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Der Orient · 1846-09-10 · Heft 37 (10.9.1846) · p. Seite 288

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 37 (10.9.1846)
Date
1846-09-10
Page
Seite 288 (sequence 7)
Language
German
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- 288 - t heiles em, welche ein mit unfern christlichen Mitbrüdern gemeinsam zu begehender wöchentlicher Ruhetag mit sich fuhren mußte; wir bedauern tief die hier bestehende Trennung, noch tiefer, daß sie jemals für nöthig ist befunden worden. Wenn aber die R.-V. erklärte, daß die Aushebung jener Trennung nicht in ihrer Macht stehe, hat sie deshalb den Sabbat als einen separatistischen Ruhetag bezeichnet, was doch mit andern klaren Worten sagen sott, sie habe an dem besonder» Ruhetag gerade das Trennende als ein Erforderliches hingestellt? Wenn Rabbinen die Verlegung des Sabbats auf einen anderen Wochentag weder mit ihrem Gewissen, noch mit der Ehrfurcht vor Bibel und Geschichte, noch mit dem Fortbestände des Judcnthumö, als einer positiven Religion in Übereinstimmung bringen körmen, so mag man dagegen mit Gründen streiten, seine abweichende Meinung klar und offen aussprechen, aber dagegen deklamircn ist unnütz, dagegen gar mit Wortverdrehung und untergeschobenen Motiven^) auftrcten unredlich^). — Endlich erklären die Herren Verwahrer schroff separatistischen Satz auszubeuten und dem gesawmten Juden thum zum Vorwürfe zu machen. Aber wir erheben laut und feierlich unfern Protest gegen jede Folgerung von diesem Satze auf unsere Gesinnungen, Allerdings hat der Gesetzgeber sein Gebot der Ruhe zunächst seinen Zuhörern, den Israeliten, mitgetheilt; allein er hat zugleich befohlen/daß auch (nichtjüdische) Sklaven und Sklavinnen und auch der (natürlich gleichfalls nichtjüdische) „Fremde" in Judäa am Sabbat ruhe, und Hr. Stein muß sich vorher in Widersprus^ mit aller gesunden Bibelauslegung setzen, weyn er etwa den talmudischen Spruch adoptiren will, wornach ein Heide, welcher den Sabbat hielt, des Todes schuldig wäre (n^n rQtW '»U WVD)! 27) Schön und erbaulich! 28) Nachdem Hr. Stein nunmehr unser „bezeichnet" desinirt hat, fragen wir jeden Menschen, der lesen kann, ob man nicht in der That mit klaren Worten „an dem besonder» Ruhetage gerade das Trennende als ein Erforderliches hingestcllt", w^enn man, wie der nämliche Hr- Stein, unmittelbar zuvor behauptet hat, der Sabbat sei nicht zur festlichen Vereinigung aller Menschen bestimmt, sondern er sei ringesetzt, „um die Genossen eines und desselben Glaubens inniger (als mit andern Menschen!) zu verbinden"!? ,29) Wortverdrehung und untergeschobene Motive sind die privilegirten oder eigentlich ordinirten Waffen unsrer geistlichen Herren und Meister, die sich, wie Figura zeigt, nicht scheuen, die „Verwahrung" von 1845 der „andern Seite" (dem jontt £OL3D) //in die Seele zu schieben", item Druckfehler aus Journalen aufzulesen, um mit solchem Unrath ihre Gegner zu bewerfen. Wir hüten uns sehr vordem Sakrileg, uns die Vorrechte unsrer Priester anzumaßen.. •) Wir werden unsere Meinung über diesen Gegenstand bei einer andern Gelegenheit des Nähern aussprechen, so wie auch über, manchen andern die dritte R.