Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 316 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2360092-2360418-2360459--5618-3532591- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- B16 - Wie es das Datum dieses. Berichtes bezeugt , sind mm. bereits einige Wochen seit diesem Tage, vergangen, und ich nannte diesen Tag bedeutungsvoll für die Kulturgeschichte unserer Gemeinde. Doch fragen wir nun weiter, worin das Bedeutungsvolle desselben bestehe, und welch' bleibende Früchte, deren wir uns noch jetzt erfreuen könnten, derselbe gebracht hat? -— Nun es thut mir wirklich. Leid , einem jeden Fragenden die Antwort hierauf, wenigstens für jetzt noch, schuldig bleiben zu müssen. Mauern und Wände haben, wir wohl, doch diese goldverzierten Säulen und architektonischen Kunstfertigkeiten sinken zu bloßen Steinlnassen herab, wenn der Geist, der sie beleben sollwin dieselben nicht eingezogen. .Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt; und diese weiten.Ehrfurcht erweckenden Hallen und kühnanstrebenden Wölbungen wären auch die beißendste Ironie, wenn das spinnenumwobene Heer von Mizwot- Auktionen, Mischeberach's re. noch ihr Unwesen treiben möchten; der grelle Kontrast ist um so schneidenden Außer den von Zeit zu Zeit abgehaltenen. Predigten des Hxn. L. besitzen wir zur Belebung und. Erweckung der Andacht, zur Nahrung und Befriedigung des religiösen Bedürnisses so viel als Nichts; und wenn auch so. manche kleine durch die .Umstände, gebotene, äußere Anordnungen getroffen.wurden, wäre da noch Viel zu bauen, und zu schaffen. Ueb er Haupt stellt sich das Bedürfniß eines, tüchtigen, aber zugleich musikalisch gebildeten Vorbeters immer wehr heraus,, und hoffen wir,■ daß bei der Wahl und Anstellung eines solchen . Individuums der richtige Takt unsere Gemeinde nicht verlassen wird. — , . ' ... Erfreulicher ist der Hinblick auf eine -andere,.,in unserer Gemeindebestehende Anstalt, rmd dieses .ist. die vor beinahe einem.Jahre hier errichtete Schule. Wenn auch noch an manchen Gebrechen leidend, welche in. de-r Natur einer jeden jungen Anstalt gegründet sind, ' ist dieselbe doch, in stetem Zunehmen begriffen, und wird auch mit göttlichem Beistände innerlich, wie äußerlich immer mehr erstarken. Der Zuwachs.an Schülern machte bereits eine Vergrößerung des Lehrpersonals nothwendig, und das Bestehen der Anstalt , ist in so ferne gesichert, indem die Gemeinde mit großen Opfern ein eignes Schullokal erbaute, welches vielleicht schon mit Beginn des Winterkurses bezogen werden wird. *) “) Das große L. zu Saros (Nr. 7 d. B.), wenn sein voreiliges absprechendeö Urtheil über die Leistungen unserer Schule nicht von bloser Böswilligkeit diktirt wurde, kann hierdurch eines Bessern belehrt werden, und rathen wir demselben künftighin, die Referentennase hübsch fein zu Hause zu halten. Uebrigens ward auch derselbe (Nr. 9 d. B.) in einer Korresp. aus Dresden zurechtgewiesen; swenn wir auch das in jenem Aufsatze vorkommende Epitheton „St. Nicolaue.r Ronge" auf sich beruhen lassen. — Verlag von C. L. Fritz sche. .Erfreulich ist zugleich die Theilnahme, , welche dieser Anstalt von unserer christlicherr Umgebung gezollt wird. Bei der letzten Semestralprüfung rvaren außer der Elite unseres Städtchens und der Geistlichkeit desselben, auch noch mehrere Komitatsbeamte gegenwärtig, unter denen Einige von den Leistungen der Schule und dem Resultate der Prüfung überrascht, den sich anözeichueuden Schülern ansehnliche Geldprämien verabreichen ließen. Der hochgeehrte, humane, erste Vicegespan unseres Comitatcs Hr. P. v. M a v o csün y i richtete zugleich, als Oberinspektor der Anstalt, an die Anwesenden eine schöne herzliche Rede, worin er dieselben zur Stützung und Förderung der Anstalt mit den beredetsteu Worten ausforderte, und unter andern schönen und freisinnigen Ideen und Ansichten: ,,die in der Schule zu erlangenden Kenntnisse und Wissenschaften als die Ehrenpforten bezeichnetedurch welche allein" die jüdischen Parias in den weiten Tempel dev Menschenrechte gelangen könnten." Bei dieser Gelegenheit muß ich zugleich noch des durch Geburtswie durch Seetmadel hochzuverehrenden Herrn Emmerich's v. Pongrace erwähnen. Dieser spendete erst kürzlich die Summa von. 50 fl. W. W. zur Vergrößerung des Schulfoydes, und möge .der edle Menschenfreund den öffentlichen Dank hierfür freundlichste hinuehmen. Von Schulangelegenheiten sprechendkann ich nicht das Rundschreiben der Lehrer an der Preshurger Schule, worin dieselben zur Gründung eines Peusionsfondes für dienstunfähige, hilfsbedürftige Lehrer, und. resp. deren Witwen und Waisen auffordern', nicht unerwähnt lassen. In wie. ferne diese Aufforderung für jetzt,, wo in dieser Neziehuug . noch so manche , dringlichere -und.-.praktischere Fragen-, ddp,; Erlediguug; warten, an der. Zeit sei:. und ob dieser Plan überhaupt, bei dem noch ungeregelten Zustande, .unserer Schulen, .welche leider, noch gewöhnlich wie Pilze.aufschießen- und. wie Eintagsfliegeiu vergehen, ausführbar sei; — diese Fragen lasse ich dahingestellt. Gebe, .übrigens, .der.Himmel den Leitern dieser Angelegenheit Beharrlichkeit und Ausdauer, und mögen sie ihren Eifer und Gern ein sinn an. wirksamem Fragen bekunden. — Aus der Reihe allgemein interessirender Angelegenheiten will ich noch über, das Rundschreiben der Pesther Gemeinde und .des., löbl. Toleranztar-Komite's vom 1. Juli l. I. reftriren. In dieser werden-sämmtliche Ungar. Gemeinden dazu aufgefordert den 19. dieses als Gedächtnißtag jenes hohenkönigt. Beschlusses, welchcr uns von. der. Entrichtung derbisherigen so drückenden wie schmachvollen- .Toleranzsteuer für ewige Zeiten entbindet, besonders festlich zu begehen. . - , , (Beschluß folgt.)?; Druck von I. H. Nagel.