Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1846)
- Date
- 1846-09-10
- Page
- Seite 289 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360418-2360456--5588-3532534- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
289 läu Ler ten und wü r d i g e r e n G o t j e s e r k e n n t n i ß hiutragen^, sie geben dadurch allerdings zu erkennen, daß sie uns weit, sehr weit voraus sind ^). Denn wir erklären: eine geläutetere und würdigere GoLteserkenntniß als diejenige, welche klar und schlicht in der Bibel niedergelegt, von Moses den: Manne GotteS, von Jesaias und den übrigen Propheten uns und der ganzen Menschheit gelehrt wurde, kann und wird es in Ewigkeit nicht geben. Die Herren würden den richtigen Ausdruck getrofferr habet!, wenn sie statt von der Gotteser k e n n tn i ß von der äußern GotteS v e r e hr u n g gesprochen hättenu). — Qfm Schlüsse ihres Manifestes erklären die Herren Verwahrer, daß sie feierlichst von der R.-V. sich lossagten und nunmehr ihren eigenen Weg gehen wollten'^). In billiger Verwunderung fragen wir dagegen: und bisher, meine Herren, gingen Sie nicht Ihren eigenen Weg? und konnten Sie ihn etwa rlicht gehen? Nennen Sie doch die Mitglieder der R.-R., die Ihnen irgendwie und wv verdammend oder ansschließend in den Weg traten?33) Sie wollen fortan 32) Ohne Zweifel, und dazu bedurfte es wahrlich keiner Siebenmeilenstiefel, und noch'weniger mußten wir da, wie unser Herr Ketzerrichter meint, „ziemlich das ganze Iudenthum sehr weit" Hinter uns zurücklasten. Wirerkennen weder in Ihrer Orgel, noch in Ihrem, selbst am Sabbat zu blasenden Schofar, noch in Ihren noch in euern projektirten „Vereine zur Herstellung einer würdigen Sabbatsfeier", troch selbst in Eurer jüdischen Fakultät in spe das „ganze Iudenthum", sondern nur eitel lächerliche und abgeschmackte Dinge. Ist -as deutlich genug? oder verlangt ihr etwa eine noch ausführlichere Erklärung? Sie wird sobald sie erforderlich, nicht gar lange auf sich warten lassen. 33) Wohl aber eine weit, weit geläuterrere und würdigere als die Eurige, wiewohl Ihr Euch für die Nachfolger der r6n.in DDJD '&SON* ausgebt. (Bergl. Stein's Schrift: „die Rabd.-Vers." S. 5, 9—100 34) Mit nichten, Herr Rabbiner l Der Strom der Zeit wird auf seinen kühnen, heiligen Wellen, mit Hilfe des Allerhöchsten , die Söhne unsres Jahrhunderts an das hohe Ziel einer reinern Gotteserkc n n tniß führen, welche die Komödie eurer sogenannten Verbesserung dessen, was ihr und eure Nachbeter eine „Gottes v e re h r u n g" benennt, überfleißig macht und sie höchstens eines mitleidigen Lächelns würdigt. Wir haben einen zu klaren Begriff von wahrer Gotteserkcnntniß, wie sie von Moses und Jesaias gelehrt worden, als daß wir sie mit eurer „Gottesverehrung" verwechseln könnten. 35) Dieser Ausdruck, den Hr. Stein zum Stichworte wählt, ist beiläufig bemerkt, in der „Verwahrung" nicht gebrauch: worden. Thur nichtö; auch seine „Vorgänger" darschten über „herbe" Midraschim und Rambams, die sie —- selbst fabricirt hatten. 