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Der Orient · 1846-09-24 · Heft 39 (24.9.1846) · p. Seite 305

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 39 (24.9.1846)
Date
1846-09-24
Page
Seite 305 (sequence 9)
Language
German
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sammlung (um von Sr. Majestät dem Könige die nöthigen Korporationsrechte erlangen zu können) als Verein sich gehörig konstituirt hatte, wurde zur Wahl eines neuen Vorstandes geschritten und die Wahl traf einstimmig daS bisher interimistisch wirksam gewesene Centralkomite, dem nunmehr der Titel: „Verwaltungsrath" beigelegt wurde. —■ Die eifrige Thätigkeit, welche unser Oberrabbiner Herr Sal. Eg er dem Kolonisationsprojekte unermüdlich zugewendet, so wie die seltene Hingebung, mit welcher unser Polizeipräsident, Herr von Minutoli, sich der Angelegenheit annimmt, verdienen ganz besonders Anerkennung, und bei dem bekannten Biedersinne dieser Männer läßt sich erwarten, daß sie in ihrem lebhaften-, Interesse für, die gute Sache nicht so bald erkalten, vielmehr mit ausdauerndem Eifer an der Realisation des in der Thai großartigen Planes arbeiten werden. Es wäre nur zu wünschendaß man ihnen von allen Seiten mit ernster Theiln ahm e entgegenkomme *); dann würde mit göttlicher Hilfe die Sache schon einen Gang Habens.— Wir bitten den Leser um Entschuldigung, wenn wir uns nun einen Uetergang erlauben, der in seinen Augen nichts weniger als sanft erscheinen wird; wir wenden uns nämlich von der so ziemlich erfr eulichen Mittheilung in der Kolonisatibnosache zu einer —- man möchte fast sagen — h e tr ü b e ud en von Gemeindewirren tt." dgl. Ja, dem Berichterstatter geht's oft nicht besser; er muß den Stoff nehmen, wie er sich ihm gerade därbictet, eine Wahl ist selten gestattet. Also zur Sache. In der israel. Gemeinde zu Lissa sieht es jetzt - etwas sch leswig - h o l st e in i s ch aus. Da giebt es aufgeregte Gemüther, heißes Blut,- Parteienwuth, Reibungen", Spaltungen und weiß der Himmel, wie die derartigen Dämonen alle heißen. „Aber woher dieses Alles?" höre ich viele Leser erstaunt ausrufen, woher diese lächerliche Bewegung in einer Gemeindewie Lissa, die bisher,- und mit Recht, zu den friedlichsten und ruhigsten in Israel gezählt wurde?" — Ein Mitgli ed ist darall schuld, ein herum reisender Maggid, weiter Nichts. „Aber eristiren denn heutzutage noch dergleichen Subjekte?" höre ich wieder manchen Leser verwundert fragen. O ja! auch das fünfte Deecunium des neunzehnten Säculi hat stille „herumreisende Maggidim" aufznweistn; aber sie sind 1) Wir wollen, hierunter besonders die Aristokraten und Geldfürsten in unserer Gemeinde, sowohl, als auch in den übrigen Provinzialgemeinden verstanden wissen, und erinnern wir den Leser an das, was wir in unserm letzten Artikel (Orient 30—31) unterzeichnet XXII, in Betreff dieses Punktes gesagt haben. 2) Wir erklären uns hiermit ebenfalls gegen die „Bedenken" des Herrn B—d in Nr. 30—32 dieser Blätter; dahingegen glauben wir den Ansichten des Hrn. G. Z. in Nr. 36 des Orients völlig bei pflichten zu müssen. modsrnisirt, wie in heutiger Zeit Alles, sie bedienen sich fast ausschließlich des deutschen Idioms und '-nennen sich „Prediger". - So ein modernisirter Maggid, wie es heißt aus Mährens, mit Namen Pottach, kam Anfangs Juli nach Lissa zugereist und wußte -sich die. Erlaubniß zu verschaffen, am Sabbat Valak in der dortigen Synagoge einen Vortrag halten zu dürfen. Er that es, das deutsche Idiom blendete und die Masse war au gelockt. Den Tag darauf war schon hie und da von Anstellung die Rede. Was halfs nun, wenn die wenigen Gebildeten, cinsthend, daß bei P. Alles nur Blendwerk sei, im Grunde aber gar Nichts dahinter stecke^), sich unzweideutig gegen denselben erklärten? Die Masse, und diese ist ungebildet, hatte einmal in den Apfel der Erkenntniß gebissen, und die Frucht war ihr süß vorgekommen. Herr P. hat bis jetzt schon über ein halbes Dutzend Vorträge in der Lissaer Synagoge abgehalten, sein Anhang.wird, wenn auch nicht immer stärker, jedoch mit jedem Vorträge enthusiastischer, feuriger, und wie die Sachen jetzt stehen, ist zu erwarten, daß P. um längsten „herumreisender Maggid" gewesen. — Sollte es aber in der That dahin kommen, daß der Vorstand in L. Herrn P. als Prediger, oder gar, wie die neuesten Gerüchte lauten, auch als Rabbinatsassessor und Neligionslehr.er engagirt, so wäre dieser Schritt aus mehrfachen Gründen ein übereilter und darum unverzeihlich. Drei dieser Gründe wollen wir, weil sie uns die wichtigsten scheinen, hier anzufühs ren nicht unterlassen. Fürs erste soll, wie man allgemein hört, Herr P. durchaus nicht der Mann sein, der im Stande wäre durch seine Predigten auf lange zu fesseln, noch viel weniger aber der Mann, der die Fähigkeit .besäße, in einer Gemeinde wie Ä., uls Religionslehrer und Dajan zu fungiren. Was wollt Ihr aber jetzt blindlings zugrcifcn ttttb Euch dann auslachen lassen? — Wie bitter dies schmeckt, habt ihr, glaube ich, schon mehr denn Einmal erfahren müssen. Zweitens wenn Ihr Herrn P. — der, was nicht zu. leugnen ist, die meisten Stimmen jetzt für sich, aber,, was ebensowenig zu leugnen ist, einen nicht geringen Theil der Gemeinde entschieden gegen sich, hat, heute eine Anstellung giebt, so steht zu befürchten, daß die nur zu bekannte B r e s l a u e r T r a g o d i e aus den Jahren 1840—43 inmitten Eurer Gemeinde sich wiederholen wird und Ihr hättet dann nicht nur Euch, sondern allen jüd. Gemeinden der Provinz in den Augen der Regierung mehr geschadet, als hundert mährische oder ungarische Magi- 3) Der berüchtigte Maggid „Neb Lämmle" war, wenn ich nicht irre, auch eine Mähre. 4) Die Quintessenz seiner Predigten soll ganz dieselbe sein, wie in den Deraschvt der allen russisch-polnischen Rabanim.

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