Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1846)
- Date
- 1846-09-24
- Page
- Seite 304 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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304 schiedener Midraschstellen, durch eine Anhäufung von Worten und unzusammenhängenden Sätzen, berechnet auf Effekt und Illusion, das unstete und wanketmü-> thige Volk für sich ziemlich gewonnen hat. Auf eine Handvoll Roten kommt es ihm so zu sagen , rein gar nicht an, wenn es ihm nur paßt, ob vernünftig, ob logisch, es bleibt sich gleich, das Eine hat der Midrasch gesagt oder sagen wollen und das Andere sagt er und damit Punktum. Ich bin weit entfernt, einen Mann der Unwiffenschaftlichkeit zu zeihen, oder mich gar gehässig über ihn zu äußern, und würde ich sehr gern all das Gesagte mit Stillschweigen übergangen haben, wenn die hiesige Gemeinde, dadurch daß sich leider noch feilte anerkannt tüchtige Kandidaten außer Levy gemeldet haben, nicht im Begriff stehen möchte,, einen unverzeihlichen Fehlgriff zu machen. Mir liegt eine neuerdings gedruckte Rede, gehalten in der Synagoge zu Li ssa, gewiß ein Produkt des reifem Nachdenkens, ein erstes Geisteskind des Hrn. Pollach vor, ich muß gestehen, daß es mir unbegreiflich ist, wie sich ein Mann, der nur irgend Begriff von Sprache, Logik und Moral hat, nicht genirt so Etwas, das nur geeignet ist ihn in seiner Hohlheit der Menge zu präsentiren, der urtheilenden Welt zu übergeben. Ich werde vielleicht später Gelegenheit nehmen, über diese Rede etwas Näheres zu berichten. Wenn die hiesige Gemeinde dennoch einen Fehlgriff machen sollte, so wird ihr weniger die Schuld desselben beizumessen sein, als vielmehr nur der Saumseligkeit derjenigen , die sowohl innern Beruf als hinreichende Fähigkeiten, nach den gestellten Anforderungen, besitzen. Die Zeiten, dem Rabbiner einen Rabbinats-Brief zuzusenden sind, wenigstens für unser Herzogthum, nicht 'mehr" da; der Anspruch Machende muß kommen und sich hören lassen, ein Umstand, der die besten Folgen in der Regel hat, er beugt jeder Opposition vor und Friede und Ruhe ist dann für den eingestellten Rabbiner gesichert, besonders wenn ex die gute Meinung, die sich von seiner Amtsthätigkeit verbreitet hat, zu bethätigen weiß. Es wird hier für den Rabbiner viel zu thun sein und werden sich Gelegenheiten in Menge darbieten, die Achtung, Zuneigung und Liebe der ganzen Gemeinde zu erwerben; doch wer siegen will muß kommen. Leipzig, 14. Sptbr. Im September-Hefte der Frankelffchen Zeitschrift hat ein Korrespondent aus Prag die Anstellung des Dr. Wessely an der katholischen Prager Universität als Docent der hebräischen Sprache und der jüdischen Studien zu einem gehässigen und in keinem Falle zu billigenden Ausfälle gegen den in der Wissenschaft bekannten Dr. Wessely benutzt. Wir brauchen es faiun zu sagen, daß d?r ganze Artikel durch und durch lügenhaft und das Produkt einer gemeinen niedrigen Seele und ebenso mit vieler Gehässigkeit gegen die Ehre des Judenthums geschrieben .ist; . aber vom Redakteur jener Zeitschrift, der doch als Prager jenen erbärmlichen Korrespondenten und den. Verleumdeten kennt, der doch den gemeinen Hochmuth jener Leute kennt, welche jenen Artikel eingegeben und mitgebracht, ist es unverzeihlich, für. solche Mittheilungen sein Blatt herzugeben und sich dadurch zum Mitschuldigen zu machen. Ich sagte, daß jene Mittheilung durch und durch lügenhaft und von einem. Knechte der Feinde Wessely's, ich glaube von einem ungarischen! Bachur, fabricirt wurde, und eine flüchtige Zergliederung derselben stellt das evident heraus. Der Korr, sagt, Hrn. Dr. Wessely ist der Lehrstuhl für hebräische Sprache und ta lmudische Studien an der Universität eingerämnt worden, aber weder in der Eingabe Wessely's noch in der Anstellungsurkunde ist von talmudischen Studien die Rede. Der Korr, sagt: „Als die Stelle einesCenfor in hebraieis v or einig er Z eit erledigt wurde und man mit Umgehung Wesse ly's müdere gelehrte Juden zu diesem Amte vorschlug, vermeinte Wessely in einer Eingabe an die höheren Behörden, — wie aktenkundig ist—, daß man übcrh aupt. Juden bald gar nicht zu dieserStelle bedürfen würde". Welcher Pfuhl von Gemeinheiten und Lügen in dieser Denuueiation liegt, weiß Hr. Frankel eben sogut wie ich. Erstens ist Dr. Wessely nicht übergangen worden, sondern er ist gerade von der hohem Behörde primo loco vorgeschlagen und dann kam erst Rapaport u. s. w. Zweitens da er nicht übergangen worden, so konnte natürlich Hr. Wessely nicht vermeinen, was der Korresp. ihm andichtet. Drittens konnte Wessely in seiner Eingabe an die höhere Behörde das schon darum nicht gesagt haben, weil es sinnlos ist, da bis jetzt doch kein Jude Censor dort war, mithin wäre das Ueberflüssigmachen der Inden unsinnig. Viertens ist der Ausdruck: „wie aktenkundig" eine der niedrigsten Kunstgriffe, da der korrcspoiidirende Vagabund doch gewiß die Akten von der Regierung nicht erhalten, und er hat nur Hrn. Frankel auf gemeine Weise durch diesen Kunstgriff getäuscht. Fünftens wird diese Eingabe hier abgedruckt, worin natürlich keine Spur von dem, was der Korr, sagt, vorkommt. Nach diesem mag man nun beurthcilen,. was die Folgerung de§ nichtswürdigen Korrespondenten zu bedeuten habe, und es genügt, wenn hier mitgetheilt wird, daß sowohl Hr. Dr. Frankel als auch der Korr, beim Kriminalamt verklagt sind. Posen, im Sptbr. Am 1. d. M. hat endlich in unserer Kolonisationsangelegenheit die erste Generalversammlung unter dem. Vorsitze unsers Herrn Oberrabbiners dahier stattgesunden. Die betheiligten Gemeinden, Filialvereine re. waren (laut , hiesiger. Zeitung Nr. 210) durch 40 Deputirte vertreten. Die Statuten-wurden geprüftwo es nöthig schien modifrcirt und sodann vollzogen. Nachdem darauf die Ver-