Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 315 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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hinzu, die Art und Weise, wie eine Gemeinschaft, eine Korporation ihre außergewöhnlichen, öffentlichen Feste, wo sie aus dem angebahnten Gleise ihrer gewohnten Lebensart herauszutrcten gezwungen ist, feiert und begeht, dient zum untrüglichen Gradmesser ihrer Intelligenz, vermag einen genauen, zuverlässigen Aerometer von deren Bildungsstande abzugeben. — Auch überhaupt, die Art und Weise, wie eine israelitische Gemeinde ein. außergewöhnliches, religiöses Fest öffentlich 'begeht, der Grad der Theilnahme, womit deren christliche Umgebung diese Feier begleitet und beachtet, vermag mehr als alles Andere zur maßgebenden Seala der konfessionellen Duldung zu dienen, ist trotz dem Eifern und Geifern schwarzgallichter, fanatischer Himlnclöstnrmer, der gültigste Beweis für das gute Einvernehmen der nebenanwohncnden Religionsgenossenschaften, und was um so mehr, es dient zum schönen ehrenvollen Zeugniß für beide Parteien, für die duldende sowohl, wie auch rückwirkend für die geduldete. Wenn wir die Wahrheit des hier Gesagten auch auf die erwähnte am 5. d. M. hier stattgefundene Einweihungsfeier anwenden wollen, wenn uns die Art und Weise, wie die hiesige Gemeinde diese seltene, in den diesseitigen Kreisen Epoche machende Feier beging und vollzog, zum Maßstabe ihrer Intelligenz und Bildung, und die ungeheuchelte Theilnahme, womit unsre christliche Umgebung diese Feier begleitete, uns zum Gradmcffcv von deren Humanität und Duldung dienen soll, so muß wahrlich das Niesultat der Untersuchung das erfreulichste, befriedigendste und überraschendste sein, und vermag zugleich das schönste Zeugniß nicht nur für die Leiter und Ordner, sondern auch für sämmtliche Theilnehmcr dieses Festes abzugeben. Ich bin weit davon entfernt, die Leser dieses Blattes mit einer ausführlichen Schilderung dieser Feier behelligen zu wollen. Denn eine Detaillirung solcher Festivitäten sind für jeden Anwohnenden, der denselben beigewohnt, nur unnütz und ermüdend, und machen dem fernstehenden Leser kein Vergnügen. Für die Schau- und Geprängelustigen hingegen, deren Erinnerung sich an solchen Einzelnheiten gerne weiden möchte, ward schon von der hiesigen Gemeinde durch ein im Drucke erschienenes, und vor dem Beginne der Feier gratis verthciltes Programm der, Einwcihungsfcier hinlänglich gesorgt. Ich bin daher in dieser Beziehung meiner Referentcnpfticht enthoben. Aber auf das ernste und würdige, ruhige und angemessene Verhalten, aller an der Solenn ität Betheiligten, auf das freudige und freundliche, rück- und nachsichtsvolle Begegnen der der Feier sich anschlief;cutcn nichtjüdischen Bevölkerung, auf das wohlwollende Znvorkonuncn mehrerer selbst entfernten Nachbargemeinden, welche mit besonder« Depntativnen diese Feier beschickten, kann ich nicht umhin hiermit besonders hinzuweifen. - Auch als Glanzpunkt dieses Festes muß ich noch besonders hcrvorhebm, daß der hochherzige, in den Annalen der ungar. Landtage Platz und Namen findende und in unsrem Städtchen eben als Gast weilende Obergcspann unsres Komitates Hr. Baron Anton v. Majthvnyj nebst dem zur Kongregation versammelten hohen Adel und den lobl. Ständen, so wie die Geistlichkeit der Umgegend und die Beamten der königl. Dikasterien und Aemter diese Feier mit ihrer Gegenwart beehrten, und verherrlichten, und nicht nur dem solennen Festznge beim Komitatshause sich anschlossen, sondern auch den ganzen rnchrstündigen Akt im Innern der Synagoge mit ungeteilter Aufmerksamkeit und hohem Interesse begleiteten. — Wahrlich, «mit sah es sämmtlichen Anwesenden an, und Viele derselben äußerten es auch unverholen, wie sehr dieser Akt und der ganze Gottesdienst überhaupt sie erhoben und angesprochen. Nichts ist auch geeigneter uns und unsern Institutionen bei unsern christlichen Brüdern Achtung und Anerkennung zu verschaffen, als dergleichen öffentliche Akte. Solche liefern den besten Beweis,- wie sehr der Jude schon befähigt ist, unmittelbar und selbstthätig inö Staatsleben'einzugreisen, solche zeigen es am Deutlichsten, wie sehr der Jude schon so weit vorgeschritten, sich seinen Mitbürgern gegenüber würdig und würdevoll zu vertreten. Darum schied gewiß auch so Mancher, der wenn auch nicht mit Haß, doch mit Vorurtheil und Mißtrauen in die Synagoge eingetreten, aus derselben belehrt und versöhnt, denn er lernte in dem Juden den Menschen und Bruder achten und lieben. Die wohlgeordnete Rede unsres trefflichen Predigers Hrn. B. Lewinsteln enthielt auch der Momente genug, welche hierauf hinwiesen, und verfehlte auch hierin ihren Eindruck nichts. Von dm Festlichkeiten der Einweihungöfeier habe ich nur noch den zu Ehren unsres allgemein geliebten bereits obengenannten Hrn. Obergespanns angeordneteu und demselben gebrachten Fackelzng besonders zu erwähnen. Die an ihn gerichtete, in ung. Sprache abgehaltene, doch kräftige Anrede erwiederte der Gefeierte in den herzlichsten Ausdrücken, und legte in dieser Antwort Ideen und Ansichien an den Tag, welche gewiß, wenn sie das politische Glaubmsbekenntniß sämmtlicher zu Preßburg versammelt gewesener Väter des Reiches -wären, uns in 1 diesem Lande schon längst eine unsrer würdige Stellung verschafft hatten. Und so schloß auch dieser für die Kultur- und Entwickelungsgeschichte unsrer Gemeinde so bedeutungsvolle Tag .würdig seinem Beginne. — *) Ueber diese Predigt selbst kann ich mich füglich jedes Urtheils enthalten, denn dieselbe wird demnächst im Drucke erscheinen und die Kritik mag richten. Für jetzt nur so viel daß die Reden des Hrn. L. vielleicht auch ein höher gebildetes Publikum, als das unsrige zu befriedigen im Stande wären.