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Der Orient · 1846-09-03 · Heft 36 (3.9.1846) · p. Seite 283

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 36 (3.9.1846)
Date
1846-09-03
Page
Seite 283 (sequence 13)
Language
German
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283 des ob cm Bergwaffers zur Last legen? Oder hatte die R.-V. wirklich in diesem Jahre den Tempel israelitischer Glaubensfreiheit in Trümmer geschlagen? Daun mußte diese Herostratie zu Breslau in stecksinsterer Nacht vor sich gegangen sein, denn bei hellem Tageslichte und vor den Augen der Welt hat.man nichts davon wahrgenemmen. Oder hat man dabei — wie denn allerdings im vorigen Jahre, nur von einer andern Seite her'-'), aber mit denselben Wörter: denselben Vorwurf gegen uns losgctassen wurdelü) , die Verhandlungen der früheren Versammlungen im Auge? Allein im vorigen Jahre haben sich ja Me gebildeten und aufgeklärten Männer der hiesigen israelitischen Gemeinde") zu 9) Sie sind hier auf einem Irrwege, weiser Rabbi, und ich beeile mich, Ihnen aus die rechte Fährte zu helfen. Nicht von einer andern Seite her kam die Protestation von 1845, sondern ganz von der nämlichen Seite, nicht das Partikularintereffe irgend einer Partei soll gegen eure Uebergriffe in Schutz genommen werden, sondern es soll, ebenso wie ihr - bei euern Verführungs- und Unterjochungsplanen allerdings „die gesammte Iudenheit" im Auge habt, die Gesammtheit unsrer Glaubensbrüder nach allen Richtungen hin von euch und euerm heillosen Treiben gewarnt werden. Man lese die Protestation von 1845 (Orient von 1845), und Nr. 117 des Franks. Iourn. und der O.P.A.Z.), man prüfe jedes, Wort und spreche dann ein Urtheil darüber aus, ob nicht jene wie die diesjährige „Verwahrung" lediglich im Interesse der. allgemeinen Denku n d Glaubensfreiheit geschehen-, die wir für alle Parteien, sofern sie sich nur in den Schranken der Duldung gegen Andere halten, in Anspruch nehmen. Im vorigen Jahre gelang das Kunststück, die „Verwahrung" als „orthodox" zu verschreien, wiewohl gegen solche Auslegung öffentlich protestirt wurde. Heuer ist diese Iesuitenlist auch abgenutzt und Ihr müßt auf was Brauchbareres sinnen. Die beiden Verwahrungen sind von Einem heiligen Grundsätze, dem der Glaubensfreiheit, ausgegangen, sie streben nach Einem Ziele hin, der Bekämpfung psäfsischer Anmaßung und — sie sind aus derselben Feder geflossen, aus einer Feder, welche von jeher Freiheit und Recht gegen Usurpation und Gewalt nach Kräften vertheidigt hat, und die weder den einfältigen Verketzerungen der „Frommen" noch den nichtswürdigen Verdächtigungen der Neujesuiten auch nur die allerentfernteste Berücksichtigung schenkt, sondern ihr einziges Ziel, das der individuellen Glaubensfreiheit, d. h. der Zurücksührung der Religion a u f i h r e ursprüngliche, reine Bestimmung als blos subjektives Verhältniß zwischen dem Menschen und seinem Gott, fest und unerschütterlich mitten in dem einseitigen Treiben der Parteien stets verfolgen wird. 10) Welchen Schatz edler und würdiger Ausdrücke doch so ein „geistlicher" Mensch besitzt l Seine Gegner erheben ein „Zetergeschrei", sie „stoßen in die Kriegstrompete" — während sie sich doch eigentlich nur gegen die Gemeinschaft mit „ihren Rabbinern" verwahren — sie lassen Vorwürfe los .... Und dabei das fortwährende Beschwerdeführen über „verletzende Ausdrücke", „Jnvektiven" rc.! 11) Gerne wollten wir Herrn Stein diese marktschreierische Schmeichelei gegenüber seinen Anhängern und Weihrauchstreuern von 1845 