Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1846)
- Date
- 1846-09-03
- Page
- Seite 284 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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lich, so schnell, und so sehr kann es,sich doch mit uns nicht verschlimmert haben , daß wir im vorigen Jahre rühmenswerth und in diesem so verdammcnswerth erschienen, daß man unsere frühere Wirksamkeit einer Erwähnung nicht würdig hielt? In der That sonderbar!^) Wäre wirklich das Verfahren der Rabbiner ein ,,leeres Gaukelspiel"", ginge unser Streben wirklich, ,,gewandt und beharrlich" dahin, den bessern Geist im Keime zu ertbdten, den Sinn des Volkes durch ,,eitle Redensarten" zu berücken, wie unsere „Verwahrer", mit diesen und ähnlichen Jnvektiven freigebig um sich werfend, die Welt wollen glauben machen, nun, warum hat man dies im v. I. nicht besser gewürdigt, nicht entschieden zurückgewiesen, statt unser Verfahren entschieden zu loben und aufmunternd hervorzuheben? Denn der diesjährigen Versammlung konnten bittere Vorwürfe solcher Art nur von Augenzeugen gemacht werden") , und siehe da diese, die würdigsten urrd fortgeschrittensten Männer der israelitischen Gemeinde zu Breslau haben sich ebenfalls beeifert, und zwar ebenfalls erst am Schlüsse der Verhandlungen, ihre fortwährend innige Theilnahme für das Institut der Rabbiner-Versammlungen durch eine Adresse, bedeckt mit zahlreichen^) , ohne K o l p o rden Pranger stelltet! Seid künftig vorsichtiger, und ruft euch zuweilen den Spruch einander zu: „mN"! (?) D'EDn DD’nrm"! 13) Ebenso sonderbar, als es weiland dem „göttlichen" Cagliostro Vorkommen mochte, noch vor Monaten für ein höheres Wesen gegolten zu haben und doch bald darauf als ein gemeiner Taschenspieler angesehen zu werden. Allerdings wäre eine so rasche und so radikale Verwandlung ein wirkliches Wunder gewesen; allein es war keine Verwandlung , sondern blos eine Entlarvung vor sich gegangen, und Cagliostro blieb Cagliostro! 14) Sind denn die Ohrenzeugen, welche übereinstimmend in alle öffentliche Blätter berichtet haben, nicht gültig? Nein, werden Sie antworten, sie sind es nicht, denn es sind pure „Laien," folglich, insofern sie die N.-V. nicht loben, „Orthodoxe," „Ungebildete," „Intriguanten" rc. Aber rühren denn nicht die Berichte im „Jsraclit" und in der „ A. Z. d. Z." von „ordinirten" Männern und Mitgliedern der R.-V. her? ja sind Sie, Herr Leopold Stein, nicht selbst der Berichterstatter des „Franks. Journals" über die Breslauer Versammlung gewesen? Haben Sie nicht eigenhändig, wenn auch „pastotalklug" zugestutzt und geschnorkelt, das 2 9. Bu llet in der R.-V. geschrieben? Bedarf man noch eines weitern Zeugen? Ist etwa der Grundsatz: riNlin 'Q"! üny riNDD jN" von einer R.-V.' für „de jure aufgehoben" worden, wie die zweiten Feiertage? 15) Hr. Stein hat im Franks. Journal diese Zahl auf 200 angegeben, andere öffentliche Berichterstatter sprachen nur von siebzig Unterschriften. In beiden Fällen steht diese Zahl in keinem Verhältniß mit der „höchst zahlreichen" Gemeinde. t tr tni g v o n H a u s^ zu H a u se'") zu Wege gebrachten Unterschriften auf eine glänzende Weise an den Tag zu legen. So muß denn doch die Nabbmerversammlung, in der Nähe betrachtet, keine so schanererregende Erscheinung fein, wie unsere Himmel und Hölle aufbietmden „Verwahrer" sie darstellen möchten. , Man wirft uns auf eine tief verletzende Weise vor, „daß wir die Namen Religion, Fortschritt und Aufklärung zum Deckmantel mißbrauchten, um der gedankenlosen Wcrkheiligkcit und dem wortktaübenden (!") Buchstabendienste die längst verlorene Macht wieder zu erobern, der schnödestell Heuchelei Thür , und Thor zu öffnen!" (Beschluß folgt.) 16) Hr. Stein weiß sehr genau, wie es mit den Huldigungsadreffen getrieben wird, und man weiß auch, woher er diese genaue Kenntniß hat. Was übrigens die „Verwahrung" betrifft, so ist dieselbe keknesweges von Männern „kolportirt" worden, die etwa Personen gegen deren Ansicht oder Neigung zum Unterzeichnen beredet hätten, wie man im vorigen Jahre um seine Unterschrift für die „Dankadresse hie und da geplagt ward —- sondern das Originaldokument ist, nachdem es in dem Redaktionskomicv berathen und von dessen Mitgliedern unterschrieben war, einfach durch einen Diener den Gleichgesinnten zur Unterzeichnung zugestellt worden. Es wurde um Unterschriften weder geworben noch gebettelt, noch wurden solche bezahlt. — 17) Der Leser weiß nicht recht, was dieses von Hrn. Stein in den Weg gestellte Ausrufungszeichen bedeuten soll und worüber sich Hr. St. eigentlich wundert'. Das verhält sich also: Hr. Stein, sonst bekanntlich ein großer Mann von erhabener Denkungsweise, läßt sich bisweilen, zumal wo ihm die Gründe ausgehen, zu sehr kleinlichen Dingen herab. Er, dessen Phrasen nicht selten aller Logik und Grammatik hohnsprechen, hängt sich häufig an Styl und Sprache seiner Gegner, um sie, wie er meint, aus Kannabichs Grammatik eines Bessern zu belehren. Wir haben bereits oben gesehen, wie es bei solchen Kriegsoperationen nicht immer ganz redlich hergeht und wie sogar auch nebenbei einmal eine kleine Verstümmelung, Entstellung n e. Verfälschung vorfallen kann. Nun hat es dem weisen Rabbi gefallen, ln der Beilage zum „Franks. Journal" Nr. 224, vielleicht auf irgend einen Druckfehler gestützt, „wortglaubenden" statt „wortklaubenden" abdrücken zu lassen und uns so seinen undeutschen Ausdruck unterzuschieben. Aber da erwachte mitten darin sein Gewissen und er . stieß einen Schrei der Verwunderung ob solcher minutiösen Unredlichkeit''aus. Der Ausruf ward — zwar nicht Fleisch, aber doch Tinte . . . et hinc das eingeklammerte Ausrufungszeichen!