Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1846)
- Date
- 1846-10-08
- Page
- Seite 319 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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319 stellten' sich 160 Stimmen, gegen und 140 für herarls und indem er nach diesem Sicfiiltat bic Entlassung erwartet, so habe er sich lieber entschlossen , vor der Welt als höchst konsequent zu erscheinen und hat diese Stelle, zu welcher sich keiner gefunden, angenommen. Viele der Mitglieder der RG. glauben selbst nicht, daß das Institut bestehen wird; den Bestand 'im Sinne der Gründung hat man längst aufgegeben; es ist zu einer Lokal-Chebrah herabgesunken. Von einer Bedeutung für weitcreKreise ist keine Rede mehr. -—Die neuzugründende Synagoge, zu welcher bereits ein Platz für 50,000 Thaler gekauft und die Genehmigung der Behörden erfolgt ist, wird, wie verlautet, eine Orgel und einen guteingerichteten Gottesdienst haben, und wenn dies eintreffe, so wird der Refornlsaal in den Augen der Masse, insofern diese doch nur aus das Aeußerliche sieht, sehr im Werthe sinken. Mau wundert sich übrigens allgemein, wie diese „Genossenschaft", die nach ihrem ersten Schreiben ihre Bedeutung für das ganze Jndenthnm träumte, die ihren Einfluß auf die entferntesten Gemeinden mit Pomp verkündete, sn tief gesunken, daß sie mit den engsten Schranken einer der vielen rnsrf§ in Berlin sich begnügen muß, und selbst als muri fo tief gesunken ist, daß sie Studenten und Kandidaten auflesen muß, welche sie leiten und führen sollen. Frankfurt a. M., 25. Sptbr. Auf meine Erklärung in Nr. 253 der O.P.A.Z. und Nr. 38 des Orient, die Autorschaft der Artikel über den hiesigen jüdischen Rcformverein betreffend, versichert der -^-Korrespondent des „Israelit" in Nr. '39 desselben Blattes (vermuthtich auf sein Ehrenwort), cs hätten „fast alle, die sich bei ihm um diese Sache bekümmert, die wunderliche fixe Idee mit ihm getheilt", daß ich den gegen den Reformverein seiner Zeit „in öffentlichen Blättern entstandenen Lärm" — „zum wenigsten m i ttelbar veranlassen Helsen", was jedoch mir, „dem würdigen Manne, vollkommen gleichgiltig sein" könne' und müsse/ Es kann und muß mir allerdings völlig gleichgiltig fein, was hie und da Einer dem Andern in Betreff meiner weißmacht oder von ihm sich weißmachen läßt :— zumal wenn man mir am Ende die Geuugthuung zu geben gezwungen ist , von ungenannten Leutcü'zü^redcn, welche die fix e Idee gehabt, danach-/dasjenige - nur veranlaßt, und zwar blos m i i t 'e l b ä r veranlaßt , ja, im Grunde doch eigentlich nur mittelbar veranlassen Helsen, was ich nach der vorhergegangeneu Behauptung des nämlichen Wahrheitsfreuudes ganz gewiß in eine tcfiimmtc, v o u i h m namhaft gemachte Zeitung selbst geschrieben haben sollte. — Wie weit die ausdrückliche Erklärung eines völlig unbekannten Mannes nöthig war, daß er in der gelehrten Welt weder die Stellung einnehme noch der Achtung genieße wie so mancher Andere, das kann eben sowohl dahingestellt bleiben als die psychologische Untersuchung, wie weit demselben -dazu Glück zu wünschen,^ daß er, seiner Versicherung zufolge, „sich weder unglücklich fühlt noch in einer bekannten oder u n b e k a n xx tenSe elender st i mm ung b esindet". Hiermit vorerst genug der Erörterung mit dem ehrenwerthen, uuö ges u n d en ^-Korrespondenten des „Israelit". L. H. Löwen stein. Krotoschirr, 30. Sptbr. Wenn sich auch bis jetzt, noch keine Notabilitäten, Männrr von anerkannter Gelehrsamkeit und literarischem Ruf durch Anmeldungen um die hiesige Rabbincrsielle bewerben, so haben wir doch nichts desto weniger Ursache mit denen, die sich bisher gemeldet haben, mit Ausschluß Pollach's aus Mähren, unzufrieden zu sein. Es sind dies lauter Männer, die dar Anforderungen der ausgeschriebenen Vakanz entsprechen, und mehr zu verlangen sind wir nun einmal reicht berechtigt. Dr. Crakauer aus Birnbaum, der drei Vorträge, einen am Sabbat vor und zwei am Neujahr hielt, hat sich durch dieselbe den allgemeinen Beifall erworben. Er verstand es zu einem Publikum zu sprechen, aus dessen Gedächiniß die alte Deraschamanier noch nicht verwischt ist, zu einem Publikum, das mit einem Janus-Kopf zu vergleichen ist, dem man weder das gealterte, noch das jugendliche Gesicht rauben darf, wenn er in seiner Wahrheit gedacht werden soll. Crakauer besitzt viel Rednertalent, Klarheit im Ausdruck, und die Gabe, dem steinigsten Midrasch Leben und Geist einznhauchen, besonders aber kennt er das menschliche Herz und Gemüts) und verstehet dasselbe für seinen Vortrag zu gewinnen, wach zu halten und . cs, wenn sich ihm die passende Gelegenheit darbietet, tief zu rühren und zu erschütternso daß selbst unsere graubärtigeu Alten, die sonst das deutsche Idiom , in dessen Geläufigkeit, nicht verstehen, am ersten Neujahrstage zu Thränen gerührt waren. Jedoch ist nicht in Abrede zu stellen, daß seine Vorträge an einer ermüdenden Breite noch leiden. Dieser Vorwurf ist ihm auch schon früher, von einem Berichterstatter aus Posen, in diesem Blatte gemacht worden. Man muß aber auch nicht außer Acht lassen, daß Crakauer noch ein angehender Redner, gleichsam ein Laie in der Rhetorik ist; der in ihm gehäufte Stoff bemustert ihn noch, macht ihn sich dienstbar und halt ihn in einer sehr bedeutenden Subjektivität befangen, wovon ihn aber erst die Zeit wird befreien können. Sein Vortrag gleicht noch einem pflegclosen üppigen Garten der heißesten Zone, in welchem die zierlichsten und duftigsten Blumen, neben stark wucherndem UnOraut dennoch erfreuend gedeihen. Versetzen wir solch einen Garten in einen gemäßigtem Himmelsstrich und er wird eines kundigen Gärtners bedürfen , um dessen Blumen zu erhalten. Auch wird Crakauer hoffentlich mit der Zeit die ihm fehlende Objektivität, welche ihm so sehr anzuwünschen ist, erlangen. Ob C. auch die talmudischcn Kenntnisse, die man an einen 41 *