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Der Orient · 1846-10-08 · Heft 41 (8.10.1846) · p. Seite 320

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 41 (8.10.1846)
Date
1846-10-08
Page
Seite 320 (sequence 7)
Language
German
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320 Rabbiner mit Recht beansprucht, obgleich es ihm an Zeugnissen hierüber nicht mangelt/ besitze, wissen wir nicht, da er keinen Chilluk , wie ihn die bisherigen Kandidaten hielten, vertrug; jedoch ist weniger ihm, als vielmehr der ausgeschriebenen Vakanz, die ctitcn s olchen Vortrag nicht zur Bedingung stellte der Fehler, wenn die Bedingung sonst dieses Prädikat verdiente, beizumesscn. Am Sabbat Teschuba hielt der RabbinatS-Kandidat F r i e d m a n n ans Breslau, ein Schüler Vormittags eine Predigt, im wahren Sinne des„Wcc-" tes, und Nachmittags eine literarische AbhandluEÄÄ die Entstehung der jüdischen Homiletik, dann einen ChiÜttk. Die Predigt war eine wirklich durchdachte und gut gegliederte und sogar ihrem Inhalte nach, eine gediegene, aber das zündende Feuer mangelte ihr und dem Redner Lebendigkeit; man merkte es wohl, daß der Vortrag ein bmn war, daher ließ er die Herzen der Zuhörer kalt, und die anregenden Worte zur rown waren in den Wind gesprochen. — Am Schlüsse des Nachmittagsvortrages . bemerkte Herr F. sehr naiv: .daß er nur der Zeit angemessen 'Vormittags gesprochen, man wundere sich daher nicht über die Mittelmäßigkeit nn.’inn" > sehr geistreich I Man sieht doch, daß Raschi's Beispiel auch treffend angewendet werden kann.— Posen, 20. Septbr. Jauchze Israel , frohlocke Haus Jakobs, denn der Sabbat, der gute alte Sabbat — er ist nicht gefallen,, er ist-seinem nächsten Nachbar und schrecklichsten Rivalen (dem stattlichen Ritter Sonntag) nicht geopfert. Noch lebt sie, deine theure, innigstgeliebte Bra ut, für deren Dasein in diesem, nun bald abgelaufenen Jahre, und besonders in den schweren Tagen vom 13—24 Ju l i, wohl Mancher unter deinen Söhnen mag gezittert haben; — das großartige Drama in Schlesiens Hauptstadt — es ist nicht zur Tragödi e geworden; denn sie, die Heldin des Stücks, sie hat — obschon sie auch so manche Beule, so manche Strieme davontrug — doch das Leben, das theure Leben, behalten. — Der Vorhang fiel —das Publikum klatschte und heim kehrten die Kämpfer für Licht und Wahrheit (?), die Streiter für Lehre und Leben — heim kehrten sie, Jegli- ‘ cher in seinen Gau, Jeglicher zu seinem Heerd. — Und auch er, der gute Sabbat,, auch er ist wieder heimgekehrt in die Arme seiner Freunde — an das Herz seiner Verehrer — und die Narben, so ihr aus seinem Angesichte schauet, — sie entstellen ihn nicht; nein, sie zieren ihn — zieren ihn, wie einen Veteranen aus dem ander, regime. — " Doch wozu derlei Betrachtungen? Ueberlassen wir das einem sentimentalen Korrespondenten des Zionswachters und wenden uns lieber zu unserm eigenen Heerde, um zu sehen, wie es bei uns, in unserer Provinz aussieht, und was d a Neues und Interessantes giebt. — Du täuschest Dich lieber Leser, wenn du glaubst, daß bei uns Alles noch still und regungslos, wie ehedem — daß man bei uns noch immer nur gleichgültig und theilnahmlos dem Tr e i b en And er er zusi'eht, und hört, was Andere von Andern erzählen, nur liest was Andere von Andern berichten, selber aber unthätig ist, müßig die Hände in den Schoß leget und gemächlich und sorglos auf dem Divan der Gewohnheit ausruhet. — Nein, so arg ist es nicht. Auch bei uns ist es rege geworden, der mächtig tonende Ruf der Zeit, auch zu uns ist er gedrungen; das großartige Phänomen am Himmel des Judenthums, auch an unsserm Horizonte ist es sichtbar geworden, und unsere Rabbiner "und Volkslehrer waren nicht blind für diese bedeutungsvolle ^Erscheinung, ihr Ohr nicht taub gegen jene ernst mahnende Stimme. Jenseits der Netze, dort oben im Norden der Provinz, in jenem Städtchen dicht an der westpreußischen Grenze, wo vor noch 2 Jahren in einer andern Konfession mit bewunderns-. werther Energie ein Mann auftrat und gegen das Alte predigte, da ist es, wo sich jetzt unter den Juden grade die entgegengesttzte Erscheinung kund giebt, da ist es, wo jetzt unter Jakobs Söhnen ein Mann aüftritt, schreiend und lärmend, tobend und wüthend, sprühend Gift und Galle, schleudernd Blitz und Donner gegen Alles, was neu sich nennet. Der Rabbiner zuSchneidemühl (derLeser wird wohl schon errathen haben, daß ich,diesen und keinen andern meine) geht in seinem frommen Eifer so weit, daß er öffentlich erklärt, die Reformer stehen, indem sie das traditkonale Gesetz leugnen, außerhalb des jüd. Bundes weßhalb es unerlaubt sei, sich mit ihnen Zu verschwägern. Um aber dieses Verdammungsurtheil sankionirt zu wissen, ging der gute Rabbi damit um, eine Synode gleichgesinnter Männer zu berufen, welche das eben Angeführte ein als Dekretale feststellen und sich nebenbei (?) auch gegen alle und jede Reform, sie möge ausgehen, von wo sie wolle, sie möge Gestalt haben, wie sie wolle, in Opposition setzen sollte. Schon wurde deshalb mit sehr vielen Rabbinen und Gelehrten-der Provinz lebhaft korrespondirt; schon ist in dieser Angelegenheit, wie es hieß, um Gutachten zu sammeln, ein sogenannter Missionär *) in der Provinz umhergereist; schon hatte man den Talmudheros Malbim, R. in Kempen, so wie den Literaten Kali scher in Thorn ins Spiel zu ziehen gewußt: schon waren im vergangenen Monat 3—4 Rabbiner,* 2) wie verlautete, zur vorläufigen B esprechung, am hiesigen Orte zusammengekommen: schon ist der Mann, der den ersten Impuls zur Anti-Reform-Synode gegeben, in dieser Angelegenheit selber hier gewesen: — aber trotz diesem allen ist es bis jetzt noch zu keinem geh Lri- .. 1) Die Rabbiner des Netzdistrikts haben diesen Kourier für einen ]m€y gehalten; unser O.-R. muß jedoch vom Gegentheile überzeugt gewesen fein, da er ihm, wie hie und da verlautete, seine Papiere abnahm und ihn — Laufen ließ. 2) Wir haben damals vor allen die R^ R. zu Grätz und Schönlanke nennen hören.

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