Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- Seite 312 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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312 habe, sämmtliche 240 israelitische Familien^, die im Bezirksamt Radolhett wohnhaft, sind-, zu verleumden und dem öffentlichen Hasse auszusetzen'? Unfern. Gegner'selbst mache ich hiermit noch auf einige Aktenstücke aufmerksam, er. lese einmal folgende- Schriften: 1). „Die natürlichen Kinder im Großherzogthum Baden, nach amtlichen Quellen dargestellt von A. I. V.. Heimisch. Karlsruhe 1840." 2) „Uebersicht der Strafrechtspflege, im Großherzogthum Baden, während des Jahres 1842,. vorgelegt Sr. königl. Hoheit dem Großherzog von ch'öchstihrem Justiz-Ministerium. Karlsruhe 1844". Aus diesen Akten wird man sich überzeugen, daß man über die Sittlichkeit der Juden nur ein günstiges Urtheil abgeben könne. O, die Weltgeschichte hat ihrer Blätter all zu viele, mit Anfeindung, Druck, Thränen und Blut beschrieben, weise Fürsten und Regierungen, aufgeklärte fromme Volkslehrer aller Konfessionen und der fortgeschrittene humane Geist der Zeit haben lauge genug an den Spuren mittelalterlicher Verfinsterung auszumcrzen gehabt; so lasset' uns doch gerecht und verständig sein,, die Saaten jener Edlen nicht wieder zu zertreten, sondern uns und unseren Nachkommen zu erhalten, zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschheit. Randegg, den 21. August 1846+ Leopold Schott, Rabbiner. Frankfurt a M, 21. Septbr. Die Mitglieder der dritten Nabbinerversammlung bemühen-sich sehr, wie dies auch nicht anders zu erwarten warden Frankfurter Protestationen entgegenzuarbeiten und sie zu. entkräften, so in,dem Frankfurter Journal, der Deutschen Mg. Ztg. und Allg. Ztg. des Judenthums. Ihre Vertheidigungsweise ist unter andern, daß sie in Betreff der zuerst erschienenen „Verwahrung",, ihre . Waffen zumeist gegen den Concipienten derselben richten, welchem sie Doppelzüngigkeit und Böswilligkeit vorwerfen. Ein solches Manöver ist nicht neu, so schlecht gewählt es auch ist, denn was hat eine von einer Gesammtheit ausgehende Erklärung und ibr Concipient mit einander gemein? Jndeß sind die Rabbiner bereits darüber zurechtgewiesen und die Verläumdung schlagend widerlegt worden (siehe O.-P.-A-Ztg. Nr. 253). Sodann halten sich die Rabbiner an die vorgeblich geringe Zahl der Unterschriften, die sie zu zwölf angeben und frohlockend spricht sich besonders die von Rabbiner Philippson redigirte Allgem. Zeitung des Judenthums in Nr. 37 und 38 darüber aus, indem sie sagt, die Verwahrung habe sich „in eine Sackgasse verlaufen", „einen völligen Durchfall erlitten re." Was nun aber die Zahl der Unterschriften anlangt, so ist dieselbe jedenfalls doppelt so stark als die der Mitglieder der ganzen dritten Rabbiner-Versammlung. Die Herren Rabbiner haben zwar mitunter doppelte Ansichten, gelten jedoch, bis jetzt wenigstens, bei den Israeliten noch nicht für doppelte Personen, folglich gilt das Votum von fünfzig unabhängigen Männern gewiß eben so viel als von 24 Rabbinern. Fünfzig Personen haben die „Verwahrung" gleich in den ersten Tagen Unterzeichner; mit Aufnahme' weiterer Unterschriften wurde aber beim. Erscheinen der zweiten Protestation eingehalten, um auch diese Platz greifen und um keine kleinliche Rivalität aufßommen zu lassen, indem prineipiell die beiden Schriften dasselbe aussprachen,. wie denn auch.wirklich Viele, erst die Verwahrung ,und dann auch. die Protestation unterzeichnet haben. Eine weit, größere-Anzahl Gleichgesinntechat sich, übrigens d eß hä.l b des Unrerzeichnens enthalten-, weit sie der Meinung war,.gegen die Rabbiner-Versamml u n.g p r o,t.e st i r e n, . h i e ß e derselben eine Wichtigkeit beilegen, welche-sie nicht verdiene. . G. Hanauer Zeit- Oester reich. ' Aus Galizien, 19: Aug. -(Nekrolog), Am 11. August 1846 starb zu Lemberg. auf der Durchreise aus einem Bade, Herr Marcus Auspitz, gewesener Geschäftsführer des bekannten Brodyer Banquierhauses Halberstamm iu Nierenstein. Durchdrungen von dem hohen Werthe dieses in nähern Kreisen hochgeachteten Mannes, halten wir es für Pflicht, seinem Leben in diesen den Zeitereignissen geweiheten Blättern einige Zeilen zu widmen, seine Ehrenhaftigkeit aus der Dunkelheit des Privatlebens zu ziehen und in das^wohlverdiente Relief der Geschichte zu setzen. 'Geboren ums Jahr 1787 zu Pesth in Ungarn, verliest Markus'Auspitz schon als zehnjähriger Knabe das väterliche Haus, und mit keinem andern Vermögen als mit regem, reichbegabtem Geiste und edlem für alles Gute empfänglichem Herzen ausgerüstet,' schweifte der arme Junge, theils als Bach nr theils als Hauslehrer in unfreundlicher Fremde herum, bis es ihm im Laufe der Zeit, wir wissen nicht wie-und durch welche Hilfsmittel gelang, an sich den Spruch der Weifen wahr zu machen: mn Jsm mm ^mnrnn und seinen Geist aufs Glänzendste auszubilden. Nach vielen,Herumwandern erscheint Auspitz im Jahre 1812 in Jaroslaw in Galizien als ein,höchst gebildeter, mit der deutschen Sprache und Literatur sowie mit sämmtlichen Zweigen der Handelswissenschast aufs Innigste vertrauterjunge Mann und trat in die Dienste eines bedeutenden Geschäftsmannes des seligen Majer Nierenstein, in dessen Hause er durch viele Jahre a(s Buchhalter konditionirte und durch exemplarische Biederkeit, unerschütterliche Treue und die umfassendsten Geschäftskenntnisse sich auszeichnete. Auf seine fernere Ausbildung eifrigst bedacht, warf sich nun Auspitz auf das Studium der französischen Sprache und Literatur, in der er es in Kürze zur Fertigkeit gebracht, indem er einen französischen Styl schrieb, in welchem sich die Sentimentalität eines Jean Jacque und der hinreißende Humor des Philosophen von Ferney aufs Treueste abspiegelte. — Einem innern Drange, .Licht und Wahrheit um sich zu verbreiten, folgend, war Auspitz schon in Jaroslaw bemühet, einen Kreis bildungsfähiger junger Leute um sich zu ziehen, sie durch Anweisung und Belehrung