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Der Orient · 1846-10-01 · Heft 40 (1.10.1846) · p. Seite 310

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 40 (1.10.1846)
Date
1846-10-01
Page
Seite 310 (sequence 3)
Language
German
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310 die anscheinend durch eine kleine Summe Geldes für den Augenblick helfendurch hohe. Zinsen den -Bedrängten aber bald gänzlich zu Grunde richten, so wird der Nützen solcher Institute noch in die Augen springender, und nicht , nur können durch sie Viele vom Bettelstab gerettet werden, auch auf die sittliche Kräftigung der Menschen üben sie einen nicht zu berechnenden Einfluß aus. Mochte das hier gegründete - Institut sich daher einer recht lebhaften Theitnahme zu erfreuen haben und.auch in weiteren Kreisen Anklang und Nachahmung ^nden». (Berl. Zeit.-^ach / Marburg, 11. Sptbr. So eben erhMdie Familie des bekannten Dr.> Eichelberg von hier die erfreuliche Nachricht, daß derselbe im Laufe der nächsten Woche, vorläufig auf Caution, auf freien Fuß gesetzt werden wird. Dr. med. Leopold Eichelb'erg, Jsraelite, nunmehr schon 11^ Jahr seiner Freiheit beraubt, trat im Septembrr 1837, nach 2-Mhriger UnLersuchungshaft, seine neunjährige Gefängnißstrafe an, welche mit dem 13. d. M. überstanden sein wird. Im Jahre 1843 wurde Eichelberg als Komplice Jordan's und Konsorten durch das Obergericht Marburg zu einer weitern Gefängnißstraße von cl\ Jahren verurtheilt, welche erst mit dem Ablauf der ersterwähnten neunjährigen Haft beginnen sollte. In Folge des von Seiten des Oberappellationsgerichts zu Kassel in der Sache Jordau's erfolgten reformatorischen Eudurtheits suchte auch Eichelberg bei diesem obersten Gerichtshöfe Revision und resp. Restitution gegen das ihn verdammende obe'rgerichtliche Urtheit von 1843 nach. Der hier berichtete 'nächste Erfolg dieses Schrittes läßt, bei der bekannten Praxis unserer Gerichtshöfe, auf die bevorstehende Aushebung des Straferkenntnisses wider Eichelberg mit Sicherheit schließen. (F. O.-P.-Z.) Frankfurt a. M., 10. Sptbr. Wo? einigen Tagen überreichte Rabbiner Stein dem hiesigen israel. Vorstande eine Eingabe, worin er auf „Einführung einer pri estcrlich en (rabb in i sch en) Einsegn u ng d e r W ö ch n erin n en" anträgt. Wenn es Hrn. Stein gelänge, wie es ihm übrigens ohne Zweifel mislingt, einen katholischen Brauch nach dem andern in das freie Gebiet der Synagoge cinzuschwärzeu, so dürften B e i ch t st u h l, Stolg e b ü h r e n , kurz Alles, lvas in diese.m Augenblicke im Schooße der Christenheit als d r ü ck e ub und unzeitgemäß bekämpft wird, sehr bald in das Judenthnm cingesührt wcxdenstatt daß einst das Christenthum das Bessere und Edlere aus denn Judenthumc in sich aufnahm.' Neben solchen fortwährenden Versuchen, die Geister in die Fesseln einer neuerfuudenen Priesterschaft zu schlagen, verfehlt Herr Stein nicht, sich stets feierlich dagegen zu verwahren, daß man den modernen Rabbinern überhaupt und ihm insbesondere „hierarchische Tendenzen in die Seele schiebe", und kategorisch zu betheuern, daß er und feine Amtsgenossen „kxine andere Autorität wollten, als welche ihnen das Volk freiwillig zugcstehe". Welche Mittel in Bewegung gesetzt werden, um das „Volk" zur „freiwilligen" Gewährung einer möglichst großen Autorität für die Rabbiner zu bewegen, ist leider nur allzu bekannt, (Hanauer Zeit.) Großh. Baden, im Sptbr. In der Kreisstadt Konstanz, aus dem Mittelalter durch die bedeutendsten Kirchenversammtungen und die.Verbrennung Hußen's wohl - und Übel berühmt, wohnen seit einigen Jahrhunderten keine Juden mehr, und auch der Wohlstand ist ansgezogen aus dieser am schwäbischen Meere (Bvdensee), als natürlichste Vermittlerin deö deutschen und italienischen Handels, so ganz eigens glücklich belegencn Stadt... Dies hat in neuester Zeit viele intelligente Einwohner desselben, die sich lärmst durch edle Freismnigkeit anszeichncn, aus den Gedanken geführt, die Wiederaufnahme von Juden in Konstanz in Anregung zu bringen, welchem Vorhaben die so eben gepflogenen und im Sinne des Rechts und der Hunlanität entschiedenen Verhandlungen unserer glorreichen zweiten Ständekammer, sehr zu Statten kommen.' Es ist übrigens leicht begreiflich, daß nicht auf einmal alle Nachteüten Lichtfreunde geworden sind, und. in den beiden Lokalblättern „Kon stanz er Zeitung" und „Seeblätter" entspann sich, in crsterer eine gehässige Verwickelung, in letzterer eine freundliche Entwickelung aller hierhin einschlägigen Grundsätze, Gesetze und Ansichten, deren Endresultat noch nicht mit Bestimmtheit voransgesagt werden kann, doch wird der Sieg der Humanität keineswegs mehr allzulange auf sich warten lassen. In der letzten Zeit hat die für alles Menschliche und Erhabene gegeisterte Redaktion der „Seeblätter" auch folgenden ihr zugegangenen Artikel in Nr. 104 ihrer Beilage ausgenommen, woraus er hier mitgethcilt wirdrj! „Das Gebot der Nächstenliebe ist der wichtigste Grundsatz der Religion." \ (Alter Spruch des Talmudweisen Rabbi Akiba.) Ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß ihr erster judenfeindlicher Artikel in den Seeblättern Nr. 97 widerlegt ist, bringt die konstanzcr Zeitung in ihrer Nr. 98 einen zweiten Traktat des Hasses und der Zwietracht, dein wir hiermit eine Entgegnung widmen, und der verehrlichcn Redaktion gern zutraucn, daß sie sich noch weit lieber zur Verbreitung eines Wortes des Friedens und der Bruderliebe hergeben werde. I. Jener Verfasser will zunächst die politischen Grundsätze der Juden verdächtigen, und um eklatanten sein, stellt er sie mit den Jesuiten, als einen Sonderzweck im Staate verfolgend, zusammen! Das ist grundfalsch, die Juden als Staatsbürger bezwecken nicht das' geringste Sonderinteresse, sie Haber: sich vielmehr längst mit voller Seele und Thätigkcit überall dem Staate und dem Vaterlande angeschlossen, in welchem

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