Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1846)
- Date
- 1846-09-17
- Page
- Seite 294 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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294 VIH. Gebot sein es DekalogS lautet: >,Du - sollst'deinem Rabbi kein falsches Zeugniß nachweiseil". Wenn es daher schon ganz und gar nichts "Auffallendes hatte, die Herren, welche so gar gern die Nolle der Repräsentanten des Fortschritts spielen, mochten jeden Menschen und jede Sache,, so ihnen im LÄge steht, als „orthodox" verschreien und z. 23* die in offelltlichen Blättern erschieliene Protestatio» von 1845 gegen alle anmaßtiche Herrschaft, von welcher Seite solche auch angestrebt werde, wie nicht minder deren Verfasser, als dem Bunde, der Finsterlinge angehörend verdächtigen zu sehen: wenn es ferner ganz vollkommen in den priestertichen Kran: taugte, die häufigen dringendeir Mahnungen an die zweite R.-V., sich doch endlich einmal durch Aussprechnng eines bestimmten Prineips, besonders über den Talmud — wie es Dr. Formstecher redlich genug beantragte— um die öffentliche Dichtung zu bewerben, — für feindselige Angriffe auf die R.-V. auszugeben; so ist cs denn auch als etwas ganz Gewöhnliches zu betrachten, daß ein Wortführer der R.-V* in Nr. 241 der D. A. Z., (Art. Breslau) und ein Ditto in Nr. 36 der A. Z. d. I., die Insinuation hinstellte, die Protestatio» gegen die R.-V. sei von Einem (?) Manne ausgegangen, der vormals für die 77 orthodoxen Protestirenden geschrieben habe — eine Unwahrheit, die auch noch in einem andern jüdischen Blatte, dessen Name mir entfallen, enthalten ist. Ich der Koneipient der erwähnten „Verwahrung", erbiete mich daher, demjenigen Rabbiner, welcher den Beweis liefert, daß ich jemals einen Aufsatz oder Artikel zu Gunsten des Systems der 77 in ein öffentliches Blatt geschrieben oder sonst verfaßt und herausgegeben habe, natürlich vorausgesetzt, daß der Rabbiner nicht etwa einen seiner Herrn Kollegen bei der Beweisführung als Zeugen gebraucht, eine Prämie von hundert Gulden aüszubezahlen. Bis dahin, daß ein Rabbiner diese Prämie verdient haben wird,, ist und bleibt jene Behauptung nichts als — eine pfäffische Erfindung. L. H. Löwenstein in Frankfurt a. M. Breslau, 30. Aug. Gern möchte ich Ihnen, geehrter Herr Redakteur, etwas ganz Interessantes rnittheilen, aber ich fürchte, Sie werden es nur nicht glauben, und wenn ich es auch Ihnen bctheuercmmd beschwöre. Und kann ich eS Ihnen diesmal verargen? Wollte ich doch meinen eignen . Augen, die cs in der nächsten Nähe gesehen, nicht trauen, wenn es nicht meine Ohren von allen Anwesenden es bestätigen gehört hätten. Aber ich will es wagen, vielleicht sind Sie leichtgläubiger als ich, öder vielleicht haben Sie mehr als ich das Vergnügen oderMisvergnügen, unsrer modernen Rabbiner undRabbinerchen zu kennen,, wie kühn und herrisch sie zu schwatzen und selbst der: Kampf mit Windmühlen nicht zu scheuen pflegen, wie hasenfüßig; fte aber sind, wenn es zur That kommt, und selbst die Nachreden einiger Todtengräber nicht mit Muth ertragen können. Sie wissen gewiß, wenn Sie auch noch so wenig von der dritten R.-V. wissen wollten, daß unsere sausten Rabbiner den wilden Ansbruch des Schmerzes, daß unsere göttlichen Seelsorger das ungöttliche Gebärden, die nynp nämlich, niemals gleichgittig znsehen konnten, und daher wurde fast einstimmig in der dritten Versammlung deutscher Rabbiner über diese unmoderne orientalische Sitte der Stab gebrochen, und sie für immer der Verdammnis' preisgegeben. -Und nun hören Sie und staunen Sie! —' An dein jüngsteil Freitag wurde der Vater eines Mitgliedes der dritten deutschen R.-V. zu Grabe getragen und der gute Sohn zerreißt vor den Augen Aller eine funkel, spunkel neue Weste, was dem Rabbiner Schauer erregte, wenn er es bei Andern znsehen, that er selbst mit eignen Händen! — Und das that ein Mitglied der Versammlung in der Gegenwart des Präsidenten der dritten Versammlung deutscher Rabbiner! Sie hätten gewiß das tiefste Mitleiden mit dem Präsidenten empfunden, wenn sie ihn. in diesem Augenblicke gesehen hätten; man konnte den gerechten Zorn .von feinem Gesichte abtesen, seine Augen rollten so wild, daß, wenn ich nicht die eiserne Konsequenz des Präsidenten gekannt, ich gefürchtet hätte , er würde vor Schmerz seine Kleider zerreißen. Und wahrlich hat es der Präsident der dritten Versammlung deutscher Rabbiner, der zu Ehren der Versammlung die Rolle eines Konservativen so ausgezeichnet gegeben hat, bei seinen Kollegen es sich verdient gemacht, daß man vor seinen Augen nicht das thue, was ihn so sehr schmerzt. Aber ich will nicht länger mit eine!» Rabbiner rechten; die nächste R.-V. wird gewiß was Recht und Billigkeit fordert, thun, sie wird ihn auklagen, verurtheilen und vielleicht 31t der harten Strafe verdammen, bei einer jedesrnatigen R.-V. erscheinen zu müssen. — Vor etwa vierzehn Tagen ist hier zum zweitenmal der Fall vorgekommen, daß ein jüdischer Vater an seinem ihm gebornen Knaben die Beschneidung nicht vollziehen ließ, und zwar wurde als Grund dafür angegeben, daß vor Kurzem erst hier ein Kind durch die Beschneidung gestorben sei. Diese Nachricht haben auch einige Ritter des hiesigen Reformvereins, gesegnet sei ihr 2(ntcnfiuiy in allen Blättern anSposannt. Es lag ihnen diesmal. wie bei allen ihren Berichten nicht daran, die Wahrheit mitzutheilen; denn es wäre ihnen ein Leichtes gewesen von dem Arzte, der das Kind behandelte, das Richtigere zu erfahren. Das Kind war schon früher krank, und wäre wahrscheinlich, wenn die Operation der Beschneidung an ihm nicht ausgcübt.worden wäre, auch gestorben; kaum glaublich ist cs aber, daß das Kind durch den geringen Blutverlust allein, den es erlitten, gestorben wäre. Daß aber kranke Kinder nicht beschnitten werden dürfen, weiß Jedermann, sollten aber die Herren Reformer zu einer altzugroßcn Aengstlichkeit geneigt sein, so wäre ihnen anznempfehlen, daß sie einst-