Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1846)
- Date
- 1846-09-24
- Page
- Seite 306 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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306 - dim, seien sie noch so inederuisirt, zu nützen vermöchten. Drittens endlich nähmet Ihr durch die Anstellung P'ü. eine Last auf Euch, die bei den bekannten finanziellen Umständen Eurer Gemeinde, Euch zu tragen durchaus nicht leicht sein durfte. Oder habt Ihr etwa im Sinne, den armen Gemeindemitgliedern noch 'mehr Abgaben anfznbürden? Denkt Ihr vielleicht daran, die Gehalte Eurer (ohnehin sehr schlecht dotirten Lehrer zu veringern, um den neuen Prediger besolden zu' können? Ja, das wäre freilich was anderes! Dann grätnlire ich Euch zu Eurer Aquisitien und wünsche, daß Ihr Euch nur nicht den Magen verderben möget. — --; W. Breslau, 28. Aug. '(Abrechnung mit dem Prediger Stein in Frankfurt a. M.) Ed hat dem Herrn Prediger Stein gefallen in seiner Entgegnung auf den Protest zu jagen, daß hier „von den würdigsteil undaufgeklärtesten" Männern die Adresse an die Rabbiner-' Versammlung ausgegangm sei. Wir wundern uno keiucsweges, daß Herr Stein nur diejenigen für würdige hält, die zur Rabbiuer-Versanuulung beigesteuert haben, damit die Herren Rabbiner nach Fürstensteiil fahren, sich' am Champagner berauschen und sich recht burschikos benehmen; wir wundern uns auch nicht, daß er nur Dicjeuigcll aufgeklärt nennt, die seinen Unsinn über Dinn hören können und dabei nicht zu lachen brauchen; wir wundern uns auch nicht, daß der Herr Stein Laien wie Dr. Franeetlll, Friedeuthal, den berühmten Dr. Freund, Fürstent hat, Dr. Ginsb c r g, Dr. M u n k, P ap p e n h e i m und S a m c t sch, llnd fast sämmtliche hiesige jüdische Aerzte nicht zu den aufgeklärtesten und würdigsten unserer Gemeinde zählt. Wir wundern uns mir, daß Herr Stein im Voraus wußte, daß die würdigsten re. unterschreiben werden, da bei seiner Abreise die Unterschriften noch nicht gesammelt und von Dr. Geiger nur erst zugesichert waren. Hat Dr. Geiger vielleicht auch die Versicherung gegeben, daß nur Würdige und Aufgeklärte unterschreiben werden, welcher Herr Stein unbedingtes Zutrauen schenkte? Ein Allgur traut dem Allderu! ■— Mehrere Nich t-Adressanten. SBresIcut, 8. Sptbr. Sehr erfreulich ist es zu erfahrell, daß unsere Rabbiner selbst ans dem ritualen Gebiete des Talmuds in ihren Forschungen nicht stehen bleiben, noch erfrelilicher aber die Ungeuirtheit und Offenheit, mit welcher sie die früher von ihnen mit der gelehrtesten Miene ausgestellten Resultaten zurüeknehmen. So hat Dr. Geiger im Jahre 4L in feinem „Rabbinisches Gutachten über Militärpflichtigkeit der Juden," o) Ist es erhört, daß m einer Gemeinde wie L. ein Lehrer, der Frau und Kinder zu ernähren hat (z. B. Herr R. oder Herr U.) kaum mit 150 Thlr. jährlich dotirt sein soll? 6) Nächstens mehr davon. , nachdem er aus allen alten Rumpelkammern gesammelte Notizen zusauttneugestellt hatte, S. 14 es ausgesprochen „sie (die Kriegessührung) ist jetzt eine Kunst, die der langjährigen Hebung bedarf, einer Uebung, die nicht anders denn als Vorbereitung zur Abwendung der Gefahr vorn Vaterlande und dessen Bewohner zu betrachte!! ist, und da für alle Vorbereitungen, die zur Abwendung von Gefahren uothwendig sirld, dieselben Befreiungen statnirt werden, welche für die Angriffe und die Vertheidignngerl selbst gelten, so haben daher auch bei unfern M i l i t ä r ü b u n g c n s e ( 6 st i n F rieten 6 zeit e n diese Befreiungen (der Sabbat-Pflichten) ihre volle Kraft." S. 15 „die heutige Kriegführung fordert endlich die mannigfachsten Vorbereitungerl auch in Friedenszeilcn, und diese führen dieselben -Befreiungen mit sich, wie der wirkliche Kriegesznstand." S. 16 schließt Dr. Geiger: Es findet demnach die Uebcrnahltle der Militärpflichtigkeit nicht bloo kein Hinderniß -in dem r a b b i n i fch e n I tt d e n t h u m e, sondern dieselbe ist eine religiöse Pflicht und zwar die höchste, der alle andere sich unterwerfen, u. s. w. Zuletzt wird noch hinzugefügt; „Ich habe int Vorstehender! die Thatsachen und die rabbinischen Oirelteu selbst reden lassen" u. s. w. Im Jahre 1846 sagt Dr. Geiger und die dritte Versammlung deutscher Rabbiner. Ein vorläufiges Wort zur Verstäudigung, wo er die Großthaten der R.-V. besingt, und auch diese Heldenthat preist, daß sie alle Militärpflichten arn Sabbate zu leisten ertaubt hat: „Wer den Juden gestattet, am Sabbate Militärdienst zu leisten, insofern diese nicht zur Abwendung von Lebensgefahr geboten werden und insofern als nicht direkter Zwarlg dazu auferlcgt wird, der hat den starren orthodoxen Standpunkt verlassen." Nun kenne ich keine Gelegenheit, wo ein Militär die Sabbatgesetze ohne Abwendung der Gefahr übertreten nmß, außer in den Uebuugen in Friedenszeiten, und kenne auch keine Orthodoxie, die talmudischer als der Talmud und rabbinischer als der Rabbinismus ist, und wenn Dr. Geiger riach dem Talmud und nach den rabbinischen Quellen in seinem rabb in i sch e m Gutachten die Militärübungen als erlaubt nachgewiesen, so steht der Orthodoxie Nichts im Wege alle Militärdienste am Sabbat zu gestatten. Ich begreife nicht, warum Dr. Geiger sein früheres Gutachter! zurückgenommen hat, und tun neugierig aus welchen neuen Duellen er sein jetziges Urtheil geschöpft hat? Hat vielleicht Dr. Geiger zwei Urtheile, ein rabbinisches und ein schriftstellerisches? —- Oder hat Dr. G. bevor die 'R.-V. die Nichtisraeliten emanzipirt hat, geglaubt, daß ''3 VHD und könnte daher die Behörde für welche sein rabbinisehes Gutachten wahrscheinlich augefertigt wurde, mit gutem Gewissen täuschen? — sapienti sa(. L. N.