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Der Orient · 1846-09-03 · Heft 36 (3.9.1846) · p. Seite 282

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 36 (3.9.1846)
Date
1846-09-03
Page
Seite 282 (sequence 11)
Language
German
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282 ' „E rklä nt n g. In Nr. L19 der Franks. OberpostamtSzeitttng befindet 'sich eine bereits.mit vielen (?) Unterschriften versehen sein sollende „Verwahrung" gegen die dritte Rabbinersammlung, in welcher es unter andern Exklnmationen gegen die Mitglieder derselben heißt: „nein, nein/jene Männer sind nicht unsere Vertreter, ihre Worte nicht der Ausdruck unserer Gesinnungen". Im Namen der Rabbincrversammlnng muß ich-nun von vornherein Verwahrung dagegen cinlegen, als hätten wir je die Vertketcr irgend einer einzelnen Partei sein wollen, auf die gesammte Judenheit^) war und ist unser Blick gerichtet, und wenn im vorigen Jahre, wo es sich um eine entschiedene und durchgreifende Reform des öffentlichen Gottesdienstes handelte, das EineE.rtrem sein Zetergeschrei laut erhob, so mag cs wohl kommen, daß in diesem Jahre, wo. es um Aufrechthaltung des Sabbats sich handelt, die Kriegstrompete von einer andern Seite her sich vernehmen lasse *)i Wir sind zusammengetreten , von Nim and en deputirt und mit keiner andern Mission, als welche unser Beruf uns auferlegt, um uns gegenseitig 31t kräftigen in der Führung unseres höchst schwierigen Amtest), um uns zu verständigen über Das, was wir in den: jüdischen Nteligionswesen für wesentlich*) erachten, daß es aufrecht erhalten , oder was w i r für u n w e s e n t L i ch h a l t e n, daß seine Ausscheidung angestrebt werde. Nie haben wir Defchlüffe in dem Sinne aufgcfaßt, daß sie gesetzgebend sein sollen^); wir haben es bis zum Uebermaaße wiederholt, daß wir nur b e r a t h e n d verfahren, und wenn wir bei unfern Verhandlungen die Stimmen 1) Nun, das muß ich sagen, das ist denn doch eine Lrlfftige Verwahrung! Die R« - V. wollte 'wie eine einzelne Partei, sondern die gesammte I ud enh eit, also alle Parteien darin vertreten, und wenn nun die einzelnen Parteien nacheinder kommen und solche Vertretung zurückweisen, so sagt die R. -V. zu beiden Parteien zugleich; Wir wollen ja weder Dich allein noch Dich allein sondern Euch alle repräsentiren, und folglich hat keine von Euch beiden ein Recht, uns zu dasavouiren. Sie ist jetzt faktisch von allen Parteien zurückgewiesen. 2) Mit andern Worten: Im vorigen Jahre hat uns die eine Partei die Lhüre gewiesen; ist es deshalb nicht ganz in der Ordnung, daß wir in diesem von der andern Partei Fußtritte erhalten? Ich glaube nicht, daß sich gegen solchen Schluß etwas Erhebliches einwenden läßt. 3) Schwierig ist allerdings eine Amtsführung, welche mit zwei Parteien zugleich kokettirt und beide zu überlisten strebt. Ein aufrichtiger und redlicher Rabbiner dagegen hat, welcher Meinung er auch huldige, solche Schwierigkeiten nicht zu überwinden, weil er nicht ^Gefahr läuft, vojn zwei Seiten mit Recht'angegriffen zu werden. 4) Aehnli'che Proben von Bachur-Deutsch folgen noch mehrere. . . 