Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1846)
- Date
- 1846-09-10
- Page
- Seite 292 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 292 — , Q'jMOl erzielt werden könnte, das ist noch die Frage, das ist wenigstens noch nicht versucht worden. Doch befinden wir uns hier allerdings auf einem ganz andern Standpunkte als die Tageöreformer. Diese treten von vorn herein mit der Gewißheit zusammen, es muß reformirt werden können, das Leben fordert es , die min sowohl als die baots" ^"UD, Alles muß sich den Verfügungen dieses gestrengen Herrn bequemen. Aber anders verhält es sich hier. Hier werden vor Allen die Lehrer unseres Gesetzes um Rath gefragt, was diese unbedingt verwerfen, das ist, darauf kann gerechnet werden, auch keine Verbesserung, wenn es uns auch so scheinen mag. Hingegen wird sich uns vielleicht Manches ergeben, daß sich auf diesem gewissenhaften, wissenschaftlichtheologischen Wege, und vielleicht auch nur auf diesem, erstreben läßt. Nachstehendes ,,Sendschreiben*) an sämmtliche jüdische Theologen des Großherzogthums Posen und des benachbarten Schlesiens^ hat znm Zweck, diese Herren zur Theilnahme an der Franketschen Versammlung aufzufordern. Die spcciellen Vorschläge sollen dazu dienen, um zu zeigen, daß wir auch auf orthodoxem Standpunkte einer derartigen Zusammenkunft nicht entbehren können. Ich bitte Sie daher, hochgeehrtester Herr Redaeteuer, dasselbe geneigtest in voller Integrität bald abdrucken lassen zu wollen. So eben lese ich in Nr. 31 des Orients (durch Buchhändlergelegenheit verspätet) den Beitritt einer Anzahl namhafter Theologen, unter denen in der That recht viele in anerkanntestem Rufe der Orthodoxie und großer talmudischer Gelehrsamkeit Stehender; um so herzlicher würde es mich also freuen, wenn es mir gelingen sollte, diesem wichtigen Unternehmen durch mein Sendschreiben eine noch allgemeinere Theilnahme zuznwenden. D. H. Joel, Rabbiner. I t a l i e n. Ferrara, Aug. Pius IX., der von der katholischen Christenheit so sehr gefeierte Pabst, hat auch unter den jüdischen Bewohnern des Kirchenstaates großen Enthusiasmus erregt. Man sieht es ein, daß die Interessen der Juden mit dem neuen Aufschwünge der Ideen eng Zusammenhängen, und kann es daher nicht überraschen, wenn diese Begeisterung für den Antritt des rftüen Kirchenoberhauptes sich auch bei den Juden in Worten ausspricht. Es sind hier erschienen: 1) Ritratto poetico di Pio IX. „dichterisches Portrait von *) Das schöne und ausführliche Sendschreiben, da es ganz hebräisch, kanr 'ch aus typographischen Rücksichten nicht aufnehmen. ' Red. Pins IX,", von Dr. Mose Leone Fi n z i. Die letzten Züge werden bezeichnet durch „sanft im Strafen, im Verzeihen ein Gott, dies ist das wahre Bild Pius'" (dolce in punii*, in perdonar, un Dio, qnesla e la vera immagine di Pio). 2) Sonett zur Thronbesteigung Sr. Heiligkeit des Pabsteö Pius IX., von L. V. Levi, Die letzten Zeilen lallten: „Auch Jsrael's Zungen bleiben nicht stumm; in wahrem nild ehrerbietigenl Jubel preisen sie Deine Großmnth und Tugend" (ue sk.au 1e lingue d’Israello müle: cou giubilo yerace e reyerenle esallan TUA magnanima yirtule;. 3) Sonett zur Verehrung Pins' IX., von Aruoldo Ven iziani. Die Schlußworte lauten: „Er, der Großmüthige, der uns jetzt regiert, mit Tugend, Güte und erhabenen Gesinnungen, ist der Gegenstand der Liebe und der Unsterblichkeit" (Li maguauimo ch' ora De goyerna, con yirtude, clenienza, ailo senlire, fassi ogetlo d’amor,. e s’ ineterna). Die Juden Des Kirchenstaates nähren die schöllsten Hoffnungen, sie leben der Zuversicht, daß der Geist der Reform auch ihre beklagenswerthe Stellung verbessern, Druck und Elend won ihnen entfernen werde. Daß sie nicht getäuscht würden! Schöner könnte Pills IX. seine humanen und Freiheit athmenden Gesinnungen nicht darlcgen, als wenn er die Sklaven des Ghetto zu freien Menschen machen und die Flecken der Geschichte allsmerzen würde. Die erste Reform dürste die Abschaffung jenes schändlichen Schauspieles sein, das alljährlich den römischen Pöbel belustigt und eine Schmach für unser Jahrhundert ist. Perfonalchronik und Miseeüen. Rom. Mit Verwunderung bemerkt man jetzt jüdische Läden außerhalb des Ghetto. Dieser erste Fortschritt auf dem politisch socialem Gebiete ist die zweiteFrucht der neuen päpstlichen Regierung. Berlin. Das neue Judengesetz soll bald ausgegeben werden und demselben zufolge sollen Dissidenten gestattet werden, wenn sie sich an die Communallasten betheiligen. ch Wien. Groß-Hoffinger, der sich zu einem politischen Märtyrer stempeln möchte, schimpft wacker auf die Juden. Schöne Freiheit, die die Unduldsamkeit zum Aushängeschild hat. London. Alle gesetzlichen Schranken des Mittelalters sind in Beziehung auf die Juden gefallen, sie sind bis auf die Wählbarkeit zum Parlament — gleichgestellt.