Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1846)
- Date
- 1846-09-17
- Page
- Seite 295 (sequence 5)
- Language
- German
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295 mals keine Taufe im Winter vornehmen lassen, weil eine Erkältung vielleicht zu furchten wäre. — Breslau, 7. Sptbr. Unser öffentliches, so zu sagen geschichtliches Gemeindeteben, von dem Ihr Blatt so viel zu berichten hatte, leidet jetzt an Abspannung und Erschöpfung. Die Konservativen triumphiren nicht mehr über die vollständige Niederlage ceSNäbbinerkoneils, weit hierdurch für einen gesicherten, der Willkür eines kapriciösen Vorstands und der Frivolität eines reformsüchtigen Rabbiners entzogenen Zustand des religiösen Lebens noch sehr wenig gewonnen ist. Die Reformer jammern auch nicht mehr über den Trenbruch der R.-V., sie wissen jetzt, daß ihnen voll dieser Seite kein Heil erblüht und „Pfaffe bleibt Pfaffe", er mag für oder gegen seine Religion thätig sein. Diesen goldenen Spruch können Sie jetzt von mancher Seite hören, wo man noch vor kurzer Zeit auf die Unfehlbarkeit nllscrs Reformpabstes geschworen hat. Aller Augen sind jetzt auf die Frankelsche Theologen-Versammlung gerichtet, die, wie sie auch ausfatlen mag, von vorne herein, durch ihr Prinzip, daß Laien Gleichberechtigung mit bestallten, besoldeten Rabbinern, Predigern und Religionölehrern haben, Sympathien für sieh erweckt. Nur durch lebendige und tutmittelbare Betheiligung von Laien kann das wahrhafte religiöse Bedürfniß der Gemeinden, wie der Einzelnen herausgefunden werden, was durchaus nicht durch Ad re sse n geschehen kann, weil diese nur gar 311 oft von den' Mitgliedern der Versammlung selbst allsgehen, daß das, was als Bed ürfn i ß der Gemeinde hingestellt wird, eigentlich nur das Bedürfniß der Hierarchen ist. Es wäre daher im Interesse des Inden thums und der Gemeinden wüuschenswerth, wenn sich die Gottlob noch immer vorhandenen theologischgebildeten Laien recht zahlreich bei der T.-V. betheiligen möchten, wodurch die Acngstlichkeit mancher Theilnehmer an dieser Versanunlnng, die nach dem Urtheil des Zionswächters lauschen, überwunden werden, und auch diese gcnöthigt wären,'sich so ansznsprechen, wie es ihnen ums Herz ist. In unsrer Gemeinde und in Schlesien bilden sich Komitö's für das Interesse der Theologen- Versammlung, die freiwillige Beiträge entgegen nehmen, und sie daun der Versammlung zu überlassen gedenken, davoll Gebrauch zu machen. Besonders soll der literarisch berühmte Friedenthal, der seinen Ansichten mid Handlungsweisen nach konservativ ist, eine bedeutende Summe für die T.-V. bestimmt haben, eine That, die den Vorwurf von den Konservativen abwälzt, als feien sie nicht im Stande, Geldopfer für ihre Ueberzengungeu zu bringen. — Schade nur, daß die Zeit zur Versammlung so nahe bevorsteht, es wäre vielleicht rathsam, wenn die Versammlung noch aufgeschoben würde, dadurch würde den Gemeinden Zeit gelassen sein, ihr Interesse au der Versammlung durch Wort und That an den Tag zu legen. — Wie man sich hier erzählt, soll Dr. Geiger geneigt sein, sich zn der F. Theologcn-Versammlnng zu melden oder sich bereits gemeldet haben, um auch andere nlinder mutbige Mitglieder der R.-V. nachznzichen. Wer G.'s öffentliche Handlungen von Anfang all mit wachsamen Auge beobachtet hat, wird diesenrGerüchte glauben schenken. Hamburg, 8. Sptbr. Der weise Salomon will zwar, daß man gewissen Leuten nicht antworten soll, selbst auch ihrer eisenmengerischen Verläumdung nicht; weiln aber diese Leute so offeilbar lügen, soll man da auch noch schwelgen, oder soll die Nachwelt glanbeli, daß wir Alle geschlafen hätten? Darum sagt der nämliche Weife, es ist eine Zeit zu reden. Herr Dr. Stein sagt in seiner Entgegnung, tu Nr. 36 der A. Z. d. I.: „Wir erklären: eine geläntertere und würdigere Gotieserkenntniß, als sie klar und schlicht in der Bibel niedergelegt, und von M oseS, dem Manne Gottes, voll Jesaias und den übrigen Propheten u n s und der ganzen Menschheit gelehrt wurde, kann und wird es in Ewigkeit nicht geben". Nun zeigte mir mein Sohn von 4| Jahren, in der Bibel klar und schlicht medergclcgr, wie ein Mann in der Wüste, am Sabbat ein bischen Holz geklaubt habe, und der Mann Gottes ihn dafür steinigen ließ. Hat Moses nun im Sinne der hochheiligen Versammlung gehandelt? Gewiß ist nicht Eilier in dieser Versammlung, der nicht am Sabbat ein bischen Holz klaubt, wenn auch nur rimsich die Cigarre anznzünden; können sie nun den für ihren würdigen Lehrer anerkennen, der, wenn er noch, lebte, sie allesammt dafür steinigen ließe? Oder hat vielleicht Moses schon in der Wüste, den Sabbat ans den Sonntag verlegt gehabt, und darum das Holzktanben an einem christlichen Feiertag, als polizeiwidrig, bestraft? Auch die Propheten, sagt mir der Knabe ferner, hätten das Protokoll der R.-V. gar nicht beherzigt, obschon sie, als Propheten wußten,, wie inbrünstig sie der Herr Dr. Stein verehren werde. Da wäre unter Andern ein gewisser Ke r m ij a h u, der geberde sich gewälriglich als die Landesleute am Sabbattage zu Markte kamen, und sprach: „Also hat Gott geredet! Hütet Euch für euer Leben und traget keine Last am Sabbattage rc. und thnt keinerlei Arbeit, sondern heiligt den Sabbat wie Ich cs Euren Vätern geboten". Haben der liebe Gott und seine Propheten gar nichts von der Erleichterung gewußt, die die R.-V. beschließen werden für diesen Tag? —1 Warum hat Moses so schlicht und klar seine Worte niedergelegt, und will sich gar nicht vom Platze rühren? Aber sagt aufrichtig, gehen die Berliner Reformer nicht klüger und ehrlicher zu Werke, sie lassen Moses und die Propheten ganz zur Seite liegen, gehen ihren eigenen Gang, und sind ihre eignen Ahnen. Da nun Eure Gaonim alle dort hin gingen, ihnen den Hof 38 *