncidemühl, wie vor nicht zu langer Zeit in der „Reformationsgeschichte der christlichen Religionen" nun auch in der „Geschichte des israel. Glaubens" ein besonderes Konto einräumen muffen. — W. Oe st e r r e i ch. ' Wien, 28. Sept. (Ein jüdisches Leichenbegangniß in Wien.) Am 24. d. M. bewegte sich über den Stephairsplatz, den Graben und die Freiung ein Leichenzog dem Schotlenthore zu. Gedämpfter Trommelschlag, dazwischen tief tönende Posaunen, Bürgermilitär, angeführt vom Hauptmann Wallnöfer, begleiteten einen Sarg, auf dem Hut und Degen ein mit drei goldenen Ehrenzeichen geschmückter Ossizierrock lagen.' Wir sehen in der Residenz oft ähnliche Leichcnzüge, ohne ihnen eben größere Aufmerksamkeit zu zollen , der eben geschilderte nimmt sie durch einen besonderen Umstand in Anspruch. Der Todte war Herr Emanuel Eppinger, ein Jude und B ü r g e r h a u p t m a n n in einer Stadt, wo jener nach den bestehenden Normen nur tolerirt ist und nicht die Rechte eines Bürgers genießt. Die ihm von zwei Monarchen Oestreichs und dem Magistrate/der & k. Hauptstadt verliehenen Dekorationen erklären uns den Widerspruchs und es freut uns, sagen zu können, daß das Verdienst des Tobten nicht wie so oft von dem begleitet war, was man den Verdienst nennt, oder jenes nur ein zufälliger Begleiter von diesem ist. Die am Lebenden geehrte Tugend war ein patriotisches Herz, eine innige Liebe zu seinem Vaterlande. Es war aber keine einzelne That, die aus rasch aufloderndem Blute entspringt, oder nur eine'Thar, die ihm Auszeichnung und Achtung erwarb, es war die fortgesetzte Aufgabe seines Lebens, das ihm inwohnende Gefühl der Vaterlandsliebe nach Außen hin lebendig werden zu lassen, nicht in Erwartung irgend eines Gewinnes, vielmehr mit Wagniß des Lebens, mit Opfern von ihm eben nicht reichlich zugemeffenen Vermögens. Den 16. Oktober 1768 in Wien geboren, trat er im Jahre 1806 als Gemeiner in das zweite Bürgerregiment, und wagte mit Gefahr des eignen Lebens während des-französischen Einbruchs die Rettung einer Kanone. Im Jahce 1811 wurde er zum Offizier befördert und im Jahre 1813 widerfuhr ihm die Ehre, vom k. k. Hofkriegsraihe zu Kouricrritten in das k. k. Hauptquartier verwendet zu werden. Die ihm dafür zugekommenen Diäten wies er für arme Frauen von Land- 7) Die Anwendung der Bibelstelle Deut. 20. 8 auf diesen. Punkt war treffend. wehrmannern an; wie er auch durch rastlose Bemühungen d'eM^Betrag von 11,000 fl. für Hülfsbedürftige aufbrachte. Als'Pächter des Hotels zum römischen Kaiser machte er im Jahre 1809 und 1813 das Anerbieten, den k. k. Militarkourieren und ihrer Dienerschaft freie Wohnung nebst Heizung! und Beleuchtung zu überlaffen. Er beherbergte bis zum i Jahre 1818 mehre hundert derselben unentgeltlich. Im Jahre 1831 wurde, als die Cholera herrschte, die Reorganisirung des Bürgermilitärs anempfohlen, da erbot er sich freiwillig, die fünfte Kompagnie des zweiten Bürgerregiments, die nur noch aus sieben uniformirten Männern bestand, neu zu errichten, was ihm zur vollsten Zufriedenheit des Regimentskommandanten gelang. Zu gleicher Zeit wurde er von der Regierung als Sektionskommiffär ffiir den Sanitätsdienst und im Jahre 1833 zum Hauptmann ernannt. In Anerkennung so mannigfacher patriotischer Bestrebungen wurde ihm im Jahre 1810 die kleine, im Jahre 1836 die große goldene Civilehrenmedaille mit Ohr und Band und im Jahre 1839 die sechsfache Salvatormedaille verliehen. Eine ausführliche Biographie des Hingeschiedenen wird im österreichischen Bürgerkalender, der bei P.ichler inlWien erscheint, enthalten, und ihm gewiß ein Ehrenplatz in einem von Herrn Franz Gr äff er schon wiederholt angeregten Bürgerplutarch Vorbehalten sein. - Er starb am 22. und wurde am 24. d. M. aus dem neuen Friedhöfe für Juden vor der Nusdorfer Linie, wo bereits zwei Hauptleute des Wiener Bürgermilitärs ruhen, ') mit Gebet und Chorgesänge feierlich eingesegnet. Der Religionslehrer der hiesigen Gemeinde, Herr Breuer, sprach eine beziehungsreiche, tief gefühlte Leichenrede. Herr Oberstwachtmerster Sögner, der Herr Kommandant des zweiten Bürgerregiments mit ihren Adjutanten, so wie viele Hauptleute, Oberofsiziere, Chargen und Mannschaft begleiteten den lLeichenwagen, rheils bis zur Nußdorfer Linie, theils auf den: Friedhof selbst. \ (S. SS.):-.; : St. Nicolau (Liptautt Komitat), 26. August. (Beschluß.) Wie cs indiesem .Eirkutare ausdrücklich' bemerkt wird, ist dieser hoheBeschlrlßuttabhängig'von den früher gepflogenen Verhandlungen über die Tilgung der Restanten, (S^r. 15. 16. d. B.) und jeder sonstigen | Jutervenirnng, sondern: ,,unmittelbar freier Ausfluß königl./Wumisizenz und Gnade". *) Herr Markus Offenyeime r und Moritz/^L/ea d-e sdo rf, Schwager des seligen Vertreters der chiesigen^iäraelitischen Einwohner I. Ritter von Liebend erg. Die Mittheilung der geachteten Wiener Zeitschrift, daß Herr Eppinger dcr einzige Bürgerofsizier isr.relitischer Religion in Wien gewi sen, müssen wir durch die Angabe berichtigen, daß der Bruder des Verstorbenen, Herr Leopold Eppinger, und der Direktor der k. k. Nationalb.nk, Herr Sigmund Edler von W er (heim stein, jubelirte Oberstlieutenants, und der Mal.r, Herr Groß, Lieutenant im hiesigen Bürgermilitär sind; die' Mannschaft selbst zählt eine micht > unbedeutende jAnzahl Juden in ihrer Mitte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.