Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1846)
- Date
- 1846-09-17
- Page
- Seite 296 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360418-2360457--5596-3532551- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
machten, sich zu der. dortigen Predigerstette drängten, warum habt Ihr von diesen ehrenwerthen Männern nicht Aufrichtigkeit-und Konsequenz gelernt? Als der König Saul in seiner Roth verkleidet zu der Geisterbeschwörenn zu . En-Dor ging, um von ihr sein Schicksal zu erfahren, „da sprach das Weib zu ihm r Du weist was Saul, gethan, daß er ausgerottet die Todtenbeschwörer re. Da schwur ihr Saul Lei Gott und sprach: So wahr Gott lebt! Dich soll keine Strafe treffen wegen dieser Sache".— Saul, sagt der Midrasch, gleicht dem frechen Weibe, die hinter ihrem Manne buhlt, und bei dem Namen ihres Mannes schwört l Macht Jhr's anders? Ihr handelt und beschließt ganz gegen das klare und schlichte Wort der Schrift, und wenn Ihr in Verlegenheit kommt, da Liebäugelt ihr so süß mit ihr, ist das ehrlich? M. M—n. Ronsberg, 27. Aug. Die Nummern 25 und Z4 d. Bl. mit ihren Korrespondenzen aus Pilsen und Klattau liegen vor mir. Die Leser des Orients haben hiermit ein neues Schauspiel von der Bosheit der sich nicht genug geehrt glaubenden Arroganz und Wichtigthuerei, die mit Schulknaben-Weisheit die Backen voll nehmend, gar drollig um sich schlägt, und an die ehrenhafte Gesinnung herankriecht, um sie durch ihre ekle Berührung zu besudeln. Während alle Wohlgesinnten des Pilsner und klattaner Kreises dem srcimüthigen Referenten aus Pilsen nur Dank wissen, Misstände in das Bereich der öffentlichen Erörterung gezogen zu haben, die bisher an dem Marke unserer Gemeinden, in deren betrübender Selbstvergessenheit zehrten , gefällt eS dem matten Witze eines sich aus Klattau herschreibenden Krltikaksters, dieselben Misstände in Schutz zu nehmen. Wenn so die egoistische Gesinnungslosigkeit, mit sich selbst kokettirend, sich breit macht, da ist selbst für einen Dritten ein Wort der Einrede eine Pflicht. Um mit Ihnen Herr Kritikaster mit gleichen Waffen zu kämpfen, rnüßte ich Ihre Sprache wählen, die da ist die Sprache der Gemeinheit, Bornirtheit mnd der rohen Denunciation. Mit Ekel wendet. sich der Gebildete davon ab. Oder können Sie es läugnen, daß Ihre Verdächtigungen derart den Stempel der eigenen gemeinen Gesinnung tragen, daß selbst die moderne Schubbeze eines fein „distmktiorürtcn Rabbi" dieselbe nicht bedecken kann? — Ich meinerseits glaube, daß uuter dem Ausdrucke „bedeutende Persönlichkeit" eine rein beziehungslose, rein subjektive Bedeuteuheit durch die persönliche Intelligenz zu verstehen sei, und dieses somit eine Behauptung gewesen, die Sie in Ihrer Schnlklopfer-Philologie doch eigentlich selbst unterschreiben. — Wer ferner beit Muth hat, frei gegen verjährte Uebelstände, gegen Ignoranz, Arroganz in den -Kampf zu treten, der ist allerdings ehrenhafter , als der kahmbuckelnde Speichellecker, der um den Preis einer Kabbala oder erschlichenen Hattara die Verwahrlosung unserer armen Jugend in Schutz nimmt. — Fürwahr! Wem bei dem Anblicke der gebrandschatzten Bnezions- Prüflinge nicht das Herz im Leibe bricht, der hat eine vertrocknete Birne an der Stelle des Herzens im Leibe und es gehört viel Schamlosigkeit dazu, damit den Prahlhans zu machen. — Oder ist es Ihr Bedauern, daß Sie nicht die „bedeutende Persönlichkeit" sind? Auch ich bedauere Sie — dw:u VS Dy >5! Ich sage Ihnen, Hr. Kritikaster, jener flüchtige Reisende hat seine flüchtigen Reisebilder gar scharf und treffend skizzirt — daß Sie in ihrer hausbackenen Altklugheit in Jahren so viel nicht sehen wie Jener im Fluge erfaßte, das — ist freilich nicht ihre Schuld; dazu gehört mehr, als die Fähigkeit pur exellenee ordinäres Kehilagektatsche auf die Kanzel und in öffentliche Blätter zu bringen. Der Pilsner verdient den aufrichtigsten Dank, so wie er gerecht dein bescheidenen Verdienste bescheidenes Lob btos zollte; er hat nicht zu viel und nicht zu Viele gelobt und hätte derselbe einen größer« Kreis umschauet, es hätte manches anerkennende Wort noch Platz finden können. Jndeß dürfen wir wohl hoffen, daß jene Skizzen btos der Anfang einer Rundschau gewesen, deren Fortsetzung wir entgegen sehen und dazn auffordern; denn lvir hoffen, daß der anSgestreute Same des Guten an dem gesunden Sinn unserer Gemeinden einen bessern Boden finden werde, als daß nur das, allerdings am schnellsten ausschießende Unkraut Ihrer Repliken dessen Frucht sein sollte. — Wohl soll es anders werden. Wohl darf fortan die Fähigkeit einen pegimalosen Chaüf herzustellen nicht die Berechtigung geben, unserer Jugend das Messer an die Kehle zu setzen. Wohl müssen fortan unsere Lehrer fähiger zum Unterrichte sein, als Freund Klattaucr zum Korrespondenten eines anständigen Blattes. Aber das alles berührt große Geister nicht. Der Prätendent der bedeutenden Persönlichkeit hat ,,g eläch elt" — und o! glücklicher Klattaucr Kreis mit seinem lächelnden Weisen! — Ob ich Ihnen Unrecht gethan, doppelt unrecht vielleicht — dies möge Ihre Umgebung entscheiden. „pHiO W'! — FrcmkfttrL a» M. 1. Septbr. Ich Lheile Ihnen hier eine Reihe von Polemiken mit, die zwischen einem Orthodoxen und einem Mitgliede der R. - V. in der Didaskalia und in der Hanauer Zeitung durchgekämpst worden. Hier folgen sie: U Frankfurt, 17. August. Ein Wortführer der Rabbinerversammlung will derselben in der Beil, zum Franks. Journal Nr. 228 darin ein Verdienst vindieiren, daß dieselbe den Beschluß gefaßt, daß der Sabbat vor dem Staatsdienste weiche. Derselbe Grundsatz gilt aber schon von jeherUm talmudischen Iudenthum und ist von allen alten Rabbinen gelehrt worden, z. B. schon unter Kaiser Joseph II. von den