Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1846)
- Date
- 1846-09-10
- Page
- Seite 291 (sequence 13)
- Language
- German
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291 ft d) der Th.-V. an sch ließen wollen. Sollte sich dies bestätigen, so würde es voll dem gesunden Sinn einiger Mitglieder zeigen, die Alles prüften und das Beste behielten. Uebrigens herrscht ein allgemeines Interesse für die Theologen-Versinnmiung und man verspricht sich eine rege Theilnahlne der Gemeinden. Die Prozeßk'ostcn mancher Gemeinde in Reformsachen könnten am besten als Beisteuer zur Theologenversattlmlmtgskasse verwendet werden. . Schwersenz, 17. Aug. Die Bereitwilligkeit, mit der Sie stets das wahrhaft jüdische Interesse Bezweckende I aufuehmen, läßt mich hoffen, Sie werden auch Nachfotgendem die Spalten Ihres geschätzten, weithin verbreite- I ten Blattes öffnen. j’ Als vor drei Jahren die erste Kunde von einer bevorstehenden deutschen Rabbinerversammlung in hiesiger Gegend anlangte, ehe noch die desstructive Richtung, welche dieses Institut später einschlug, auch nur geahnt § wurde, hatte diese Idee hier unter den Intelligenten, die es zugleich ernst mit der Religion unserer Väter meinen, viel Sympathie erregt, denn man erblickte in ihr das Mittel zur Hebung der gesunkenen Religion, zur Bekämpfung und Verdrängung des eingerissenen Jndifferentismus einerseits und der Zerstörnngswuth des Frankfurter Reformvcreins anderseits. Auch ich hatte damals einen hebräischen. Aufruf an sämmtliche Rabbinen des Großherzogthmns Posen abgefaßt und an die Redaclion der atlg. Z. d. Judentb. gesandt, von einem Schreiben begleitet, aus dem ich hier folgende Zeilen aushebe: ,,Gefreut hat es uns, daß Sie Ihre Aufforderung nicht nur an säuuntliche Rabbiner Deutschlands, sondern auch an die auswärtigen, die nahen und die fernen, ergehen ließen, und nicht sowohl an die Vertreter einer gesonderten, abgegräuzteu, religiösen Richtung als vielmehr an die Repräsentanten aller Glaubeusnüaneen, wohl einsehend, daß, wenn die Beschlüsse einer solchen Synode als aus dem Judenthume selbst hervorgegangen betrachtet werden sollten, diese auch alle in dentselben kund gewordenen und sich heransgestellten Richtungen und Ansichten, insofern diese wirklich auf Judcnthum basiren, invotviren müsse. — Doch hat gerade die klare Einsicht, daß Allseitigkeit der Hauptnerv einer zweckdienlichen Synodalberathung sei, bei Vielen die Besorgniß erregt, daß gerade daran auch dieses Projekt, wie schön immerhin ersonnen, ebenso wie scholl so viele andere in neuester Zeit scheitern würde, da am Ende dieses ganze, ohnehin mit so vielen Schwierigkeiten verbundene Unternehmen auf Einseitigkeit hinauslanfen dürste. Schwerlich werden, nämlich viele der im anerkannten Rufe der Orthodoxie und großer talmudischer Gelehrsamkeit stehenden Rabbiner ihren Beitritt zusagen, ja ich zweifle, ob namentlich aus unserer Provinz auch nur einer beitreten werde. Vielen derselben, wird Ihre Aufforderung wohl noch, gar nicht.zu Gesicht gekommen sein, bei Andern geht ein derartiger Ruf aus weiter Ferne spurlos vorüber. Ich habe daher in den: beigefügten hebräischen Aufsatze versucht, ob eine Aufforderung aus ihrer eigenen Mitte, eine Aufforderung von einem, wenn auch mir dem geringsten ihrer Kollegen aus derselben Provinz, nicht besseres Glück unter meinen ^diesseitigen Amtsbrüdern machen sollte. Vielleicht dürsten auch die heimischen Klänge unserer heiligen Sprache nicht wenig dazu beitragen, ihre Aufmerksamkeit aus den beugten Gegenstand zu lenken und zu fesseln." Dieses Schreiben war vom 20. März 1644 datirt. Obwohl nun aber dies Alles, wie es schien, vom Redaetenr der gedachten Zeitung wohlgefällig cntgegengenommen worden war, ja Herr Dr. Philipp so n mir sogar in einem Briefe mittheilte, daß cS schon in Nr. 15 abgedruckt werden soll, so hat die Sache doch später auf hier nicht zu erörternde Hindernisse gestoßen, so daß inzwischen die erste N. V. in Braunschweig abgehalten worden. Daß ich dann, als die Alles zerstörende Tendenz jener Versammlung offenkundig ward, von einer Gemeinschaft mit diesem Institute nichts wissen wollte, mich gänzlich zurückzog und passiv verhielt, wird man in der'Ordnung finden. Jetzt hat der Aufruf Frankels zu einer Theologen- Versammtung wieder einige Hoffnung bei mir angeregt, aber ich gestehe, dieselben Besorgnisse, die ich in dem oben mitgetheilten Schreiben ausgesprochen und die sich später als gegründet herausstellten, hege ich auch in Bezug ausdiese Theologen-Versammluug. Trotz der bekannten Gcsmmmgstnchtigkeit des Herrn. Dr. Frankel, und seines warmen Eifers für das Wohl dcS Jndenthums behaupte ich dennoch: So lange nicht auch die Thcilnahme zahlreicher, anerkannter Vertreter der Orthodoxie sich diesem Institute zuwendet, können solche einseitige Ergebnisse sich nicht als dem wahren Boden des Jndenthums entsprossen ankündigen und auf praetische Realisirung Anspruch machen. Man wende mir nicht ein: die Orthodoxie will ja nichts abschaffeu, nichts aufheben. Darauf habe ich eine doppelte Antwort. Zuvörderst: Besteht denn Verbcffem nur ' im Negiren? im Abrogiren? lassen sich nicht vielmehr auch positive Verbesserungen denken, deren Früchte um so gedeihlicher unb segensreicher sind, als man nicht erst zerstören muß, um zu schaffen, nicht erst uiederzureißeu hat um aufzubauen. Mehre solche Verbesserungen habe ichin folgendem Aussätze gezeichnet, mehre andere habe ich in eitler Unterhaltung mit dem Oberrabbiner Eger zu Posen aus dessen Munde vernommen, deren ich jedoch hier nicht erwähne, um etwaigen Selbstvorschlägeu seinerseits nicht vorzugreifen. Und dann: was die Orthodoxie nicht ändern will, das kann sie gewöhnlich nicht wollen, das hat sich aus D^pD^ dV als unantastbar erwiesen. Ob aber irr einer gewissenhaften, Lalmudischgelehrten Bcrathung wirklicher Capacitäten in diesem Fache nicht martche wohlüberlegte Verbessermtg gerade "dp