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Der Orient · 1846-10-08 · Heft 41 (8.10.1846) · p. Seite 321

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 41 (8.10.1846)
Date
1846-10-08
Page
Seite 321 (sequence 9)
Language
German
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321 gen Resultate gekommen. Denn wenn auch am 27. v. M. in der (gewiß dem größten Ehest der Leser dieses Blattes nicht einmal dem Namen nach bekannten) Stadt Grätz sechs bis acht Männer 3) zusammen gewesen und einen Tag lang gelehrte Dispute mit einander gepflogen haben, so ist dies doch im Verhältniß zu den so eben skizzirten Vorbereitungen.am Allerwenigsten ein gehöriges Resu ltat zu nennen. Woran liegt's aber, daß bei uns Nichts zu Stande kommen kann? Die Lösung des Räthsels ist. nicht schwer. Es fehlt den Rabbinen und Gelehrten unserer Provinz 1. an Mitteln, 2. an Energie, und ohne diese wie ohne jene, weiß man, läßt sich heut zu Tage Nichts anfangen. Denke man sich z. B. bei der Berliner Genossenschaft die Geldsäcke von Seiten der Mitglieder und die Energie von Seiten der Bevollmächtigten hinweg, und das Gropius'- sche Diorama wäre heut nicht in ein. Bethaus metamorphosirt und die darinnen Betenden (oder Nicht betenden) hätten längst aufgehort einen Verein zu bilden.-Oder lasse man meinetwegen den, vor einigen Wochen zum dritten Mate versammelt gewesenen, deutschen Rabbinern die Unerschrokkenheit und den wenigen, zum Th eil mit ihnen symparhisirenden Gemeinden Deutschlands die S pe n d a b ili tä t fehlen, und das Institut der R.-V. wäre längst eine Leiche, um welche, beiläufig gesagt, jetzt noch nach dem alten Ritus getrauert würde; — der zweite Tischri blickte heute nicht mit Stolz auf seine Brüder, die andern zweiten Festtagen herab, und manches Oktavpredigerlein und manches Duodezrabbinerchen in Germania's Gauen zerbräche sich jetzt nicht den Kopf über die wichtige Frage: „Werden wir uns im Juli oder August k. I. wirklich an den lieblichen Usern des Neckars bene thun können, oder werden wir verurtheilt sein, die schöne Sommerzeit im langweiligen Kreise unserer Gemeinde zuzubringen." Wie gesagt, ohne Energie und ohne Mittel läßt sich heut zu Tage Nichts unternehmen, und das, tbeurer Leser, ist es eben, was bei unfern Rabbinern nicht zu suchen ist. — Gesetzt aber auch, sie besäßen Beides im Ueberflusse, so möchte ihnen doch eher ein „ruhiges Verhalten" denn ein „geräuschvolles (opponirendcs) Auftreten" wie's der Schneidemühler Rabbi vorgeschlagen, zu empfehlen sein. — „Warum aber?" höre ich von vielen Seiten fragen. — „Warum sollen unsere Rabbiner schweigen, wenn Alles redet?" — Auch das, freundlicher Leser, will ich Dir sagen, indem ich auf Deine Diskretion rechne. Siehe, wenn irgendwo, so haben bei uns, trotzdem noch der überwiegende Ehest unserer Juden, der stabilsten Orthodoxie angehört, die alten Rabbinen an Autorität und Ansehen verloren, 4) 3) Der bereits erwähnte Literat Kalischer aus Thorn hat auch nicht gefehlt. 4) Der sogenannte „Linke" will vom Rabbiner gar Nichts wissen, während sich der Orthodoxe, wenn er etwas Mischna und Gemara inne hatschon über den Rabbiner und das Bischen Achtung, das ihnen noch hie und da gezollt wird, das haben fle. einzig und allein, der im Volke herrschenden Pietät gegen das Alter (jüngere Rabbiner giebt's im Großherzogthum nur sehr wenige) zu verdanken. Diese Pietät würde aber auch schwinden, sobald unsere Rabbiner. nach Art ihres „Schneidemühler Kollegen" aus dem alten Gteise heraus und der mächtigen Bewegung der Zeit hemmend in den Weg treten wollten.5) Das „Schweigen zu Allem" das „Sichgehenlassen" und „alles Andere gehen ", das sind bei vielen unserer Rabbiner, wenn ich so sagen darf, die Grundpfeiler ihrer.Existenz. Hat aber ein Haus morsche Stützen, so'fallt jenes, sobald an diese du rüttelst — Sapienti sat. — Wir können jedoch unfern Bericht nicht schließen, ohne zuvor noch einmal auf die oben erwähnte Gratzer Miniatursynode zurückzukommen. Dieselbe ging so geräuschlos, ja, ich möchte sagen, so g e h e i m n i ß v o l l vor sich, daß sie selbst im Großherzoglhum erst bekannt wurde, nachdem die Rabbiner rc. schon wieder abgereist warew; und wäre-Fama in solchen Angelegenheiten nicht allzugeschäftig, wer weiß, ob wir hier dann schon den Tag darauf von dem wichtigen Ereignisse Kunde erhalten hätten. Was aber das Resultat jener Duodezversam mlung, haben wir auch bis jetzt noch nicht erfahren. — Unser Herr O. - R. hat an der Versammlung persönlich nich t Antheil genommen. Wie denkt er aber überhaupt? Ist er mit dem Treiben seiner Kollegen einverstanden? Oder ist ec dagegen? Ja, das weiß Keiner. 6) — Da ist unser Herr Pleßner ganz anders. Er ist offen. In seiner Predigt am Sabbat 'g hat derselbe so deutlich als nur irgend möglich zu erkennen gegeben, daß er das stürmische Oppositionzu stehen wähnt. — Exempia sunt odiosa. Sonst konnte ich viel erzählen. — Doch ein andermal. 5) Etwas Anderes wär's freilich, wenn sich unsere Rabbiner der Frankel'schen T.-V. anschließen wollten; dann würde man nicht nur ihren Schritt billigen, sondern ihnen auch von allen Seiten hülfreich entgegenkommen. Denn der Oberrabbiner zu Dresden steht selbst bei den Bigottesten unter unfern Brüdern in bestem Kredit. — In unferm Berichte Nr. 30 des Orients sprachen wir die Hoffnung aus, daß sich recht viele Gelehrte unserer Provinz um Frankels Panier schaaren würden; aber wir müssen nun zu unserer Schande gestehen, daß wir mit jener Hoffnung, noch mehr aber mit der Aeußerung derselben zu voreilig gewesen. — Ehre den HH° Dr. Hirschfeld in Wöllstein und D. H Joel in Schwerfens (Siehe 31 u. 37 d. Bl.) 6) Gestern hatten wir mit vielen Andern erwartet, der Herr O.-R. werde in seiner Derascha, die er in der „Neuen Schule" hielt, Veranlassung nehmen, von den gegenwärtigen Bewegungen im Judenthume zu sprechen, und seine Ansichten über Dies und Jenes an den Tag zu legen; allein wir haben uns sehr getäuscht. Herr Eger hielt einen 2£ Stunden langen, rein philosophischen Vortrag (über das Dasein Gottes, die Einheit Gottes rc.) ohne die Gegenwart mit ihren, das Judenthum betreffenden „Fragen^ auch nur im Entferntesten zu berühren. — Vielleicht Sabbat Schuba in dar „Alten Schule." — Wir wollen sehen».

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