5).Sehr großmüthig von Eurer Hochwürden! Wir zweifeln keineswegs an Eurer Unmacht, und eben so wenig an Eurer'Unfähigkeit, die Pristermacht zu erobern; wir sprechen blos von Euern gemeingefährlichen bösen Willen. zählen, so hat dies mehr formell als wesentlich eine Bedeutung (?), so daß selbst die Minorität der versammelten Nabbinen durch die Aussprüche der Majorität nicht gebunden ist. Die Versammlung erklärt es nun schon zum dritten Male feierlichst, und unaufgefordert, daß sie im Besitze keinerlei geistlicher Macht sich befinde und nach keiner solchen strebe, daß sie keine andere Autorität besitze, noch besitze!! wolle, als welche das Volk ihr freiwillig zugestehe^); wer in aller Wett also darf uns verwerfliche Tendenzen in die Seele schieben, welche wir mit alter Entschiedenheit von uns abweisen? Es ist daher ein eitler Popanz, welchen die „Verwahrung" aufstetlt, wenn sie von ,,Hierarchischen Absichten" und von einer „priesterlichen Autorität" spricht'), welche wir auf dm Trümmern der uralten individuellen Denk- und Glaubensfreiheit uns anmaßten". Welch ein Unsinn in Ausdruck und Gedanken! wir maßen uns auf den Trümmern der Denk- und Glaubensfreiheit eine Autorität an!1 2 3 4) Wie? tag etwa die Glaubensfreiheit bei den Israeliten schon vor deur Auftreten .der jüngeren Rabbiner in Trümmern, wie kann der Wolf dann dem untenstehenden Lamm die Trübung 6) Da eben liegt ja der Hund begraben. Ihr besitzt Gottlob keine Macht, und weil ihr auch keine Aussicht habt, solche auf geraden Wege zu erlangen, so strebt ihr, nach dem Beispiele eurer römischen Vorbilder, auf den Schleichwegen der Intngue dahin, das „Volk" zu berücken, daß es euch dasjenige freiwillig zugestehe, was euch nichtgebührt. Und das ist auch der „Fortschritt," den wir mir allen unfern Kräften zu verhindern streben. 7) Hierüber verweisen wir auf einen Aufsatz im „Sabbat- Blatt:" vor. Iahrg. Was hat Dr. Geiger aus dem Karholicismus entnommen?" auf einen Artikel aus Frankfurt a. M. in Nr. 11 und auf einen hier gegeben resumirenden Art. aus der,,Hanauer Zeitung" Nr. 225. 8) Hier erlaubt sich Hr. Stein die Verstümmelung eines Satzes, um diesen dann, so zugerichtet, nach seiner Weise anzufechten. Pfui, Hr. Rabbiner, das ist nicht schön von Ihnen! Der fragliche Satz lautet bekanntlich: „Sie haben dieses Mittel nur zu benutzen gesucht, nur auf den Trümmern der ... Glaubenfreiheit sich eine . . . priesterliche Autorität anzumaßen." Sie haben, Herr Rabbiner, so gut wie jeder andre Leser, sehr richtig hierunter verstanden, daß Ihre Gesellschaft den Versuch gewagt, unsre Denk- und Glaubensfreiheit zu zerstören, um eann auf deren Trümmern Ihren Baalstempel zu errichten. Das es aber bisher weder Ihnen, den „Lämmern", noch ihren Vorgängern, den „Wölfen", gelungen, jene Freiheit zu zertrümmern, das gehr klar daraus hervor, daß noch eine mäßige Anzahl Verteidiger an den Pforten ihres Tempels stel en und Ihnen ein donnerndes „Sie sollen ihn nicht haben!" entgegenrufen. Auch wird Gott stets wie bisher verhüte ■, daß ihr je an das Ziel eurer Bestrebungen gelangt, vom „Volke" eine „Autorkat" freiwillig zugestanden zu erhalten. Ich gestehe übrigens, daß ich, so oft ich diese Bachurim von der Gesammtheit unserer Gemeinden als vom „Volk" reden höre, dem Redner jedesmal in meiner nächsten Nähe haben möchte, um ihn die gebührende volksthiimliche Lektion eigenhändig appliciren zu können.

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