-V. betreffenden Punkt, worüber öffentliche Blätter theils falsche, therls falschaufgefaßte Berichte gegeben haben; so wie ich überhaupt das verehrliche Publikum und meine geehrten Glaubensgenossen inssich auH dagegen, daß wir förmlich über Dinge abgehandett hätten, die sehr weit hinter ihnen lägen. Was dies für Dinge seien, wird nicht näher angegeben'^). Nach dem Tone der ganzen 'Verwahrung - zu schließen, dürste z i e m l i ch das g a u z e I u d e n t h u m fehr weit hinter den Verwahrern liegen; denn sie, ,,die sich ergriffen fühlen von dcnl mäcC)ttejeu Strome, dessen kühne, heilige Welten alle Welt rings um uns her emporheben (w i c f ch ö tt 13l) und an das glückliche User, einer g & besondere bitte, ihr Endurlheil über diese Angelegenheit bis zum Erscheinen unserer „Protokolle" ’) aufzuschieben. Der Vers. *) Ist es ein IM, dieselben zu lesen? Eine schwere n W? 30) Mann der Beredsamkeit, der Sie mit süßer Rede und gewichtigen Gründen das klassische Institut der nnUsHSu!/ wieder in seine alten Rechte einsetzcen, der „Sabbat-Nichtjüdinnen" (denn das ist euer Ausdruck für „Christinnen"^, welche tief und fest in historisch-positivem Boden'wurzeln gleich der hochwürdigsten R-V., sollten Sie es für nöthig erachten, die ausdrückliche Erklärung zu erhalten, daß u. A. das „Institut" der 5WU-NÜL7 weit hinter uns liegt? 31) Ich habe Ihnen versprochen, Herr Präceptor, recht bald wieder bei Ihnen zu sein, um, nachdem ich Ihr Deutsch und Ihr Latein bewundert, auch ein wenig Aesthetik bei Ihnen zu Horen, nachdem ich Ihre enorme Bekanntschaft mit der Philosophie Spinoza's schon frühe und Ihre juristischen Kenntnisse bereits mehrmals anzustaunen Gelegenheit hatte. Es mag dem Schönheitssinn eines Rabbiners wenig Zusagen, sich das überall um sich greifende Verlangen nach Verbesserung als einen seine Ufer mächtig überschreitenden Strom vorzustellen, dessen Fluthen die auf dem niedrigen Boden Liegenden (sofern sie nur schwimm fähig sind und nicht entweder als tobt von dem Strome ausaeworfen oder von ihrer eignen Trägheit (me,-tia) abwärts gezogen werden) von der Erde emporheben und mit sich fortreißen. So ein Rabbi hat auch in der Lhat seine eigene Aesthetik, und wenn er sich unter seines Gleichen' befindet, so klatscht man ihm „rauschenden Leifasi", wenn er die erhabene Phrase vernehmen läßt: „Wenn wir den Sabbat aus den Sonntag verlegen , so werden wir am Freitag Abend das Jude n th u m zu Grabe tragen, um a m Sonntag Morgen — als Christen wieder a u f z u st e h e n." In einem Jrrenhause mögen ähnliche Floskeln. recht oft zu vernehmen sein; unter Menschen von gesundem Verstände aber denkt man: wenn wir das Juden thum Freitag Abends begraben, so liegt das Judenthum im Grabe, wir aber — die Todeengräbec — verrichten unsre Arbeit weiter und können schon deshalb Sonntag Morgens nicht als Christen aus dem Grabe erstehen, weil wir ja — niemals darin gelegen, sondern blos das arme Juden thum hineingelegt haben. Und das Juden thum steht doch wohl nicht gar „als Christen" wieder-auf! Hr. Stein hat sich hier einer so logischen Redefigur bedient, als wollte Jemand sich ausdrücken: „Wir jüdische Gemeinden haben ein Gänslein über Rhein, Elbe und Oder g-schickt, um — als Zigake wieder heimzukehren" — was offenbar unrichtig wäre, da bekanntlich nicht die absendenden und Reisegeld bezahlenden Gemeinden cs sind, die unverbeffert von der Reise zurückgekommen, — — ^TTlirriiaffrirrifi

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