36) Wir waren und sind so frei, unfern eignen Weg zu gehen, und wir fühlen uns dazu um kein Haar minder berechtigt als ihr. Denn sobald ihr nur in Einem Punkte von dem Vorgeschriebenen und Hergebrachten abweichet, konntet ihr euch blos auf eure richtigere Ansicht, aus gesundere Exegese, d. h. auf eure Vernunft berufen. Je nun, unsre Vernunft stammt ebenso gut von Gott her als die eurigej auf die Beschlüsse unserer Versammlung keine Rücksicht nehmen; die Hand auf's Herz, meine Herren! in welchem Falle hätten Sie denn jrr auf unsere Beschlüsse Rücksicht genommen?37) Wenn Jemand sich, durch innere oder äußere Motive genöthigt sieht, Lei schwebenden Religionsfragen die Beschlüsse einer Synode abzuwarten, um sich im praktischen Leben darnach einzurichten, dann mag ein solcher, so jene ihm kein Genüge leisten, und er ihnen nicht Nachkommen will oder kann, feierlich und laut erklären, damit man sein geändertes Benehmen zu würdigen wisse, daß er dieser Synode den Gehorsam kündige und von nun an seinen eigenen Weg gehen werde. Allein wie unter uns die Sachen stehen, werthe Herren! wahrlich da war ein solches Ereifern, daß Sie fast Ihre Rabbiner exkommunicirt hätten'^), gelinde bezeichnet, höchst unnöthig. Uebrigens können wir im Interesse unserer heiligen Gemeinde den Wunsch, ja das Verlangen (!) nicht unterdrücken, die Namen s ä m m t li ch e r Herren Unterzeichner jenes Manifestes durch den Druck verb p*TO , TO D'lNtP mcm. Wir übersehen übrigens Andeutungen nicht wie die der „A. Z. d. I." Nr. 33, wo ganz naiv gesagt wird, es seien zwar in der Gemeinde zu Breslau „allerdings, wie natürlich, (und folglich doch gewiß auch sehr berechtigt!) die verschiedenartigsten Richtungen Vorhänden", allein das werde, versichert das Rabbinerorgan, „nach dem bald emanirenden (preußischen) Ges setze aufhörenll! Caveant Consules! 37) Die Hand auf dem Herzen, ganz nach Ihrem Kommando, Herr Rabbiner, erklären wir, daß wir allerdings in keinem Falle auf Ihre Beschlüsse ja Rücksicht genommen hätten, sondern daß wir gerade im Gegentheile stets nein darauf Rücksicht nehmen, und nein Respekt davor haben werden. Sie haben sich zwar oben auf die von „allen Gebildeten" unterschriebene Huldigung von 1845 berufen; aber die Hand auf's Herz, Herr Rabbiner, die Floskeln jener erhabenen „Adresse" waren von den Unterzeichnern nein ernstlich gemeint, sondern cs waren denselben die Unterschriften ja durch allerlei Zudringlichkeiten abgenöthigt worden, was aber so bald nein wieder gelingen dürfte, denn, aufrichtig gesagt, man geht hier seinen „eignen Weg" und thut ja sehr woh! daran. 38) Die Unterzeichner der „Verwahrung", die sich um „ihre Rabbiner" gar nichts kümmern,, hatten bei ihrem Schritte lediglich die Absicht, sich von ihnen zu „exkommuniciren", d. h. ihnen die norün aufzukündigen und sie zu verabschieden, auf daß diese „Geistlichen" „ihren eigenen Weg gehen mögen, wie auch ihre „Protokolle" den Weg alles Makulaturpapiers gehen. Ob wir dafür von „unfern Rabbinern" mildem Banne belegt oder exkomwunicirt werden, wollen wir mit stoischer Gelassenheit abwarten. Ihre Rabbiner! und noch dazu im Plural! Also seid ihr in Masse, und nicht etwa blos ein Einzelner aus eurer Mitte, unsre Rabbiner! Glaubt ihr schon so weit zu sein, daß eure Versammlung sich uns in corpore als unsre hierarchischen Herren und Meister, als unser Sanetum Concilium aufdrängen könne? Sachte, unsre Herren „Geistlichen!" wir leben im Jahre 1846. -pyn ni yvin nt