übersehen, womit er durch einen Feeiuor Adresse vereinigt, in welcher es unter anderen anerkennenden Worten heißt: ,,wir danken Ihnen, daß Sie alle persönlichen Rücksichten hintangesetzt, daß Sie vou Wifeindnngen und Mißdeutungen nicht zurückgegcschreckt; wir erkennen und bewundern Ihren ElaubenSmuth; nur selten wird uns ein solches Beispiel der Verleugnung des eigenen Interesses geboten."12) Wahrderzug allen denen, welche jene Huldigungsadresse nicht untcrzeichnet haben — also der Majorität der Gemeinde — Bildung und Aufklärung abspricht. Wir wollten ihm gern verzeihen, daß er z. B. den hochverdienten Veteranen I ohlson, den er so oft privatim mit Komplimenten überhäuft, und die v. Roths child, denen er erst jüngst in der Synagoge bei Gelegenheit der Trauung eines Komptoiristcn des R.'scheu Hauses die plumpsten Schmeicheleien gepredigt har, nichtzuden Gebildeten rechnet. Wir wollen Ihnen die Antwort auf die Frage erlassen, wen Sie denn eigentlich hier unter „allen Gebildeten, und Aufgeklärten" verstehen wollen, da ja, wie Sie zugeben, die eine Partei gegen'Sie protestirt, die andere aber ihre Huldigung unmöglich im Ernste gemeint, sondern blos den liebenswürdig zudringlichen „Präsentirern" zu Gefallen unterschrieben hat, indem sie ja in Wahrheit, wie Sie, Hr. Rabbiner, ebenfalls zugeben, eigentlich immer „ihren eignen Weg" gingen und in keinem Falle auf die Beschlüsse der R.-V. „je Rücksicht genommen hätten", wie Sie sich so deutsch als möglich ausdrücken. Wir wollen Ihnen das Alles hingehen lassen, daß Sie auch die angeblich zahlreichen Unterzeichner jener übrigens gar frostigen Breslauer Adresse nach Ihrer Weise so-ohne Weiteres „die würdigsten und fortgeschrittensten Männer" tituliren, welche superlative Männer ihre „innige Theilnahme aus eine glänzende Weise an den Tag gelegt haben" — obgleich darin wo möglich noch eine größere Anmaßung liegt als in Ihrer Bezeichnung aller hiesigen Gcbildeten als Anhänger der R.-V., sintemalen Sie sich doch in Breslau nur ganz kurze Zeit, und zwar mit mannichsachen Dingen beschäftigt, aufgehalten und unmöglich so schnell ein richtiges Urtheil über die Eigenschaften jedes einzelnen Unterzeichners und Richlunterzeichners erlangt haben können, indem doch die Breslauer jüd. Gemeinde, wie in der „A. Z. d. I." (Nr. 33) zu lesen, eine „höchst zahlreiche" ist. Aber was helfen Ihnen alle diese an Sie verschwendeten Concessionen? Auf Ihre große Frage, warum denn die Leute, die Ihrer Versammlung im vorigen Jahre Weihrauch streuen halfen, sich in diesem Jahre von ihr abwenden, haben Sie selbst bereits Ln Ihrer Predigt vom 7. August eine so trifftige Antwort gegeben, daß jeder Protest gegen die Annahme des von Ihnen angesprochenen Präjudizes überflüssig geworden. In jener Predigt vergleichen Sie nämlich die R.-V. mit einem Schuldner, der mehr. Verbindlichkeiten als Zahlungsmittelhat. Je nun, wir kennen einen Kaufmann, der sich in gleichem Falle und der sich gewiß mit Unrecht darüber verwundern oder beschweren würde, daß man ihm in diesem Jahre allen Kredit verweigert, obgleich man noch im vorigen Jahre seine Wechsel diskontirte! 12) Ihr, die ihr es jetzt so bitter bereut, euch im vorigen Jahre von den Phrasendrechslern zu dem übereilten Schritte der Unterzeichnung jenes pompösen Dokuments verleiten gelassen zu haben, seht jetzt, welcher Inkonvenienzen ihr euch ausgesetzr! Seht, wie recht jene Besonnenern hatten, die euch an die Möglichkeit erinnerten, daß ihr euch selbst an

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